Politik

Neu Wulmstorfer SPD will Rufbus beibehalten und Busfahrten nach Elstorf ausweiten

Neu Wulmstorf. Die Politik sollte es sich immer zur Aufgabe machen, die Verwendung von Steuergeldern kritisch zu beurteilen und in Haushaltsberatungen, „jeden Stein umzudrehen“. In diesem Sinne fiel in den Beratungen 2018 für das Jahr 2019 auf, dass der Zuschussbedarf für den Rufbus mit rund 8,80 Euro pro Fahrt außergewöhnlich hoch ist. Die Sozialdemokraten nahmen dies zum Anlass, per Antrag nach Alternativen zu suchen. Es sollten ausdrücklich auch andere bedarfsgesteuerte Bedienformen des ÖPNV betrachtet werden, um ein zielgruppenorientiertes Grundangebot von Mobilität im ländlichen Raum aufrechtzuerhalten.

„Ich hatte z.B. auch an Angebote wie Moia in Hamburg gedacht, also Kleinbusse, die nicht auf festen Linien zu festen Zeiten verkehren, sondern Fahrtwünsche geschickt zu Gemeinschaftsfahrten bündeln“, so Verkehrsexperte Waszkewitz von der SPD, der den Antrag initiierte. „Oder warum nicht alle 20 Minuten mit einem Kleinbus vom Bahnhof aus auf die Dörfer fahren, aber immer genau dorthin, wo die jeweiligen Fahrgäste hinfahren möchten?“ Die Ergebnisse der entsprechenden Überlegungen der Verwaltungen der Gemeinde Neu Wulmstorf und des Landkreises liegen mittlerweile vor. Alternative Bedienformen neben Linienbus und Rufbus sind Stand heute nicht möglich bzw. noch kostenintensiver. Ein Dienst wie Moia funktioniert in einer Stadt, nicht aber auf dem flachen Land. 

Fraktionsvorsitzender Tobias Handtke stellt für die SPD Fraktion fest: „Für uns ist damit klar, dass wir das Rufbusangebot weiter unterstützen, da es zumindest heute noch keine Alternative für eine ÖPNV-Grundversorgung auf dem Land gibt. Gleichzeitig haben wir als SPD-Kreistagsfraktion den Landkreis durch einen Antrag von uns aufgefordert, eine gemeindeübergreifende Lösung für einen Rufbus – oder Anrufsammeltaxi wie das Angebot andernorts heißt – zu entwickeln, um damit das Rufbusangebot in einem ersten Schritt weiterzuentwickeln. Es ist einem Fahrgast nicht zu vermitteln, warum ein ÖPNV-Angebot an der Gemeindegrenze Schluss macht.“ 

Weiter wollen die Sozialdemokraten nun das Linienbusangebot nach Elstorf verbessern. 

Die im Sommer 2017 auf Antrag der SPD eingeführten Frühfahrten von Elstorf sind zeitlich auf Schichtarbeiter in Hamburg mit Arbeitsbeginn um 6 Uhr morgens ausgerichtet. „Die neuen Frühfahrten werden gut angenommen. Gehen wir nun von Schichten von 6 Uhr bis 14 Uhr und 14 Uhr bis 22 Uhr aus, ist es nur konsequent, das Linienbusangebot durch eine werktägliche Spätfahrt für den Weg nach Hause zu ergänzen, möglicherweise ist ein Zweitwagen damit nicht mehr alternativlos“, so Waszkewitz. 

Einer Ausweitung des Linienbusangebots nach Elstorf, wofür sich die Sozialdemokraten seit geraumer Zeit einsetzen steht der Landkreis positiv gegenüber, sofern sich Neu Wulmstorf an den Kosten beteiligt. Einen Antrag haben die Sozialdemokraten nun auf den Weg gebracht und hoffen auf Unterstützung weiterer Fraktionen. Weiter möchte die SPD auch zum ersten Mal ein Angebot am Sonntag einführen. Gedacht hat die SPD an einen 2-Stunden-Takt. „Wir wollen damit Personen aus Elstorf, die aus finanziellen, gesundheitlichen oder Altersgründen nicht Autofahren können, eine Grundmobilität ermöglichen“, erläutert Waszkewitz. 

Der SPD ist bewusst, dass die nächsten Jahre auf Grund der nach der Corona-Krise zu erwartender Rezession haushaltspolitisch sehr schwierig werden. Wie alle ergänzenden Maßnahmen, die mit einer Kostenteilung zwischen Gemeinde und Landkreis erfolgen, wird es auch hier nach einer gewissen Zeit der Einführung eine Erfolgskontrolle geben, die auch für die Gemeinde sicherstellt, dass Maßnahmen auch wieder zurückgeführt werden können, wenn zu geringe Fahrgastzahlen die Ausgaben nicht rechtfertigen. 

Handtke: „Maßnahmen für den Klimaschutz werden für die Gemeinde eine große Herausforderung bleiben. Weiterhin gilt die Mobilität zu einer wichtigen Grundversorgung der Bürgerinnen und Bürger. Wir wollen den ÖPNV daher weiterhin effektiv und bedarfsorientiert ausbauen und verbessern. Das gilt insbesondere für die Wohnquartiere, die die Politik aktiv vorangebracht hat. Neben dem Beibehalt des Rufbusses und den Verbesserungen des Linienbusangebots nach Elstorf setzen wir uns daher auch für eine häufigere Anbindung der Lessinghöfe ein.“ 

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