Politik

Post-Chaos kommt nun auch in Neu Wulmstorf an

Neu Wulmstorf. Aus Kostengründen, so die Deutsche Post AG, habe man sich vor Jahren von den im Unternehmen geführten Filialen getrennt, vielerorts habe die Postbank den Vertrieb der Produkte und Dienstleistungen übernommen. Doch auch hier gibt es erste Erosionserscheinungen: Insbesondere durch massive Abgänge von Amazon, die immer mehr Paketsendungen im Eigenvertrieb zustelle, gerät die Post unter Druck. Dieser lädt sich zunehmend nicht nur mehr bei den Mitarbeitern des Konzerns ab, sondern sorgt auch bei Kunden für Frust. So steht jetzt eine ganze Gemeinde auf den Barrikaden.

Südwestlich von Hamburg, im niedersächsischem Neu Wulmstorf gab es bisher eine Postfiliale für mehr als 20000 Einwohner, außerdem noch eine kleine Filiale in Elstorf. Jetzt sickerte vor einigen Monaten das Gerücht durch, dass die Postfiliale geschlossen und durch eine Partnerfiliale ersetzt werden soll. Und das, obwohl derzeit im benachbarten Neugraben-Fischbek mehr als 12000 neue Einwohner zuziehen, zusammen mit den bereits dort ansässigen Bewohnern ist dieser Stadtteil Hamburgs dann rund 40000 Einwohner stark und auch dort gibt es nur eine einzige Filiale und eine kleine Agentur in den Räumen eines Verbrauchermarktes.

Das Neu Wulmstorfer Ratsmitglied Tobias Handtke ist enttäuscht über diese Vorgehensweise, vor allem aber auch empört über den Umgang der Post mit den Bewohnern. Ein Dienstleister, der in Sachen Kommunikation unterwegs ist, von dem erwarte man eine bessere Information und mehr Einsatz für die Kunden. Wir veröffentlichen den offenen Brief eines Ratsmitgliedes:

Liebe Deutsche Post!
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich wende mich mit einem offenen Brief an Sie, da Sie aktuell in unserer Gemeinde im Kernort Neu Wulmstorf viele Menschen enttäuschen! Ab dem 01. Juli soll es, so haben wir es vor einigen Monaten erfahren, keine Postannahmestelle in den gewohnten Räumen in der Bahnhofstraße mehr geben, da die Postbank den Mietvertrag gekündigt hat. Für die Zeit danach suchen Sie eine/n Inhaber/in, der/die das Postgeschäft in anderen Räumen weiter betreibt. Das ist ein Modell, dass in vielen anderen Kommunen bereits praktiziert wird, in Elstorf ein seit mehreren Jahren erfolgreiches Geschäftsmodell. 

Das ist nicht der Anlass für meine Kritik, sondern der Umgang damit und der Weg dorthin. Was wir mit unserer Post in der Bahnhofstraße als Postkunden in den vergangenen Wochen erleben durften lässt sich schwer mit einem dienstleistungsorientierten Unternehmen verbinden. Die Öffnungszeiten unserer noch bestehenden Postfiliale werden kaum noch eingehalten. Der traurige Höhepunkt ist die Ankündigung der Öffnungszeiten für die Woche vom 20. – 26. Mai. Am Montag, Mittwoch und Donnerstag wird die Postfiliale von 09:00 – 10:00 Uhr geöffnet haben. Nicht zugestellte Pakete vom vergangenen Samstag müssen aus Hamburg / Neugraben (!) abgeholt werden (von Tür zu Tür 45 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln entfernt!). Inzwischen werden soziale Netzwerke genutzt, um in Erfahrung zu bringen, ob sich der Weg zur Post überhaupt lohnt oder die Türen verschlossen sind. Ähnliches ist man bislang nur von der Zuverlässigkeit der S-Bahn bei (Un)-Wetter gewohnt gewesen. Bis zum 01. Juli vergehen noch einige Wochen, Dienstleistungsunternehmen sollten in Zeiten der Veränderung darauf setzen die Kunden mit größtmöglicher Zuverlässigkeit zu begegnen. Das Gegenteil ist der Fall! Als Ratsmitglied erfahren wir in Sitzungen, dass unser Bürgermeister in den vergangenen Monaten immer wieder aktiv nachfragen muss, um Neuigkeiten zu der Fortführung der Postgeschäfte in Neu Wulmstorf zu erfahren.

Tobias Handtke

Übrigens: 2018 hatte die Deutsche Post AG einen Reingewinn nach Abzug aller Kosten in Höhe von 3,16 Milliarden Euro. Die Regulierungsbehörde hat kürzlich der Erhöhung des Porto für Briefdienstleistungen zugestimmt. Während die Mitarbeiter des Unternehmens 2018 eine Gehaltserhöhung von etwa 3% erhielten, wurde an die Aktienbesitzer eine Dividende von 4,2% gezahlt.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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