Neugraben-Fischbek

Bewohner am Scheideholzweg ärgern sich über ihren Vermieter

Neugraben-Fischbek. „Wir sind richtig sauer“, sagt Hauke Junak. Im November ist er zwei Jahre Mieter bei Sahle Wohnen. Zusammen mit mehr als 20 seiner Nachbarn im Scheideholzweg will er öffentlich machen, was schief läuft. Und das sei beachtlich viel, das schlimmste aber sei, dass man jede Art von Kommunikation ins Lächerliche führe oder schlicht nicht auf die eigentlichen Punkte eingehe.

Mehr Dreck und Lärm und keine Information zur Baustelle

„Als vor rund 10 Jahren die Fahrstuhlschächte gebaut hat, wurden wir zur Versammlung eingeladen, jetzt wälzt man hier jedes Sandkorn um und niemand hat mit uns gesprochen.“ Die Mieter sind sich einig, berichten auch davon, dass die Sozialbindung gerade ausgelaufen sei und Mieterhöhungen anstanden: „Wir zahlen mehr und bekommen auch mehr. Mehr Dreck und Lärm.“, bringt es Junak auf den Punkt. „Die Baustelle weist weder den Bauherren aus, noch haben wir Baupläne erhalten oder sind über die Maßnahme informiert worden“, wird seitens der Mieter beklagt.

Pressereferent wird konkret

Gegenüber Aktuelles aus Süderelbe berichtet der Pressereferent von Sahle Wohnen von dem Vorhaben: „Durch die Baumaßnahme am Scheideholzweg 69a-c werden eine Tiefgarage mit 36 Stellplätzen und drei Mehrfamilienhäuser entstehen. In den Häusern werden insgesamt 50 Mietwohnungen ihren Platz finden, davon 15 mit öffentlicher Förderung (über den 2. Förderweg). 35 Wohnungen sind frei finanzierte. Die Wohnflächen der 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen variieren zwischen ca. 53 und ca. 74 Quadratmeter. Durch den Neubau werden an dem Standort ca. 3.034 Quadratmeter Wohnfläche neu geschaffen. Von seinem Erscheinungsbild und der Größe her wird sich der Hochbau an den vorhandenen Gebäuden der bestehenden Wohnanlage orientieren. Der neu entstehende Gebäuderiegel wird sich in Richtung der Straßenecke zur Scheideholzkehre an den Straßenverlauf anpassen.“

Sahle Wohnen kennt die Kritik der Anwohner nicht

Doch zur Kritik der Anwohner gibt sich der Pressesprecher ahnungslos: „Vorwürfe der Mieter, auf die Sie sich in Ihrer Anfrage (Anm. der Redaktion: Die Anfrage bezog sich auf die Themen Sicherheit, Baulärm, Verschattung der Bestandswohnungen, Mietkürzungen) beziehen, sind uns nicht bekannt. Nach Auskunft unseres Kundencenters in Hamburg gab es Rückfragen zu dem Projekt und zur Dauer der Arbeiten. Dass Bautätigkeiten  immer mit Dreck, Lärm und Beeinträchtigungen für Anrainer und Nachbarn verbunden sind, steht außer Frage. Diesbezüglich können wir an dieser Stelle nur noch einmal mit Nachdruck um Verständnis und Nachsicht bei unseren Mietern und den Nachbarn bitten.“ 

Immerhin hat man auf Kritik an der Sicherheit auf der Baustelle reagiert und einige Punkte recht zügig behoben, berichten die Anwohner. Doch die Liste der Ärgernisse ist lang. So wird von Baumaßnahmen berichtet, die täglich von 7 bis 18 Uhr andauern und gerade in den Morgenstunden unerträglich laut seien, sogar am Samstag werde regelmäßig gearbeitet. Hauke Junak berichtet, dass die Sahle Wohnen gegenüber neuen Mietern die Baumaßnahme angekündigt hat, bemängelt aber, dass das Bundesimmissionsschutzgesetz hier engere Grenzen setzt, die er aber nicht eingehalten sieht. Es werde unter anderem zu Früh morgens zuviel Lärm gemacht, sagt er.

83-jährige kann Wohnung nur mühsam verlassen

Irmgard O. wohnt seit 50 Jahren in der Wohnung am Scheideholzweg 71. Seit mehr als 4 Wochen kann sie die Wohnung nur noch mit Not verlassen. Durch die Baumaßnahme wurde ein barrierefreier Zugang zum Haus gekappt. Jetzt muss die 83-jährige die Nachbarn um Hilfe bitten, wenn sie den Gehwagen die Treppen herunter tragen muss oder den Einkauf hinauf. Zwar soll wohl ein neuer Zugang gebaut werden, doch die Mieter fragen sich, warum man nicht vorher daran gedacht hat.

Über diesen Weg ist nur noch der Eingang zum Haus 10a erreichbar, zu den Eingängen 10b bis 10f muss man einen großen Umweg nehmen. Für Rettungskräfte, wo jede Sekunde zählt, ist das ein Irrgarten, berichtet Hauke Junak.
Notdürftig verlegte Abwasserrohre sind nicht abgesichert. Statt des Gullydeckels „sichert“ eine Holzplatte den Einstieg in den Untergrund. Für spielende Kinder eine Gefahr.
Die Steine sollen seit Monaten ungesichert rumstehen, die Kinder turnen darauf herum, eines habe sich bereits verletzt, wird berichtet.

Sahle Wohnen will Gespräche mit Mietern führen

„Auf die Rückfragen der Bewohner werden wir selbstverständlich reagieren. Die Leiterin des zuständigen Wohnmanagements in unserem Unternehmen wird in nächster Zeit persönliche Gespräche mit den Mietern führen, die sich wegen des Projekts an uns gewandt hatten.“, versichert Sahle Wohnen. „Wir wollen doch nur, dass man uns ernst nimmt und zu Wort kommen lässt“, sagen auch die Mieter.

Bezirksamt sagt Prüfung zu

Die Pressesprecherin des Bezirksamt Harburg berichtet, dass sie das von Aktuelles aus Süderelbe geschilderte Anliegen der Bewohner/innen zum Anlass nimmt, die zuständigen Stellen um eine in Augenscheinnahme zu bitten. So werde am Donnerstag der Wegewart des Bezirks den Gehweg am Scheideholzhang und das Polizeikommisariat 47 die Umleitung der Fußgänger begutachten. Der Baustelleninspektor der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen wird die Kennzeichnung der Baustelle und die ungesicherten Baumaterialien unter die Lupe nehmen.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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