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Freizeit

Wie war das Leben auf dem Land um 1804, 1904 und 1945?

Gelebte Geschichte Termine 2020 am Kiekeberg

Rosengarten-Ehestorf. Besucher des Freilichtmuseums am Kiekeberg erleben ab Sonntag, dem 26. Januar, an verschiedenen Wochenenden im Jahr, wie Menschen früher auf dem Land lebten. Ehrenamtliche „Gelebte Geschichte“-Darsteller führen in rekonstruierter Kleidung den Alltag von Bauern um 1804, von Elbfischern um 1904 und von Flüchtlingen in der Notzeit 1945 vor. Das Museum ist am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet – die Vorführungen finden den ganzen Tag über statt. Der Eintritt kostet 9 Euro; für Besucher unter 18 Jahren ist er frei.

„Die Besucher erleben bei uns den Alltag ihrer Vorfahren und kommen mit unseren Darstellern ins Gespräch“, erklärt Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg. „Jung und Alt sprechen über tägliche Aufgaben, Werkzeuge, Wohnräume und die Rollen in der Familie von früher. Unsere Darsteller, Häuser und Tiere vermitteln Wissenswertes, das nicht in den Geschichtsbüchern steht.“

Bei der Gelebten Geschichte 1804 sehen Besucher der Bäuerin über die Schulter, wie sie eine zeitgemäße Mahlzeit, etwa Buchweizengrütze, zubereitet. Der Bauer versorgt die Hühner und Schweine. Magd und Knecht arbeiten auf dem Feld, während die Kinder Gänse und Ziegen hüten. Die Gelebte Geschichte 1904 zeigt eine Fischerfamilie von der Elbmarsch. Sie flickt ihre Netze für den nächsten Fang und baut im hauseigenen Kräutergarten Gemüse für den Verkauf auf dem Hamburger Markt an. Relativ neu führt die Darstellergruppe 1945 das Leben in der Nachkriegszeit vor. Sie zeigen authentisch den Neuanfang von Flüchtlingen und Vertriebenen in Notunterkünften, die sich mit wenig Besitz in der neuen Umgebung zurecht finden müssen.

Die Idee der so genannten „Living History“ stammt aus den angelsächsischen Ländern, Skandinavien und den Niederlanden. Seit 2004 ist das Projekt Gelebte Geschichte ein fester Bestandteil des Programms im Freilichtmuseum.

Gelebte Geschichte (GG) Termine 2020 bei Aktionstagen:

Schlachtfest, Gelebte Geschichte 1804, So, 26. Januar 11–16 Uhr

Die Schlachtung eines Tiers war vor 200 Jahren wichtiger Bestandteil des bäuerlichen Lebens – jeder auf dem Hof half mit. Es bot eine seltene Gelegenheit frisches Fleisch zu erhalten. Der größte Teil wurde durch Einpökeln, Räuchern oder Sauereinlegen konserviert. Besucher sehen die Bauernfamilie, wie sie mit zeitgemäßen Mitteln ein traditionelles Fleischgericht zubereitet und verspeist.

Feuer und Licht, Gelebte Geschichte 1804/1904/1945, Sbd, 15. Februar 14–19 Uhr

Die Museumsbesucher sehen in den Häusern der Darsteller historische Leuchtmittel, wie Kienspäne, Öl und Talgkerzen sowie um 1904 Gas und erste Elektrizität einer Glühfadenlampe. In der Nissenhütte führen die Darsteller vor, wie die Menschen 1945 ihre Notunterkünfte mit Bruchholz in Öltonnen erhellten. Es gibt ein Rahmenprogramm mit Scherenschnitttheater, Märchenlesung, Stockbrotbacken und Fischräucherrei.

1945 – Der erste Sommer im Frieden, Sbd/So, 23./24. Mai 10–18 Uhr

Vor 75 Jahren war der Krieg zu Ende – die Unsicherheit noch groß. Das Living-History-Wochenende mit 60 Darstellern den Alltag der einfachen Bevölkerung im ersten Nachkriegssommer. Sie schlüpfen in die Rollen von Flüchtlingen aus Pommern und Königsberg, heimkehrenden Soldaten, Magd und Großvater auf dem Marschenhof und in die Rolle von britischen Soldaten, die das Chaos im Nachkriegsdeutschland regeln sollen. Besucher erleben einen Flüchtlingstreck, Schwarzmarkt-Razzien und die Essensausgabe an Bedürftige.

Kartoffelfest (11.10.) Gelebte Geschichte 1804/1904/1945, Sbd/So, 10./11. Oktober, 10–18 Uhr

Hier drehen sich die Vorführungen ganz um die Kartoffel: Die Besucher sehen den Bewohnern von Nissenhütte, Fischerhaus und Pringenshof bei der Zubereitung authentischer Kartoffelgerichte der jeweiligen Zeit über die Schulter.

Gelebte Geschichte-Termine (GG-Termine):

GG 1804/1904, Sbd/So, 25./26. April und 27./28. Juni 10–18 Uhr

Die Bauernfamilie erledigt täglich anfallende Arbeiten rund um den Hof, kocht über offenem Feuer und kümmert sich um die Kühe, Schweine, Ziegen, Schafe, Hühner und Gänse. Die Fischer von 1904 bereiten ihre Netze vor, bestellen den Garten und kochen auf dem gusseisernen Herd.

GG 1804 (während Sommerspaß), Di – Fr, 21. – 24. Juli, 10–17 Uhr

Eine Woche lang erleben Eltern mit ihren Kindern täglich Vorführungen der Darsteller aus dem Alltag auf einem Heidehof vor 200 Jahren.

GG 1804/1904/1945 (während Sommerspaß), Sbd/So, 25./26. Juli, 10–18 Uhr

Die Besucher tauchen zusätzlich zum Bauernleben vor 200 Jahren in die Zeitabschnitte der Fischerfamilie 1904 und der Notzeit 1945 ein und erfahren, wie die Menschen damals lebten.

GG 1904/1945, Sbd/So, 22./23. August, 10–18 Uhr

Nur 40 Jahre liegen dazwischen – die Unterschiede in der Lebensweise erkennen Besucher beim Vergleich der Fischerfamilie 1904 und der Vertriebenen 1945: Während es im Fischerhaus vor 100 Jahren relativen Wohlstand gab, kämpften die Bewohner der Nissenhütte vor 75 Jahren ums Überleben.

GG 1804/1945, Sbd/So, 5./6. September, 10–18 Uhr

Über 140 Jahre später – der Vergleich zwischen Hofleben 1804 und der Nachkriegszeit im Museum ist anschaulich, etwa Essenkochen auf offenen Herdfeuer und auf der Kochhexe, Kleidungsstücke aus Leinen und Mode-Überbleibsel der 1940er Jahre. Die Besucher entdecken viele Details und erhalten von den Darstellern versierte Antworten auf ihre Fragen.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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