FreizeitSeevetal

Eindrücke an der Seeve bei einem Spaziergang genießen

Seevetal. Weite Wiesen und Weiden, dazwischen Hecken, von Ferne ertönen der Ruf des Brachvogels und das Plätschern des Wassers – die Seeveniederung lohnt immer wieder einen Spaziergang. Damit Erholungssuchende dort noch besser die Schönheiten der Natur genießen können, hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg neue Ruheplätze geschaffen. Sie hat Eichenbänke aufgestellt, die zum Verweilen und Ausruhen einladen. „Nach dem Motto ,Wir schützen nur, was wir kennen‘ wollen wir die Menschen einladen, dieses Kleinod zu entdecken“, sagt Niels Vollmers von der Naturschutzabteilung.

Eine besondere Schönheit findet sich dort im Frühjahr. Dann blüht der Star an der Seeve: Die stark bedrohte Schachbrettblume fühlt sich im Landkreis Harburg besonders wohl. Auf einer 160 Hektar großen Wiesenfläche im Junkernfeld findet sich das bundesweit größte Vorkommen dieser nur wenige Zentimeter großen Charakterblume. Bis zu 1,3 Millionen Blüten ziehen Naturliebhaber ab Ende April in ihren Bann.

Doch angesichts von Corona wird die beliebte Aussichtsplattform in diesem Frühjahr nicht aufgebaut. „Die Gefahr ist zu groß, dass es zu Menschenansammlungen kommt. Die nötigen Abstände zwischen Spaziergängern wären auf der Plattform unter Umständen nicht immer zu gewährleisten“, sagt Niels Vollmers.

Doch das im Naturschutzgebiet gelegene Wiesenareal lohnt dennoch einen Spaziergang. „Und die Schachbrettblumen lassen sich auch von den Bänken aus gut bewundern.“

Die Naturschutzbehörde hat die Eichenbänke – teilweise mit Tisch – in den Gemeinden Stelle und Seevetal aufgestellt. Sie laden nun zum Verweilen ein und ermöglichen wunderschöne Landschaftseindrücke – angesichts von Corona selbstverständlich mit dem nötigen Abstand zwischen den Sitzenden. Von dort kann der Blick weit schweifen oder man sitzt direkt an der Seeve und lauscht dem Rauschen und Murmeln des Flusses. „An einigen Bankplätzen haben wir zuvor in enger Abstimmung mit unseren Kollegen im Domänenamt Stade dichte Buschreihen auf wenigen Metern fachgerecht zurückschneiden lassen, so dass Naturfreunde durch diese Landschaftsfenster jetzt beste Blicke auf das Junkernfeld mit seinen Wiesenvögeln und Schachbrettblumen haben“, erläutert Niels Vollmers.

An den Holzbänken, die im Laufe der Zeit eine silbergraue Färbung annehmen, hat die Naturschutzabteilung kleine silberfarbene Schilder angebracht, die Gedanken und Erkenntnisse kluger Menschen der letzten Jahrhunderte zum Thema „Mensch und Natur“ zeigen und zum Nachdenken und Meditieren anregen. Da findet sich Mark Twain mit seiner Erkenntnis „Nichts kann einem die Tür zu sich selbst besser öffnen als ein Spaziergang“ ebenso wie Mahatma Gandhi, Voltaire und Rainer Maria Rilke. „Die Sprüche können beim Spaziergang gelesen oder als Inspiration verstanden werden, sich hinzusetzen und Landschaft und Natur nach Belieben zu genießen.“

Hintergrund: Das Junkernfeld ist ein etwa 160 Hektar großes traditionelles Grünlandgebiet im Naturschutzgebiet „Untere Seeveniederung“, das von Seevedeich, Herrendeich und Elbdeich begrenzt wird. Es befindet sich fast vollständig im Besitz des Landes Niedersachsen und wird unter strengen Naturschutzauflagen bewirtschaftet. Von Parkplätzen bei Maschen und Over können Spaziergänger das im Naturschutzgebiet gelegene Wiesenareal zu Fuß erreichen. Die Schachbrettblume gehört zur Familie der Kaiserkronen und hat ihren Namen nach der charakteristischen Färbung ihrer violetten und weißen Blüten erhalten. Sie ist eine Pflanze der Wiesen und Weiden und wächst hauptsächlich in großen Flussniederungen, vorzugsweise im Urstromtal der Elbe. In Deutschland ist sie stark bedroht. Entlang der Elbe gibt es nur noch wenige Vorkommen. Die Schachbrettblumenwiesen im Junkernfeld wurden in den 1970er-Jahren durch Veröffentlichungen des Botanikers Professor Dr. Ernst Preising der Fachwelt bekannt. Seither entwickelte sich das Junkernfeld zu einer Pilgerstätte für Botaniker und Naturliebhaber.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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