Hausbruch

Ignorierten die Behörden den Hinweis auf Braunkohlestollen?

Hausbruch. Nachdem die Bauarbeiter am 11. September auf einem Streckenabschnitt nahe der Rudolf-Steiner Schule einen so genannten „Tagesbruch“ entdeckt haben, brennt sprichwörtlich der Ofen. Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) hat nach sofortiger Rücksprache mit dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Niedersachsen daraufhin den Bereich großräumig gesichert und die Arbeiten im Umfeld eingestellt. Ein Bergbau-Ingenieurbüro hat noch in der letzten Woche mit der gutachterlichen Begleitung begonnen. Der LSBG hat außerdem die Feuerwehr beauftragt, mögliche CO2-Austritte festzustellen. Es wurde tatsächlich ein erhöhter CO2-Wert am Tagesbruch gemessen, ein deutlicher Hinweis auf den Durchbruch zum alten Bergwerksstollen.

„Das alles war bekannt“, schreibt Rolf Weiß dazu bei Facebook. Rolf Weiß hat das Thema „Bergwerk Robertshall“ vor einigen Jahren wieder an die Oberfläche gebracht. Seit gut 20 Jahren beschäftigt sich der ehemalige Hausbrucher mit dem Bergwerk. Für ihn war klar, dass unter der Straße Stollen verlaufen würden, er hatte sogar eine Karte dazu veröffentlicht.

Wie der LSBG mitteilt, war auch dort das Thema bekannt, man sei keineswegs überrascht: “ Es bestand kein Bedarf für tiefergehende Boden-Erkundungen. Demzufolge sind die Baugrunduntersuchungen nur auf den Straßenflächen erfolgt, die instand gesetzt werden sollten. Bei diesen Untersuchungen wurden keine Aufwerfungen des Asphalts (sogenannte Verdrückungen) festgestellt. Daher ist der LSBG zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass der Stollen verfüllt ist und die Böden somit tragfähig sind. Dies wurde durch die Baugrunduntersuchungen bestätigt, bei der keine Auffälligkeiten festgestellt wurden.“

Wie Rolf Weiß bei Facebook berichtet, sei er noch Anfang September bei der Bauleitung vorstellig geworden und habe dort vor Ort von seinen Entdeckungen berichtet und auf die teils noch intakten Stollen unter der Fahrbahn aufmerksam gemacht. Diese hatte er 2017 im Rahmen einer Bodenradar-Erkundung selbst festgestellt. Seine Warnungen an die Politik und Verantwortlichen seien aber stets nicht ernst genommen worden, vermutet Weiß.

Das aktuelle Geschehen ist für Anwohner und Pendler gleichermaßen ein riesiges Ärgernis. Es formiert sich wieder Protest, ist bei den Anwohnern zu hören. Ohnehin war die enorme Bauzeit im Vorfeld heftig kritisiert worden, wurde auf Druck der Öffentlichkeit die Situation etwas entschärft. Während der Bauzeit sei bisher kaum ein Bauarbeiter gesehen worden, es komme einem so vor, als würde im Schneckentempo gearbeitet.

Der LSBG begründet dies so: „Im Bauverlauf wurden alte Versorgungsleitungen in der westlichen Nebenfläche gefunden, die nicht im Katasterregister verzeichnet sind. Daher konnten die neuen Versorgungsleitungen nicht in diese Nebenflächen verlegt werden. Aus diesem Grund kam es zu Planungsanpassungen im Bauablauf. Die Versorgungsleitungen müssen unter die Fahrbahn gelegt werden, was einen kompletten Neuaufbau der Fahrbahn zur Folge hatte. Für diese Maßnahme ist ein wesentlich tieferer und umfänglicher Bau notwendig.“

Diese Bodenerkundungen, so sind sich einige Anwohner sicher, hätten im Vorfeld – auch aufgrund einer möglichen Gefährdung für die Zukunft – in jedem Falle stattfinden müssen. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, mit einer Fertigstellung vor Jahreswechsel sei nicht zu rechnen.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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