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Kultur

Barrierefreiheit in Neu Wulmstorf: Nachbesserungsbedürftig, aber nicht hoffnungslos

Neu Wulmstorf. Unter dem Motto des Sozialverbands Niedersachsen „Ich bin nicht behindert – ich werde behindert“ beteiligte sich der SoVD-Ortsverband Neu Wulmstorf an einer niedersachsenweiten Kampagne für mehr Inklusion. Über drei Monate sammelte der Ortsverband Fundstellen, die für Menschen eine Behinderung in ihrem Alltag mit sich bringen können. „Die meisten Meldungen sind erwartungsgemäß zu Mobilitätshindernissen im öffentlichen Bereich eingegangen“, sagte Jürgen Wolthausen, stellvertretender Vorsitzender des SoVD-Ortsverbands und Ansprechpartner bei dieser Aktion.

Aber auch Defizite in Privathäusern, beispielsweise Arztpraxen, Läden und Gaststätten wurden beschrieben sowie fehlende Assistenzeinrichtungen für Hör- und Sehbehinderte. Der Ortsverband lud Bürgermeister Wolf Rosenzweig zum 9. Oktober 2018 in die SoVD-Monatsversammlung ein, um ihn über einige Befunde konkret zu informieren. Wolthausen stellte dem Bürgermeister dazu einige Fragen, unter anderem: Wie können solche Hindernisse beseitigt werden? Wer ist in der Gemeinde dafür zuständig? Welche Vorgaben erteilt die Gemeinde, wenn neue Infrastruktur erstellt wird? Wie können fehlende Hilfsmittel zielgenau und kostengünstig beschafft werden? Was ist das wichtigste Inklusionsvorhaben in Neu Wulmstorf? Es war damit zu rechnen, dass Rosenzweig die konkreten Punkte in der Kürze der Zeit nicht alle behandeln konnte. Seine wichtigste Mitteilung an Anwohner und Anwohnerinnen ist deshalb, man möge sich nicht scheuen, die Verwaltung, die Ratsmitglieder und ihn selbst zu kontaktieren, wenn es ein Problem gibt.

Die SoVD-Vorsitzende Änne Heinrich äußerte sich erfreut darüber, dass der Bürgermeister zum Dialog mit dem SoVD auch zu diesem Thema sofort bereit war, auch wenn gute Inklusion unter anderem aus finanziellen Gründen nicht immer so einfach sei, wie Rosenzweig dazu meinte. „Viele verstehen unter Inklusion nur die Neugestaltung von Schulen. Sie betrifft aber die ganze Gesellschaft“, sagte Heinrich. Ihr Ziel: Die regionale Politik muss Barrierefreiheit und Inklusion ernst nehmen und die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen. Der Ortsverein hatte Ratsmitglied Regina Buyny, die selbst Rollifahrerin ist, als Schirmherrin für die lokale Aktion gewonnen. „Die Sammlung war eine gute Idee“, sagte Buyny. Sie weiß aus der Debatte im Rathaus, dass auch für Ältere oder Mütter mit Kindern gute Mobilitätsbedingungen erforderlich sind. Ein Lichtblick für Neu Wulmstorf: Die Defizitliste ist erfreulicherweise nicht übermäßig lang, so dass Abhilfe möglich ist. Der SoVD-Ortsverband wird sich mit Inklusion und wie sie erreicht werden kann, weiter im Kreis der Mitglieder sowie auch in der lokalen Politik befassen.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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