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Dem Bezirk Harburg entgleist der Verkehr

Laut SPD Fraktion will die Bahn 68 von 112 täglichen Verbindungen streichen

Harburg. Die SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Harburg schlägt Alarm. Wie aus der Fahrplanauskunft der Bahn, die ab dem 29. Juli 2019 Gültigkeit erhält, deutlich wird, entfallen zukünftig täglich 68 von 112 Zugverbindungen am Bahnhof Harburg. Vor dem Hintergrund, das angesichts des enormen Bevölkerungszuwachses im Bezirk Harburg eigentlich ein Ausbau notwendig wäre, fordern die Sozialdemokraten nun in der morgigen Bezirksversammlung die Rücknahme dieser Maßnahme. Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation soll diesbezüglich auf die Deutsche Bahn einwirken. Der Dringlichkeitsantrag sieht auch vor, dass ein Vertreter der Bahn im Ausschuss für Inneres, Bürgerservice und Verkehr Stellung nimmt.

Seit Jahren ist der Bezirk Harburg unzureichend versorgt, die S3 nahezu regelmäßig überfüllt. Besonders im Berufsverkehr können an Stationen wie Neuwiedenthal oder Neugraben etwa Personen mit Kinderwagen oder Rollstühlen oft nicht mitfahren. Den Straßen im Bezirk Harburg ergeht es nicht anders, so dass die Autofahrt kaum eine Alternative darstellt. Etwa der Finkenwerder Knoten, der Ehestorfer Heuweg, die Bremer Straße und große Teile im Umfeld des Harburger Bahnhofes werden seit Monaten, teilweise Jahren, als Nadelöhr in die Terminplanung eingespeist. Hinzu kommt, dass der Harburger Bahnhof für den gesamten nordöstlichen Raum Niedersachsens den zentralen Verkehrsknotenpunkt darstellt.

Die beabsichtigte weitgehende Einstellung der Bedienung des Bahnhofs Hamburg-Harburg durch ICE, IC- und EC-Züge der Deutschen Bahn ab dem 29. Juli 2019 wird gravierende Folgen für den Fernverkehr des gesamten Süderelberaums sowie das nördliche Niedersachsen von Cuxhaven über Stade bis hin zu Lüneburg haben. Alle Pendler und Reisende vom Bahnhof Hamburg-Harburg mit Ziel Bremen oder Hannover werden zusätzliche Fahrzeiten von einer halben bzw. ganzen Stunde pro Richtung in Kauf nehmen müssen, um ihre Arbeitsstätten zu erreichen.

Hamburg-Harburg wird aufgrund der beabsichtigten Nicht-Bedienung des Bahnhofs erheblich an Attraktivität als Hotel- und Tourismusstandort sowie Ausflugsziel südlich der Elbe einbüßen. Die zu erwartenden sinkenden Tourismus- und Hotelgästezahlen werden einhergehen mit einer deutlich sinkenden Attraktivität Harburgs als Wohn-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort insgesamt. Betroffen werden alle Gewerbetreibenden in unmittelbarer Nähe des Fernbahnhofs Hamburg-Harburg einschließlich des Phönix-Centers aber auch die Technische Universität als Austragungsort für internationale wissenschaftliche Konferenzen sowie Hotelbetreiber in Harburg. Dies ist nicht zumutbar und hinnehmbar. Zumal nicht ersichtlich wird, warum einzelne Züge ohne weitere Änderung in Harburg z.B. um 4;50 und 5:58 (Richtung Bremen) halten können, während es danach nicht mehr gehen soll.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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Ein Kommentar

  1. Das ist wirklich unfassbar! In der Öffentlichkeit wird immer wieder erzählt, dass man auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen soll, was einem faktisch eher erschwert als erleichtert wird. Ich besitze aus Überzeugung kein Auto und fahre ausschließlich mit Fahrrad und/oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Meine Entscheidung nach Harburg zu ziehen war unter anderem von der guten Anbindung an den Fernverkehr geprägt. Wenn man sich aber insgesamt die Verkehrssituation in Harburg anschaut, dann fehlt mir das Verständnis für die meisten Entscheidungen, die diesbezüglich von der Politik oder der Bahn getroffen werden. Als einzelne Person wird man wohl nichts werden, was wir brauchen sind organisierte Demonstrationen gegen die Art und Weise, wie die Bedürfnisse der Harburger hier bezogen auf die öffentlichen Verkehrsmittel ignoriert werden.

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