Neugraben-Fischbek

Sexuelle Übergriffe an 6-jähriger: Mutter fühlt sich machtlos und allein gelassen

Neugraben-Fischbek. Die kleine Sophie* ist 6 Jahre alt und besucht die Schule Fischbek-Falkenberg. Sophie´s Mutter macht sich Sorgen um das ehemals so aufgeweckte Kind. Sie kann nicht verstehen, warum der Junge, der ihre Tochter missbraucht hat, wieder in den Klassenverband zurückkehrt. Auf Nachfrage von Aktuelles aus Süderelbe gab es auch Tage später keine Reaktion seitens der Behörde, auch die Mutter berichtet davon, dass sie dort gänzlich ignoriert wird. Die Kommunikation zwischen Sophie´s Eltern und der Schule scheint gestört.

In einem Brief, welchen die Erzieherin aus der Vorschulklasse Ende Januar 2019 verfasste, wurde ersichtlich, dass die 6-jährige einer großen Wesensveränderung unterlag. Ratlosigkeit wird deutlich: “Sophie war bis vor zwei Monaten ein ganz normales, nettes, hilfsbereites Mädchen, und wir sind alle geschockt und verzweifelt, was gerade mit ihr passiert”, heißt es dort. Leistungen und Motivation haben sehr abgenommen. Zu diesem Zeitpunkt konnte man über die Ursache nur mutmaßen.

Doch nachdem sich Sophie´s Mutter an eine Diplom-Psychologin gewandt hatte, wird im Oktober 2019 im Rahmen einer Sitzung mit dem Kind klar, was der Grund für ihre Verhaltensauffälligkeiten ist. Sophie berichtet, das sie auf einem Sofa von einem Jungen an der Scheide berührt wurde. Vorher hatte er ihr die locker sitzende Hose runtergezogen. Auf die Frage, warum sie sich nicht gewehrt hätte, hat sie geantwortet, er hätte ihr gedroht sie zu hauen.

Auch eine Traumatherapeutin bescheinigt der Schule nur wenige Wochen später, dass “Sophie glaubhaft und klar erzählt hat, dass sie mehrfach von einem Mitschüler auf dem Schulgelände sexuellen Übergriffen ausgesetzt war. Um eine sekundäre Traumatisierung zu verhindern, ist es unbedingt erforderlich, dass Sophie Schutz vor diesem Mitschüler erhält”. 

Einige Zeit war der Junge, der ebenfalls 6 Jahre alt sein soll, jetzt nicht in der Schule gewesen, so dass Sophie ohne Angst die Schule besuchen konnte. Doch kürzlich kam der Junge wieder in den selben Klassenverband. Für das Mädchen ein Schrecken, es ist seitdem Krank geschrieben und verbleibt zu Hause. Gegenüber der Mutter soll die Vertrauenslehrerin geäußert haben, dass Sophie lernen müsse, mit der Angst umzugehen. Die Schule möchte sehen, wie das Mädchen auf den Jungen reagiert. Doch richtige Hilfe, so berichtet die Mutter, habe man ihr nie angeboten.

Zugleich gerieten die Eltern von Sophie in Verdacht, die Ursache für ihr auffälliges Verhalten zu sein. Das Mädchen habe einem Lehrer in den Schritt gefasst, wird berichtet. Das, so versichert ein Psychologe gegenüber unserer Redaktion, ist bei einem sechsjährigen Kind, welches sexuellen Übergriffen ausgesetzt ist oder war, keine Seltenheit. Kinder in dem Alter lernen durch sehen und nachmachen. Eigenschaften, welcher sich ja auch die Schule bedient. ”Für mich sieht es so aus, dass die Schule keine Argumente hat”, sagt die Mutter. Mit dem Vorwurf relativiert man und schiebt den schwarzen Peter zurück. 

Stefan Ropeter, der Schulleiter der Schule kann aus Datenschutzgründen dazu keine Auskunft geben. Doch er versichert, dass es für solche Fälle eine klare Vorgehensweise an den Schulen gibt. Demnach ist die Polizei zu informieren und eine Gewaltmeldung zu verfassen. Dabei gebe es auch keinen Ermessensspielraum. Diese Meldung müsse neben der zuständigen Schulaufsicht auch unverzüglich der ReBBZ Beratungsstelle sowie der Beratungsstelle für Gewaltprävention übersendet werden. 

Auf Nachfrage bei der Pressestelle der Polizei Hamburg bestätigt diese, dass eine Strafanzeige vorliegt. Gleichzeitig gibt die Polizei aber zu bedenken, dass es sich bei dem Beschuldigten um ein Kind handelt, welches mit 6 Jahren nicht strafmündig ist. Das ist auch den Eltern bewusst, sie vermuten, dass der 6-jährige selbst Opfer von sexueller Gewalt wurde.

*) Name von der Redaktion geändert

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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