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Zum 80. Geburtstag von Hark Bohm: Eine Stadt sieht einen Film

NORDSEE IST MORDSEE SONNTAG, 5. Mai 2019

Hamburg. In diesem Jahr  feiert Hark Bohm, Regisseur des legendären Coming-of-Age-Segel-Roadmovies NORDSEE IST MORDSEE, seinen 80. Geburtstag. Zu diesem Anlass ist ein sein Film einen ganzen Sonntag lang auf 15 Leinwänden zu sehen und ein Wiedersehen mit seinem Filmteam geplant. Außerdem gibt es eine – mittlerweile ausverkaufte – Barkassenfahrt zu den Drehorten. Und natürlich wird Hark Bohm auch höchstpersönlich zu Gast in den Kinos sein.

Der 14-jährige Uwe lebt mit seinen Eltern in einer Hochhaussiedlung in Hamburg-Wilhelmsburg. Sein Vater betrinkt sich regelmäßig und schlägt Uwe und auch die Mutter. Seinen Frust baut Uwe außerhalb seiner Familie ab, er ist Anführer einer Jugendbande. Gemeinsam mit den anderen Bandenmitgliedern terrorisiert er Mitschüler und andere Kinder. Eines ihrer Opfer ist dabei Dschingis, ein asiatischer Junge. Uwe knackt zusammen mit seiner Bande einen Spielautomaten. Die Beute behält Uwe dabei für sich und will diese erst später aufteilen. Entgegen der Abmachung kauft er sich von dem Geld aber ein Springmesser. Auf dem Rückweg vom Geschäft entdeckt er Dschingis und beobachtet ihn heimlich. Der Anfang eines sozialkritischen Kultfilms, der 1976 zu großen Teilen in Hamburg-Wilhelmsburg gedreht wurde und zu dem Udo Lindenberg den Soundtrack beisteuerte.

Uwe Bohm und Herma Koehn in ihren Rollen als Mutter und Sohn. Beide werden von Uwe´s Vater, einem alkoholkranken Hafenarbeiter, gespielt von Marquard Bohm, ständig geschlagen.

Hark Bohm, geboren im Mai 1939 in Hamburg-Othmarschen und aufgewachsen auf der Nordseeinsel Amrum, absolvierte erst ein Jurastudium und debütierte danach mit knapp dreißig Jahren als Schauspieler. Blut geleckt im Filmbiz hat er durch seinen älteren Bruder Marquard Bohm. Hark Bohm spielte seit Ende der 60er Jahre unter der Regie von Rudolf Thome, Alexander Kluge und Rainer Werner Fassbinder, mit dem er 12 gemeinsame Filme drehte.

Nordsee ist Mordsee wird sein bekanntester Film. 1979 gehört Hark Bohm zu den Gründern des Hamburger Filmbüros und initiiert im gleichen Jahr das Hamburger Filmfestival, das heute zu einem der größten internationalen Filmfestivals in Deutschland zählt. 1992 rief er den Studiengang Film an der Universität Hamburg ins Leben, der seit 2008 zum Filmstudium der Hamburg Media School gehört. Insgesamt inszenierte Hark Bohm als Regisseur rund 20 Kurz- und Langspielfilme, darunter Der kleine Staatsanwalt, Yasemin (1988) und Herzlich Willkommen (1990) zuletzt war er an den Drehbüchern zu Fatih Akins Filmen Tschick und Aus dem Nichts beteiligt und ist aktuell auf der Leinwand im Goldenen Handschuh zu sehen. Hark Bohm erhielt 2018 die Ehren-Lola für seine herausragenden Verdienste um den deutschen Film. Im Mai und Juni 2019 widmet ihm die Kinemathek Hamburg eine umfassende Retrospektive.

Uwe und sein anfänglicher Kontrahent Dschingis entdecken Gemeinsamkeiten. Zusammen kommen sie auf die Idee, sich mit einem geklauten Segelschiff in Richtung Nordsee abzusetzen.

Der Schauspieler, Filmproduzent und Diplom-Psychologe Dschingis Bowakow wurde 1961 in München geboren. 1972 spielte Bowakow neben Marquard Bohm eine Hauptrolle im Regiedebüt seines (Zieh-) Vaters Hark Bohm Tschetan, der Indianerjunge. Anschließend ist Bowakow an der Seite von Uwe Bohm als „Dschingis Ulanow“ in Nordsee ist Mordsee auf der Leinwand zu sehen. Seine dritte Filmrolle erhält er in Moritz, lieber Moritz bereits zwei Jahre später. 1979 spielt Bowakow die kleine Nebenrolle eines sowjetischen Soldaten in Volker Schlöndorffs’ Die Blechtrommel.

2007 spielt Bowakow eine der Hauptfiguren im ungewöhnlichen Kriminalfilm Hölle Hamburg von Peter Ott und Ted Gaier. Neben der Schauspielerei war Bowakow auch an der Produktion einer Vielzahl deutscher und internationaler Filme beteiligt u.a. Das Versprechenvon Margaretha von Trotta (1994), Für Immer und immer von Hark Bohm (1997) oder auch Pola X von Leos Carax (1999).

Gesucht werden auch die Laiendarsteller von damals.

Weitere Informationen zum Rahmenprogramm gibt es unter
www.eine-stadt-sieht-einen-film.de

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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