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Bezirksamt schickt Gesundheitsamtschef zum Überstunden abbummeln

Und Bezirksversammlung sucht ihn

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Harburg. Die Aufregung war groß, als CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer von der Tatsache erfuhr, dass der Leiter des Harburger Gesundheitsamtes, Dr. Robert Wagner, offenbar nicht mehr zu erreichen war. Mitten in der Corona-Krise avancierte Wagner zu einem gefragten Gesprächspartner, der für unkonventionelle und kurze Dienstwege gefeiert wurde. Umso erstaunter war man über dessen Abwesenheit am Arbeitsplatz.

Die Spekulationen schossen ins Kraut, was war passiert? War der beliebte Wagner Suspendiert worden? Dabei sei er doch, über Parteigrenzen hinweg, so beliebt gewesen. Ralf-Dieter Fischer wollte das genauer wissen und stellte am gestrigen Dienstagnachmittag eine kleine Anfrage an die Verwaltung. Der Fragenkatalog an das Bezirksamt war umfangreich und bot den Stallgeruch für einen handfesten Skandal.

Die Anfrage des CDU-Fraktionschef an die Bezirksverwaltung.

Die bereits heute veröffentlichte Antwort der Verwaltung ist ernüchternd. Demnach sei bereits Monate zuvor und in letzter Abstimmung in der 14. Kalenderwoche des Jahres im Einvernehmen mit Wagner für die Monate April und Mai 2020 ein Freizeitausgleich und die Abgeltung von Urlaubsansprüchen aus 2019 vereinbart worden. Aus Gründen der Personalfürsorge sah das Bezirksamt keinen Grund, weshalb dieser Anspruch wegen der Corona-Pandemie nicht bestehen sollte. Für die Virenangelegenheiten habe man extra eine Abwesentheitsvertretung geregelt.

Das Vertrauen in die Harburger Bezirksamtsleitung scheint unterdessen bei Medienvertretern und Akteuren rund um das Rathaus nicht groß zu sein. Wenn Spekulationen um sich greifen und klarer Worte Mangel ist, sollte auch Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen in sich gehen und hier für Abhilfe sorgen. Jedenfalls ist das dann geboten, wenn an den Gerüchten nichts dran ist. Wie sonst kann der Urlaub eines Behördenmitarbeiters solche Schlagzeilen produzieren? Dieser Vorgang schlägt in die Kerbe ein, dessen Schwertträger schon seit Ewigkeiten mehr Transparenz fordern. Dr. Robert Wagner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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