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HausbruchLokales

Nachbarschaftsposse beschäftigt das Landgericht

Hausbruch. Karin B. lebt seit Jahrzehnten in ihrem Haus in Hausbruch. Eine kleine Wohnstraße, im Wesentlichen mit Einfamilienhäusern bebaut, die meisten Nachbarn kennt sie gut. Man grüßt und schätzt sich, eigentlich ist alles im Lot.

Am Abend des 9. August fegte ein Sturm durch den Ort, die Wetterstation bestätigte später, dass Windstärke 9 erreicht wurde. Der Ahornbaum im Garten von Karin B. ließ bei der Gelegenheit zwei große Äste herabfallen. Einer landete im Garten der Baumbesitzerin, der andere vollständig auf dem Dach des Nachbarn. Nur mit dem abgebrochenen Ende hängt der Ast noch im Baum, dies aber vollständig über dem Grundstück von Herrn H, der kurzerhand einen Brief an seine Nachbarin verfasste: “…fordere ich Sie auf, die fristgerechte Entsorgung des abgebrochenen Astes zu beauftragen…”. Weiterhin mahnt er an, vorher keine Feststellung über die Höhe des Schadens tätigen zu können.

Frau B. reagierte sofort, informierte ihre Versicherung(en) und erkundigte sich bei einem Wetterdienst, welche Windstärke diesem Ereignis in ihrem Garten zugrunde lag. Schließlich schrieb sie ihrem Nachbarn zurück und informierte ihn über die Aussage ihrer Versicherung. Diese hat ihr mitgeteilt, dass Herr H. sich bei seiner Gebäudeversicherung melden müsse, da der Schaden an seinem Gebäude entstanden sei. Der Pressesprecher der Hamburger Feuerkasse, bestätigte dies gegenüber Aktuelles aus Süderelbe: ” Wenn ein Schaden auf dem Grundstück des Nachbarn wie in der von Ihnen geschilderten Weise entstanden ist – wie in diesem Fall, in dem es um die Kosten für die Beseitigung des Astes geht – dann ist es in der Tat an dem Nachbarn, seine Gebäudeversicherung zu informieren, die den Fall bearbeiten und alles weitere veranlassen wird”.

Auch der Nachbar ist versichert, also sollte alles geklärt werden können. Doch wenige Tage später erhielt Frau B. ein Schreiben des Landgericht Hamburg. Dieses enthielt einen “Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung”. Frau B. wurde also aufgefordert, unverzüglich den Ast zu beseitigen, der ansonsten drohe, einen Ventilatoren zu beschädigen bzw. dadurch ein Loch im Dach des Hauses zu verursachen. Der Schaden sei kaum zu ermessen, schreibt die Kanzlei, weshalb man den untersten Gegenstandswert von 18.000 Euro zugrunde lege, der im Eilverfahren regelmäßig halbiert oder gedrittelt würde.

Bis zum Streitwert von 5000 Euro wäre in diesem Fall das Amtsgericht zuständig, wenn der Streitwert höher ausfällt, fällt die Zuständigkeit dem Landgericht zu. Eine Ortsansässige Fachfirma gab an, diesen Ast für 70 Euro zu entfernen und vollständig zu entsorgen: “Dafür brauchen wir zu Zweit etwa 15 Minuten”. 1 Richter(in), 2 Anwälte, eine Protokollantin und sonstige Verfahrensbeteiligte verursachen ein vielfaches dieser Kosten. “Während die Staatsanwaltschaft bei Strafsachen regelmäßig die Verhältnismäßigkeit prüft, kann man das Zivilgericht mit Ästen und Blättern beschäftigen.”, kritisiert ein Bekannter von Karin B. Herr H. war für eine Stellungnahme für uns nicht zu erreichen.

 

 

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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2 Kommentare

  1. die Posse ist doch wohl eher das Frau B. Ihrer Pflicht als Hausbesitzerin nicht nachkommt und den Ast der von Ihrem Baum auf das Nachbardach hängt ,nicht entfernen läßt ! Und wenn es dann auch noch so billig ist kann ich nicht verstehen wie sie mit dem Leben Ihrer Mitmenschen umgeht. Wenn man es sich nämlich genau anguckt (ich wohne in der Nähe) , kann der Nachbar von Glück sagen das er bisher nicht erschlagen wurde wenn er in der Nähe dieses Riesenastes vorbei geht (oder es versucht). Und daß empfinden Sie als Posse? Dann gilt wohl für Sie nur das recht des frecheren. Da kann ich nur sagen Armes Deutschland!

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