Überregional

Skandalöse Zustände in der Nutztierhaltung

Hemslingen. Die Soko-Tierschutz macht in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung erneut auf skandalöse Zustände in der Nutztierhaltung aufmerksam. Demnach geht es um Kühe, die aufgrund der körperlichen Verfassung nicht mehr in der Lage sind, selbstständig zu gehen. Diese so genannten „Downer Kühe“ warten irgendwo liegend auf ihre Verendung, oft dem Wetter und anderen widrigen Umständen ausgesetzt.

Bereits vor 3 Wochen hatte die Soko Tierschutz einen solchen grausamen Fall in Fredenbeck im Landkreis Stade aufgedeckt. Nun betrifft es einen Hof in Hemslingen. Seit mindestens 1 1/2 Tagen liegt das verletzte Tier dort, das Tier ist abgemagert, am Hinterlauf offensichtlich verletzt und kann nicht aufstehen. Solche Hochleistungskühe brauchen sehr viel Futter und Wasser. Sie produzieren ständig Massen an Milch und leiden Höllenqualen, wenn sie nicht gemolken werden.  Der Hof ist offenbar im Ort für schlechte Bedingungen bekannt und wurde dem Veterinäramt schon mehrfach gemeldet. Bürger beobachteten vor einigen Wochen wie eine Kuh an der gleichen Stelle abgelegt und dem Sterben überlassen wurde. 

Die Soko Tierschutz hat heute das Veterinäramt Rothenburg informiert. Die Antwort überrascht leider nicht: „Der einzige für Tierschutzfälle zuständige Mitarbeiter ist außer Haus und man sei aus Personalmangel nicht in der Lage in den nächsten Stunden zu handeln. Wir haben darauf hin die Polizei um Unterstützung gebeten.“, heißt es in der Pressemitteilung.

Soko Tierschutz hatte bereits 2019 Zwanzig solcher Fälle in der Region angezeigt. „Es besteht der akute Verdacht dass diese Fälle im Sande verlaufen, weil man kein Interesse hat dieses gravierende Problem in der Milchbranche vor Gericht zu sehen. Wir fordern die Behörden auf endlich das Leid der Downer Kühe wahrzunehmen und gegen die Höfe mit aller Härte vorzugehen. Wer Tiere so behandelt, der darf keine Tiere mehr halten.“ so Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz.

Hintergrund : SOKO Tierschutz hat bisher drei Schlachthöfe ( Hohengöhren Sachsen Anhalt, Düdenbüttel und Bad Iburg Niedersachsen) aufgedeckt, die sich auf das illegale Schlachten von Downer Rindern spezialisiert hatten. Das transportieren und Schlachten  von verletzen und kranken Kühen ist streng verboten. Die medizinische Versorgung sehr teuer. Darum lagern Bauern oft wochenlang schwer kranke  Tiere oder lassen sie an Versorgungsmangel sterben. 

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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Ein Kommentar

  1. Das zuständige Veterinäramt handelt fast schlimmer als der Täter: man sollte es wegen der Verletzung seiner Garantenpflicht anzeigen. Leider versagen zu viele AmtstierärztInnen und sind nicht durch Einsicht, sondern nur mit Druck zu mehr Bewegung zu bewegen! Peinlich, weil leider kein Einzelfall, sondern Systemversagen.

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