Hausbruch

Ehestorfer Heuweg: Behörde plant Infoveranstaltung

Hausbruch. Eigentlich sollte am Ende des Jahres, spätestens Anfang 2020 schon alles erledigt sein. Das jedenfalls sahen die ersten Planungen in Bezug auf die Baustelle am Ehestorfer Heuweg vor. Doch dann kam alles anders, Anwohner protestierten und verlangten besseren Zugang zu ihren Grundstücken, welche etwa auch die Erreichbarkeit durch Pflege- und Rettungsdienste sicherstellt. Nach zwei öffentlichen Veranstaltungen kamen die Behörden den Anwohnern entgegen und teilten die Bauarbeiten auf zwei Bauabschnitte auf. Zwischen den einzelnen Phasen sollte der Ehestorfer Heuweg gänzlich befahrbar sein, während der Bauarbeiten jeweils wenigstens in eine Richtung.

Am 11. September bemerkten Bauarbeiter dann einen so genannten „Tagesbruch“. Das ist ein Bergschaden, der nach Verbrüchen im Untergrund bis an die Erdoberfläche durchbricht. Der war etwa 50-80 cm groß und rund 5 Meter tief. Seitdem sind die regulären Bauarbeiten gänzlich eingestellt und beruhen nur noch auf Sicherungsmaßnahmen, um schlimmeres zu verhindern. Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation hat in einer ersten Stellungnahme berichtet, dass lediglich eine Deckensanierung geplant war. Ein umfangreiche Grundinstandsetzung sei nicht notwendig gewesen, man sei zum Zeitpunkt der Planung davon ausgegangen, dass der Bergwerksstollen verfüllt sei.

Rolf Weiß (47) bei einem Vortrag im Landhaus Jägerhof.

Doch an dieser Aussage hegt Rolf Weiß zweifel. In einem ersten, größeren öffentlichen Rahmen stellte der Vorsitzende eines Bergbauvereins seine zusammengetragenen Erkenntnisse zum Bergwerk Robertshall am 13. November 2017 im Landhaus Jägerhof vor. Diese bezog er nach eigenen Aussagen auch aus Archiven von Bergbauämtern. Bereits dort äußerte er den Verdacht, dass die Bergbauschächte, die unter der Fahrbahn des Ehestorfer Heuwegs verliefen, mindestens teilweise noch intakt sein könnten. Diese These konnte Weiß später durch eine genauere Untersuchung mit Spezialgerät festigen.

Dank seiner Expertise in Sachen Bergwerk Robertshall wurde Rolf Weiß Mitte September in das Beraterteam gebeten und erhielt die Aufgabe, an einer Lösung mitzuwirken, bzw. die Problemstellen zu lokalisieren. In kaum 48 Stunden konnte er durch alte Pläne belegt eine erste Einschätzung liefern, wonach es noch erhebliche weitere Gefahrenstellen geben soll. Doch dann das unerwartete, Rolf Weiß wird gefeuert!

Millionensummen zur Sanierung stehen im Raum. Weiß vermutet, dass die Behörde von diesen Zahlen gar nichts wissen will. Denn betroffen sind auch mehr als 100 private Grundstückseigner am Ehesorfer Heuweg, unter dessen Grundstücke ebenfalls teilweise nicht verfüllte Gräben und Stollen verlaufen. Doch die Behörde beschwichtigt und behauptet, man habe Weiß nicht benötigt, nachdem man mit den Kollegen des Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover gesprochen habe. Diese hatten bereits ein Ingenieurbüro mit dem Beheben der Schäden beauftragt.

Pressesprecherin Heinke Traeger vom LBEG dazu: “ Im Fokus der Erkundungen steht der Ehestorfer Heuweg. Bei Stilllegung des Werkes sollen die Strecken unter dem Ehestorfer Heuweg verfüllt worden sein. Zurzeit gehen unsere Fachleute von der Annahme aus, dass das Füllmaterial unter der Straße ins Grubengebäude abgerutscht ist, so dass sich Hohlräume bilden konnten, die zu dem Tagesbruch geführt haben. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass bei der Einstellung des Betriebes vor fast 100 Jahren die Strecken im Bereich der Straße nicht sachgerecht verfüllt worden sind. Um den Bereich der Straße abschließend sichern zu können, müssen voraussichtlich auch die Strecken neben der Straße verfüllt werden. Ziel der Erkundung ist es also, zu prüfen, wie die Strecken untertage tatsächlich aussehen – ob Hohlräume vorhanden sind oder ob vollständig verfüllte Strecken erhalten sind. Dazu müssen Kontrollbohrungen durchgeführt werden.“

Außerdem kündigt die Pressesprecherin eine Infoveranstaltung an, die sich noch in der Planung befindet. Dann sollen die Anwohner über das weitere Vorgehen informiert werden.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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