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Politik

Geregelter oder ungeregelter Brexit – Was bedeutet das für die Iren?

Vortrag von Eckhard Ladner, Studienleiter des Europäischen Bildungs- und Begegnungszentrums (EBZ) Irland

Harburg. Eckhard Ladner, Studienleiter des Europäischen Bildungs- und Begegnungszentrums (EBZ) Irland und seit vielen Jahren auf der „grünen Insel“ lebend, folgte der Einladung von Birgit Stöver und berichtete über die möglichen Konsequenzen des Brexit für beide Teile der Insel, also die Republik Irland und Nordirland. Die Veranstaltung war stieß bei den rund 50 Gästen auf hohes Interesse. Einige erinnerten sich mit Freude an die vom Ortsverband Harburg-Mitte organisierten Reisen nach Irland, die von Herrn Ladner geleitet worden waren.

Bei seinen Ausführungen bettete er die möglichen Konsequenzen eines weichen oder harten Brexit in die jeweils besonderen Entwicklungspfade beider Teile Irlands ein: Die Republik Irland erlebte seit 1993 eine rasante Entwicklung, einhergehend mit dramatischen Veränderungen ihrer gesellschaftlichen Strukturen, die unter dem Stichwort „Celtic Tiger“ bekannt geworden sind. Mit enormen Wirtschaftswachstumsraten gingen in allen gesellschaftlichen Bereichen tiefgreifende Veränderungen einher. Und auch nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007-2013 befindet sich die Republik in einem erneuten Aufschwung, der aber je nach Ausprägung des Brexit gewaltig ins Stocken kommen kann. Denn Irlands Wirtschaft ist extrem stark exportorientiert, und der größte Teil der irischen Exporte geht entweder nach Großbritannien oder über GB in alle Welt – übrigens auch nach Deutschland!

Die Entwicklung in Nordirland, welches bekanntermaßen zum „United Kingdom“ gehört, war natürlich durch die sog. „Troubles“, also den Konflikt seit Ende der 1960er Jahre geprägt. Das besondere Problem hier ist die Frage, ob bzw. bis zu welchem Grad ein Brexit das Friedensabkommen („Good Friday Agreement“) von 1998, das entscheidend für die Befriedung dieses Teiles des Vereinigten Königreichs ist, unterminiert. Besteht etwa die Gefahr der erneuten Stärkung paramilitärischer Gruppen beider (republikanischer oder loyalistischer) Seiten? Wie würde sich das Einkommen nordirischer Bauern durch das Wegfallen von Zahlungen aus den Fonds der EU- Landwirtschaftspolitik entwickeln? Wird es eine spürbare Grenze zwischen Nordirland und der Republik oder gar zwischen Nordirland und der britischen Insel geben?

Bereits jetzt kann konstatiert werden, dass die Debatten über den Brexit die Beziehungen zwischen der Republik Irland und Großbritannien, aber auch innerhalb Nordirlands, deutlich verschlechtert haben. In den Augen des Referenten wäre eine erneute Volksabstimmung („People’s Vote“) wünschenswert, zugleich aber erscheinen ihm Reformen innerhalb der EU, welche die Integrations- und Inklusionskraft der EU steigern, notwendig.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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