Wirtschaft

Plötzlich 150: Harburger Rotes Kreuz ist älter als gedacht

Überraschendes Jubiläum beim DRK

Harburg. Ein nicht alltägliches „Kunststück“ ist dem Harburger Roten Kreuz gelungen: Es ist in nur fünf Jahren ganze 20 Jahre älter geworden. Die Erklärung: Bei Nachforschungen für eine Chronik hat eine Historikerin Belege dafür gefunden, dass sich ein Vorläufer des DRK Harburg schon im April des Jahres 1869 gründete – und nicht erst 20 Jahre später wie bis dahin angenommen. Mit 150 Jahren gehört das Harburger Rote Kreuz nun zu den ältesten Rotkreuz-Verbänden überhaupt.

„Einen 150. Geburtstag lässt man nicht unter den Tisch fallen, auch dann nicht, wenn er überraschend kommt“, sagt DRK-Vorstand Harald Krüger. Zwar war erst 2014 mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen das vermeintlich 125-jährige Bestehen gefeiert worden. Doch nun freuen sich Präsidium und Vorstand des DRK-Kreisverbandes Hamburg-Harburg darauf, am 26. April erneut Gäste aus anderen Rotkreuz-Verbänden und Hilfsorganisationen, aus Politik und Wirtschaft sowie langjährige Unterstützer und Helfer zu einem Festakt zu begrüßen. Dabei wird im Privathotel Lindner auch die Chronik „150 Jahre Rotes Kreuz Harburg: Vom kleinen Local-Verein zur großen Bürgerinitiative“ vorgestellt, die die Historikerin Dr. Andrea Brinckmann im Auftrag des Kreisverbandes Hamburg-Harburg erstellt hat.

Den entscheidenden Hinweis auf das wahre Alter des DRK Harburg entdeckte die Historikerin auf einer im Staatsarchiv Hamburg aufbewahrten Zeitungsseite: In den „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ vom 23. April 1869 wird die Gründung eines „Kreis-Vereins zur Pflege der im Felde verwundeten und erkrankten Krieger“ in Harburg bekanntgegeben. Zu den Initiatoren gehörten Ärzte des örtlichen Krankenhauses, Beamte, Kaufleute und Offiziere. Anlass zur Gründung gaben die Erfahrungen aus dem deutsch-dänischen und dem preußisch-österreichischen Krieg und der Wille, Hilfe zu gewähren, wo immer sie gebraucht wird.

Erst sechs Jahre vorher hatte sich auf Initiative des Schweizers Henry Dunant ein internationales Komitee gegründet, aus dem später das Rote Kreuz hervorging. Dunant war 1863 auf der Durchreise in Norditalien zufällig Augenzeuge geworden, als 40.000 Soldaten nach einer Schlacht zwischen französischen und österreichischen Truppen grausam leiden mussten oder starben, ohne dass ihnen jemand half.

Ein Mitglied der Harburger Sanitätskolonne in Rotkreuz-Uniform. Regelmäßig und freiwillig wurde ab 1907 für den Rettungsdienst in Notsituationen geübt. Foto: DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg e.V.

Aus diesen Anfängen heraus hat sich das Rote Kreuz längst zu einem modernen Wohlfahrtsverband und Anbieter sozialer Dienstleistungen entwickelt, wobei der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg e.V. ein besonders breites Angebotsspektrum vorweisen kann. Derzeit unterhält der Kreisverband als Träger unter anderem 17 Kitas, sechs Service-Wohnanlagen für Senioren, das Hospiz für Hamburgs Süden und das 2018 eröffnete Harburg-Huus für Obdachlose. Hinzu kommen weitere Angebote für Kinder und Jugendliche wie auch für ältere Menschen und Demenzpatienten, Ambulante und Palliativ-Pflege, eine Wohnunterkunft für geflüchtete Menschen, mehrere Integrationsprojekte und ein Charity-Secondhand-Shop. Rund 350 ehrenamtliche Helfer engagieren sich unter anderem im Kriseninterventionsteam, im Jugendrotkreuz und bei der Bereitschaft im Katastrophenschutz. Mit mehr als 1.000 hauptamtlich Beschäftigten ist der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg auch einer der größten Arbeitgeber im Süderelberaum und mit rund 6.500 fördernden Mitgliedern eine der größten Bürgerinitiativen in der Region.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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