Kultur

Zeitreise zu den Bauern und Fischern von früher und in die Nachkriegszeit

Gelebte Geschichte am Kiekeberg 2019

Rosengarten. Besucher des Freilichtmuseums am Kiekeberg erleben bei den Darstellungen der Gelebte-Geschichte-Gruppen eine Zeitreise durch verschiedene Jahrhunderte. Ehrenamtliche Mitarbeiter zeigen in rekonstruierter Kleidung, wie Bauern im Jahr 1804 und eine Fischerfamilie im Jahr 1904 lebten. Neu ist die Gruppe zur Nachkriegszeit um 1945: Die Darsteller kochen ein spärliches Mahl im Freien auf der Kochhexe und leben in einer Notunterkunft, der Nissenhütte. Das Museum ist am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet – die Vorführungen finden den ganzen Tag über statt. Der Eintritt inklusive Vorführungen kostet 9 Euro, für Besucher unter 18 Jahren ist er frei.

Das Leben in der Nachkriegszeit gehört mit dem Projekt „Königsberger Straße“ zum Freilichtmuseum am Kiekeberg: Die neue Darstellergruppe Gelebte Geschichte 1945 zeigt authentisch die Lebenssituation dieser Zeit: Not und Improvisation, der Neuanfang von Flüchtlingen und Vertriebenen, das Leben in Notunterkünften oder Einquartierungen, aber auch die allmähliche Verbesserung der Umstände bis zum Wirtschaftswunder. Kaffee aus gerösteten Eicheln, Tabak verarbeiten – Selbstversorgung aus dem Notgarten und Tauschhandel… Besucher sehen den Alltag in der Nachkriegszeit und kommen mit den Darstellern ins Gespräch. In den kommenden Jahren werden sechs Gebäude der Nachkriegszeit in der „Königsberger Straße“ aufgebaut.

Die Darsteller der Gelebten Geschichte 1904, eine Fischerfamilie von der Elbmarsch, bereiten ihre Netze wie vor 100 Jahren für den nächsten Fang vor. Besucher sehen, wie sie knüpfen, flicken und Fische räuchern. Der Fischer und sein kleiner Sohn arbeiten im hauseigenen Kräutergarten. Dort bauen sie auch edles Gemüse, wie zum Beispiel Spargel, für den Verkauf auf dem Hamburger Markt an.

Bei der Gelebten Geschichte 1804 schauen Besucher der Bäuerin über die Schulter, wie sie eine zeitgemäße Mahlzeit, wie z. B. Buchweizengrütze, zubereitet. Der Bauer versorgt indessen die Hühner, Kühe oder Schweine. Der Discher, plattdeutsch für Tischler, geht ans Werk. Interessierte sehen detailgetreu, wie der Grootvadder das erste Bier des Jahres braut, Magd und Knecht auf dem Feld arbeiten oder Kinder die Gänse hüten. 

„Bei der Gelebten Geschichte zeigen wir ganz bewusst den normalen Alltag, der nicht in den Geschichtsbüchern steht“, erklärt Museumsdirektor Stefan Zimmermann. „Was bedeutete es früher auf dem Land zu leben? Welche Aufgaben hatten die einzelnen Familienmitglieder? Wie sahen ihre Kleidung und Gerätschaften aus?“ Die Darsteller führen vor und beantworten die Fragen der Besucher.

Die Gelebte Geschichte ist eine Reihe – die Darstellungen 2019 ab April:

Sbd/So, 6./7. April, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1804 + 1904
Sbd-So, 11./12. Mai, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1804 + 1904
So, 1./2. Juni, 10-18 Uhr „1945 – Der erste Sommer in Frieden“ mit Gelebter Geschichte 1945
So, 9. Juni, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1945
Sbd/So, 22./23. Juni, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1804 + 1904: Bier
Di-So, 6. August-11. August, 10-18 Uhr Veranstaltung: Sommerspaß
mit Gelebte Geschichte 1804 + 1904
(nur am So 11.8.19 Gelebte Geschichte 1945)
Sbd/So, 17./18. August, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1804 + 1904
Sbd/So, 14./15. September, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1804 + 1904 + 1945
Sbd/So, 12./13. Oktober, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1804 + 1904: Kartoffel
So, 20. Oktober, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1945
So, 17. November, 10-18 Uhr Gelebte Geschichte 1945

Die Idee der so genannten „Living History“ stammt aus den angelsächsischen Ländern, Skandinavien und den Niederlanden. Seit 2004 ist das Projekt Gelebte Geschichte ein fester Bestandteil des Programms im Freilichtmuseum.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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