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Politik verschließt die Augen vor Tierversuchen im Bezirk Harburg

"Lobby Pro Tier" sieht keine Notwendigkeit für Versuche mit Tieren

Neugraben. Bereits seit dem November 2013 demonstrieren zweimal wöchentlich Tierversuchsgegner der “LPT-Mahnwache” gegen Tierversuche, die im großen Stil in den Räumen des Tierversuchslabors am Redderweg 8 stattfinden sollen. Wie die “Zeit” am 28. April 2014 berichtet, hat das Institut mit Beginn der Proteste den Zugang zur firmeneigenen Webseite eingeschränkt. Bis dahin konnte man lesen, dass in den vergangenen 50 Jahren dort 300 Chemikalien und Medikamente auch an Mäusen, Ratten, Hamster, Schweinen, Hasen, Hunden, Affen, Katzen, Meerschweinchen, Fischen und Vögeln geprüft worden seien. Mehrfach wurde das Tierversuchslabor um Stellungnahmen gebeten, doch weder gibt es Auskunft, noch Gesprächsbereitschaft.

Foto: Fethke

Ganz im Gegenteil: Wie einige der Demonstranten berichten, gab es in der Vergangenheit Vorfälle, bei denen der Leiter der Anlage seinem Ärger über die Demonstrationen Luft machte, indem er beim Vorbeifahren Kerzen umfuhr und Gefahrensituationen für die Mitglieder der Mahnwache schuf. Das Labor soll eines der größten Auftragslabore für Tierversuche in Deutschland sein.

“Plakate an den Zäunen sollen Anwohnern und Passanten die Richtigkeit ihres Tuns und damit die Notwendigkeit von Tierversuchen suggerieren. Unbeeindruckt von Protesten gegen Tierversuche errichtete das LPT auf seinem Gelände am Redderweg 2016 ein weiteres Labor, in dem nach unbestätigtem Kenntnisstand der Initiative Versuche mit Mäusen stattfinden sollen, darunter die grausamen LD50-Tests für Botulinumtoxin-Produkte. Bei diesem sogenannten LD50-Test wird Mäusen das Gift in verschiedenen Verdünnungen in die Bauchhöhle injiziert, um die Menge zu ermitteln, bei der die Hälfte der Mäuse stirbt. Für die Tiere ist dies mit furchtbaren Qualen verbunden. Es kommt zu Muskellähmungen, Sehstörungen und Atemnot. Der Todeskampf kann sich über drei oder vier Tage hinziehen. Die Mäuse ersticken schließlich bei vollem Bewusstsein.”, berichtet Sabine Brauer von der Lobby pro Tier anlässlich des 5-jährigen Bestehens der Mahnwache.

Foto: Brauer

Die Fraktionen der GRÜNEN und DIE LINKE haben am 24.2.2015 mit einem Antrag an die Bezirksversammlung Harburg versucht, Auskunft über Art und Umfang der Versuche zu erhalten. Außerdem wollten sie erreichen, dass Mitglieder der Bezirksversammlung das Labor besichtigen dürften. Nur die Neuen Liberalen konnten dem Antrag zustimmen, alle anderen Fraktionen der Bezirksversammlung haben diesen Antrag jedoch abgelehnt. Am 10.2.2017 haben die CDU-Abgeordneten Birgit Stöver und Dennis Thering einen Anfrage in die Bürgerschaft eingebracht. Sie wollten wissen, ob die staatlich durchgeführten Kontrollen der Anlage ausreichend seien.

Dabei stellte sich heraus, dass eine Statistik über die durchgeführten Versuche nur in der Gesamtheit für alle 7 in Hamburg ansässigen Institute erfasst wird. Demnach werden jährlich rund 400 Versuche zugelassen, die Anzahl ist seit Jahren nahezu unverändert. Eine Kontrolle in Besuchsform soll alle 3 Jahre erfolgen, gab es 2014 noch insgesamt 16 Kontrollen, so waren es 2015 nur noch 5 und 2016 nur 4 Kontrollen. In den Jahren 2014 und 2015 wurden bei  Tierhaltung,  Versuchsdurchführung,  Eigenkontrollen und Dokumentation in mindestens jeweils einem Fall beanstandet, allerdings seien diese nach Behördenangaben nicht derart gravierend, dass sie straf- oder ordnungswidrigkeitenrechtlich geahndet werden müssten. Seit 2011 wurden 47 Tierversuche von der Behörde abgelehnt, da diese gegen § 7 Absatz 2 (Unerlässlichkeit des Tierversuchs) und § 7 Absatz 3 Satz 1  Tierschutzgesetz (ethische Vertretbarkeit) verstießen.

Nach §7 des deutschen Tierschutzgesetzes besteht eine Verpflichtung, tierversuchsfreie Methoden einzusetzen, wenn der verfolgte Zweck auf diese Weise ebenso erreicht werden kann wie mit einem Tierversuch. „Wir fordern das LPT auf, eine tierversuchsfreie Testmethode zu entwickeln und die Tierversuche für die Prüfung von Botulinumprodukten sofort einzustellen. Für den Zeitraum bis zur Anerkennung einer Zellmethode ist auf die Produktion des Präparates zu verzichten“, sagt Horst Plohnke, der seit vier Jahren unermüdlich vor dem Labor auf das Leid der Tiere aufmerksam macht. „Die Existenz tierfreier Testmethoden sollte Grund genug sein, die LD50-Tests an Mäusen beim LPT zu untersagen, um auch das LPT zu veranlassen, auf einen tierversuchsfreien Test umzustellen“, ergänzt Plohnke seine Forderung.

Anlässlich des fünfjährigen Jubiläums laden die Mitglieder der LPT-Mahnwache erneut alle Tierfreunde ein, die MahnwächterInnen bei ihren morgendlichen Aktionen vor dem LPT-Tierversuchslabor in Hamburg-Neugraben, Redderweg 8, (dienstags und donnerstags von 6:00 – 8:15 Uhr) zu unterstützen. „Wer Teil unserer Aktion sein möchte, ist herzlich eingeladen und willkommen mit uns zusammen für die Tiere zu kämpfen“, ergänzt Angela Fethke, für die die Mahnwachen eine große Herzensangelegenheit darstellen.

„Die vergangenen Jahre beweisen, was persönliches Engagement unserer regionalen Initiative bewirken kann. Deshalb werden wir unseren eingeschlagenen Weg auch beherzt weitergehen“, gibt sich Sabine Brauer entschlossen. Tierversuche werden erst dann nicht mehr stattfinden, wenn sie von der Bevölkerung geächtet, von der Politik per Gesetz verboten und nicht mehr mit unseren Steuergeldern gefördert werden. Solange sie jedoch gesetzlich vorgeschrieben oder wie die Mehrzahl auch nur erlaubt sind und sich damit leicht Profite erwirtschaften lassen, müssen Tiere weiterhin unermessliche Torturen und den Tod in Versuchslaboren erleiden.“

 

 

 

 

 

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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