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Kultur

Aufbruch in die Moderne – Holzschnitte vor 100 Jahren

Kunstleihe Harburg eröffnet zum 16. Kulturtag Themen-Ausstellung

Harburg. 2019 jährt sich Vieles und oft reden wir vom Bauhaus oder der Hamburger Sezession. Dabei waren die Impulse von 1919 und den Folgejahren weit aus vielfältiger und nicht immer von Freude. Eine Themen-Ausstellung in der Harburger Kunstleihe zeigt dies eindrucksvoll anhand von Holzschnitten. 

Kunst und ihre verschiedenen Positionen sind substantiell, um auch stets den herrschenden Zeitgeist zu verstehen. Aktuelle Themen finden sich meist unmittelbar in der Kunst wieder und regen spielerisch oder provokativ zum Diskurs an. So wie es heute ein Banksy mit geschredderter Kunst zum Nachdenken anzuregen vermag, so war es auch vor hundert Jahren. Dank der Überlassung von etwa 40 Holz- und Linolschnitten aus einer Sammlung eines Privatiers zeigt die Kunstleihe Harburg dies in einer Themenausstellung nun auf. Sie wird am 3. November um 12 Uhr in den Räumen in der Eißendorfer Str. 124 eröffnet und ist dort dann bis zum Jahresende immer zu den regulären Öffnungszeiten sonntags von 12 bis 17 Uhr zu sehen. Eintritt frei. 

Die Holzschnitte stammen zum Großteil aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Ihre Motive sind entweder geprägt von den Schrecken des Krieges, zeugen von Armut, Hunger, Einsamkeit oder Grauen der Brutalität. Und in der Tat waren auch manche der Künstler selbst als Soldaten an der Front. Zum anderen brach mit Ende des Krieges aber auch das einengende System, des Kaiserreichs zusammen. Das erste Mal kam eine Blüte der Freiheit und Demokratie zur Geltung und diese führten in der Kunst zur Abstraktion, zu einer neuen Form der Sachlichkeit, neuen Lehren von Formen und Linienführung. Frauen kämpften für ihre Rechte – auch in der Kunst. Kubismus, Bauhaus, Kandinsky oder Feininger stehen für diese Zeit und in den ausgestellten Werken ist nun eine Vielzahl weniger bekannter aber nicht weniger aussagekräftiger Werke zu sehen. 

Unter den Künstler/innen finden sich Namen wie Feiniger, Dexel, Schad, Mataré, Rodtschenko, Verkauf-Verlon oder Gramatté, Holzhausen oder Nauen. Die meisten Werke und Urheber/innen wurden wenige Jahre später von den politischen Ereignissen überrannt, von Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ gebrandmarkt, verboten und oft gar verbrannt. Auch hier hochaktuelle Bezüge in unsere Zeit. 

Das Besondere der durchweg schwarz-weiß gedruckten Schnitte ist aber auch ihre Technik. Ob auf Holz- oder Linolplatte oder als Lithografie und Kreidezeichnung – es waren nur spärliche Mittel nötig, um diese Drucke entstehen zu lassen, umso mehr aber ein hohes Können an Schnitt-Technik und Abstraktion, da die Platten als Negativ geprägt werden. Und auch die Biographien der verschiedenen Künstler/innen sind aufgearbeitet und verweisen auf Lebensbrüche, Einflüsse verschiedener Regionen, Kreise und Erlebnisse. 

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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