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Bahnchaos: Harburg wird als nächstes digitalisiert

Hamburg. Nach dem Bahnchaos in den letzten Tagen fährt Senator Westhagemann im Kriesen-Modus. Während einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag kündigte der Senator einen regelmäßigen runden Tisch auf höchster Ebene an. Das Ziel sei, dem Fahrgastaufkommen, welches sich seit 2007 um 30% erhöht habe, gerecht zu werden. Täglich befördere man 750.000 Fahrgäste, allein am Hauptbahnhof steigen 280.000 um, aus oder neu ein. Damit sei Hamburg in Deutschland der am Stärksten frequentierte Bahnhof.

Westhagemann benannte einige Probleme: Verzögerungen in der Fertigstellung der Baureihe 490, ein Türsystem, welches bei gewaltsamer Öffnung den ganzen Zug blockiert und eine hohe Anzahl betriebsfremder Personen im Gleis. Eine der vordringlichsten Aufgaben sei aber die Digitalisierung der Stellwerke. In Bergedorf sei man damit fast fertig, als nächstes solle unbedingt Harburg digitalisiert werden, bis 2021 sollte das fertiggestellt sein können, so der Senator. Doch auch die restlichen 15 Stellwerke haben Priorität, die Digitalisierung sei zur Erhöhung der Taktdichte zwingend nötig.

Auch Kay Uwe Arnecke von der S-Bahn Hamburg gibt freimütig zu „In diesem Jahr haben wir einen schlechten Lauf“. Aktuell sei man hinter den Zielen zurück und habe erst 35 von 72 Fahrzeugen ausgeliefert bekommen. Alle anderen werden noch bis zum Ende des Jahres erwartet. Auch die Pünktlichkeitsquote sei nicht erfüllt. Erste Verbesserungen soll ein Austausch aller Zuganzeiger an den 68 Stationen bringen. Damit wolle man die Möglichkeit schaffen, von der Einsatzzentrale direkt in den Zugbereich zu sprechen und die Kommunikation im Störfall verbessern.

Die massiven Probleme und Störungen des S-Bahn-Verkehrs in den letzten Tagen und Wochen haben Verkehrssenator Westhagemann und die S-Bahn Hamburg zu einem Krisengespräch bewegt, resümiert Heike Sudmann: „Die Schnell-Bahn wird für tausende Hamburger/innen immer mehr zur Steh-Bahn“, sagt die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Was die S-Bahn ihren Kund/innen an Geduld abverlangt, ist unglaublich.“

Das Problem, das sich hier zeigt, hat einen Namen, so Sudmann:  Deutsche Bahn. „Unter dem DB-Vorstandsvorsitzenden Mehdorn ist die vorbeugende Instandhaltung von Gleisen und Fahrzeugen ,betriebswirtschaftlich optimiert‘, auf gut Deutsch: reduziert worden. Das wirkt auch in Hamburg noch immer nach und zeigt sich in häufigeren Störungen. Mit diesen Einsparungen zu Lasten der Kund/innen fährt die S-Bahn auf das Abstellgleis. Senator Westhagemann tut gut daran, die Daumenschrauben anzuziehen.“

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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