Moorburg

Vollhöfener Wald: Es formiert sich Widerstand

Moorburg. Es ist ein Stück aus dem Tollhaus: Da treffen sich seit Monaten junge Menschen, treten gemeinsam für eine Wende in der Klimapolitik ein. Erst am Freitag haben, nach Polizeiangaben, in Hamburg rund 70.000 Menschen für eine effektivere Klimapolitik demonstriert. Nur die Regierenden der Stadt, ausgerechnet Sozialdemokraten und Grüne, beharren auf einen Beschluss von 2016, wonach der Vollhöfener Wald der Hafenerweiterung dienen soll.

Es war die HPA Hamburg Port Authority), die den Druck auf die Politik hoch gehalten hat und sich letztendlich durchsetzen konnte. Die 45 ha große Fläche, die zunächst nur als Hafenerweiterungsgebiet vorgesehen war, wurde mit dem Beschluss in die Hafennutzung überführt. Das bedeutet, dass die HPA jederzeit ohne Vorankündigung mit dem Abholzen der Fläche beginnen kann. Der Wachstum des Hafens würde das erfordern, wurde diese Maßnahme begründet.

Der Wald zwischen der Straße Vollhöfner Weiden und Alte Süderelbe in Altenwerder („Vollhöfner Wald“) ist ein wichtiger Teil des Biotopverbundes zwischen den Naturschutzgebieten „Moorgürtel“ und „Alte Süderelbe / Westerweiden“ und bietet seltenen Arten im Süderelberaum einen Rückzugsraum. BUND und NABU klagen seit 2016 gegen diese Planung. Aktuell werden von HPA Bodenerkundungsarbeiten durchgeführt, bereits Schneisen gebaut und Bäume gefällt. Dagegen protestieren die Naturschutzverbände.

Durch die Lebensraumvielfalt und die weitgehende Ungestörtheit weist das gesamte Gebiet eine hohe Bedeutung für Vögel- und Fledermäuse auf. Hier brüten beispielsweise die geschützten und gefährdeten Vogelarten Gelbspötter, Kleinspecht und Trauerschnäpper. Außerdem finden sich hier Rauhaut- und Wasserfledermaus, die beide auf der Roten Liste stehen.

Skandalös ist auch, dass die Behauptung, die Flächen würden dringend benötigt, bisher nicht belegt werden kann. Zudem sind die geplanten Pachten von 4 Euro pro Quadratmeter ein Affront. Aus Sicht der Umweltverbände sind die Potenziale innerhalb der bestehenden Grenzen des Hafens noch nicht ausgeschöpft. Die Stadt sollte die Flächenpotenziale zunächst identifizieren und dann effizienter nutzen.

Die Prognose für die Hafenentwicklung ist längst überholt. Auf der angrenzenden Straße Völlhöfner Weiden stehen seit Jahren Logistikhallen komplett leer.

Die Bezirksversammlung Harburg forderte den Senat unlängst auf, den Vollhöfner Wald im Gebiet Altenwerder West aus der Hafennutzung und der Hafenerweiterung herauszunehmen. Dort sollen keine neuen Logistikflächen gebaut werden, sondern der Wald soll als Biotopfläche und Teil des Grünen Ringes erhalten bleiben.

Die Mitglieder des Süderelbe-Archiv machen in einer Mitteilung vom 22. September deutlich, dass die Gefahr der Rodung noch in dieser Legislaturperiode, die am 23. Februar mit der Hamburg Wahl ihr Ende findet, drohe. Es handelt sich um ein wertvolles Biotop mit seltenen und unbedingt schützenswerten Pflanzen-, Pilz- und Tierarten, das in 55 Jahren entstanden ist. Es liegt auf, im Anschluss an die Februarflut 1962 neben den Auwald der Alten Süderelbe aufgebrachtem Elbsediment und in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Vollhöfner Weiden, dem Altenwerder Bauernland, an die heute noch ein Straßenname erinnert. Der Wald hat die Kapazität, jährlich mehr als 200 t CO²-Gas aufzunehmen.

Der NABU startet unter www.voellibleibt.de eine Online-Petition und ruft zum Mitmachen auf.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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