Überregional

Zehntausende demonstrieren für ihre Zukunft

Berlin. “Macht ihr eure Hausaufgaben, dann machen wir unsere”, fasst ein Plakat eines Schülers auf dem Platz vor dem Kanzleramt in Berlin zusammen, worum es den Demonstranten geht. Als die damals 15-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg damit begann, an jedem Freitag die Schule zu schwänzen und stattdessen für die Umwelt zu kämpfen, hoffte sie auf genau diese Aufmerksamkeit für das Thema.

Luisa, eine Studentin aus Göttingen ist eine der Sprecherinnen von “Friday for Future” in Deutschland. Sie hat die Demonstration angemeldet und rechnete mit etwa 1000 Demonstranten, am Ende waren es in der Spitze, allein in Berlin, mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler, aber auch Studenten und Umweltaktivisten. Auf der Bühne sprach auch Schauspieler und Regisseur Michael Bully Herwig: “Ich schäme mich für meine Generation, dass wir das nicht früher gemacht haben”.

Luisa wird in ihrer Aussage, die Demonstrationen fortzusetzen, bis die Forderung umgesetzt wird, auch von Bully Herwig unterstützt. Der forderte alle Schülerinnen und Schüler auf, es den zehntausenden Jugendlichen gleichzutun und legt wert darauf, es auch an einem Freitag zu belassen. “Nur so werden sich auch Eltern, Schulen und Ministerien mit dem Thema auseinandersetzen”, ist sich Bully sicher.

Die Bewegung hat in den letzten Wochen unzählige Ortsgruppen gegründet, woraus konkrete Forderungen formuliert wurden. Ziel ist ein kompletter Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030.

  1. Sofortige Abschaltung der fünf ältesten Kohlekraftwerke
  2. Abschaltung weiterer 14 Braunkohleblöcke bis 2020
  3. Drosselung der übrigen Kohlekraftwerke mit vollständigem Ausstieg bis spätestens 2030.
  4. Gelder für Umschulungen und Weiterbildung der Beschäftigten und die Regionen, nicht für die Konzerne
  5. Hambacher Forst bleibt stehen, kein Abbaggern weiterer Dörfer, keine weiteren Tagebaue & Kohlekraftwerke.

Veränderungen, so ist sich Luisa sicher, werden die Kraft der jungen Generation benötigen. Auch in den sozialen Medien wird das Thema heiß diskutiert. Unter dem Hastag #FridaysForFuture beispielsweise bei Twitter. Den Vorwurf, die Jugendlichen würden nur deshalb zur Demo gehen, weil sie jede Gelegenheit zum Schwänzen nutzen würden, entgegnete Luisa mit dem Hinweis, man solle sich das ganze doch mal ansehen vor Ort. Wer etwa 4 Stunden bei -7 Grad mit dem warmen Klassenzimmer tauscht, hat Angst um seine Zukunft. Gründerin Greta Thunberg findet drastischere Worte: “Ich will, dass die Handelnden so vorgehen, als stünde unser Haus in Flammen”.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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