Neu Wulmstorf

Anderer Alltag bei Lea fordert alle heraus

Neu Wulmstorf. Das, was Vorstand, Mitarbeiter*innen, Ehrenamtliche und Bewohner*innen bei LeA – der Integrativen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft in Neu Wulmstorf – so lieben, hat der Corona-Virus erstmal auf Eis gelegt: Menschen in die Laurens-Spethmann-Häuser einzuladen oder selbst in die Welt rund um die Theodor-Heuss-Straße 46 b und c zu ziehen und Leute zu treffen – um mit ihnen zu feiern, Aktionen zu erleben oder einfach nur einen Schnack zu halten. 

Seit dem 17. März 2020 ist all das in der gewohnten und geliebten Form nicht mehr möglich. An diesem Tag wurde das Besuchsverbot für Pflegeeinrichtungen verhängt und auch die Werkstätten, in die 20 der 27 LeA-Bewohner*innen mit Unterstützungsbedarf tagsüber fahren, wurden geschlossen. Für Sabine Stadthoewer, Einrichtungsleitung bei LeA, bedeutete dies, dass sie in Windeseile den Personalplan neu denken musste. Denn eigentlich arbeiten die Mitarbeiter*innen im LeA-Wohnhaus im 2-Schicht-System: Morgens werden die Bewohner*innen beim Anziehen, bei der Pflege und beim Frühstück unterstützt, bevor sie zur Arbeit fahren oder in die hauseigene Tagesförderung gehen. Abends, wenn alle Bewohner*innen wieder zurück in ihren Gruppen sind, beginnt die zweite, die Abendschicht. Nur sieben Bewohner*innen werden auch tagsüber in der hauseigenen Tagesförderung vom extra Team betreut und bekocht.

Da nun tagsüber mehr Bewohner*innen begleitet werden müssen als im normalen Alltag, wurden sämtliche Kräfte für die neue, die dritte Schicht, mobilisiert: Die Mitarbeiter*innen kommen jetzt auch über Tag zur Arbeit, damit die fachgerechte Betreuung aller Bewohner stets gewährleistet ist. Das Team der Tagesförderung hilft tatkräftig bei der Betreuung der zusätzlich anwesenden Bewohner*innen mit. Alle anderen packen dort mit an, wo gerade Hilfe benötigt wird: Beim Einkaufen riesiger Mengen an Lebensmitteln (natürlich auch Klopapier), beim Schnibbeln, beim Spaziergang auf dem Gelände von LeA, beim Nähen von Mund-Nasen-Masken, beim Sport, beim gemeinsamen Werken, Spielen und Spaß haben. Eine Mitarbeiterin fasst zusammen: „Diese Krise hat auch etwas Gutes, wir rücken zusammen und lernen uns noch besser kennen.“

Natürlich sind alle Bewohner*innen traurig, dass sie im Moment nur per Telefon oder Skype mit ihren Lieben sprechen können – aber die Mitarbeiter*innen tun alles dafür, dass die Stimmung im Haus nicht kippt. Sabine Stadthoewer erzählt: „Unser Konzept ist, offen und ehrlich zu sein, keine Panik zu verbreiten und Gelassenheit zu verströmen. Wir haben im Wohnhaus eine entspannte Atmosphäre, in der aber auch Raum für Sorgen und Nöte ist.“ Dazu hat ihr Team ein abwechslungsreiches Tagesprogramm erarbeitet, mit dem es die Bewohner*innen in ihren individuellen Fähigkeiten fördert und fordert. Der Schwerpunkt liegt in der Bewegung und umfasst alle möglichen sportlichen Aktivitäten von Ballspielen, Tanzen bis hin zu Spaziergängen rund ums Haus. Die Feinmotorik wird geschult beim gemeinsamen Salatschneiden oder bei Kreativangeboten wie Streichen, Leimen und Hämmern. Außerdem wird regelmäßig an die geltenden Hygienemaßnahmen erinnert und diese werden von allen im Haus auch bestens umgesetzt.

Die gute Nachricht bei all dem: Alle Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen sind gesund und haben den Corona-Virus bis jetzt tatkräftig aus dem Hause halten können.

Die schlechte Nachricht: LeA hat jetzt mehr Ausgaben – und geplante Einnahmen bleiben aus. „Für LeA ist die Zeit des Lock-Down auch eine große finanzielle Herausforderung, da im Wohnhaus aufgrund der Werkstattschließung mehr Dienste abgedeckt werden müssen, die nicht zusätzlich vergütet werden.“ berichtet der LeA-Geschäftsführer Dr. Joachim Köhne. 

Außerdem kann der fertig gestellte Neubau von LeA, der Wohnraum für 12 weitere Menschen mit Unterstützungsbedarf bietet, aufgrund der Maßnahmen rund um den Corona-Virus noch nicht bezogen werden „Der Aufnahmestopp für neue Bewohner*innen bedeutet für LeA, dass fest eingeplante Einnahmen auf unbestimmte Zeit ausfallen. Zum Glück verfügt LeA noch über ausreichende Reserven, doch jetzt sind wir für Spenden dankbar, um den laufenden Betrieb zu unterstützen. Wir wissen ja nicht, wie lange die Belastung noch anhält.“ ergänzt Dr. Köhne .

Zum Glück ist das Wetter schön, dass zum gemeinsamen Musizieren das Garten-Zimmer genutzt werden kann. Foto: LeA

Wer LeA bei der derzeit sehr herausfordernden – aber auch besonders dankbaren – Aufgabe unterstützen möchte, kann unter der folgenden Kontonummer spenden: LeA e.V., Sparkasse Harburg-Buxtehude, IBAN: DE 8120 7500 0000 2800 4083. Ganz LeA sagt herzlichen Dank!

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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