Hamburg

„Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen – von der Plantage bis zum Schokoriegel“

Hamburg. „20 Jahre nach dem Versprechen der Unternehmen, Kinderarbeit zu reduzieren, ist die Zahl der Kinder, die auf den Kakaoplantagen gefährliche Arbeiten erledigen müssen, nicht gesunken, sondern gestiegen. Es ist offensichtlich, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen und wir mit freiwilligen Vereinbarungen nicht weiterkommen. Jetzt muss der Gesetzgeber tätig werden. Als mit Abstand größter Produzent von Schokolade in Europa, muss Deutschland Vorreiter im Kampf gegen Kinderarbeit sein.“ Das hat Freddy Adjan, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), anlässlich des Welttag gegen Kinderarbeit am 12. Juni gesagt und die Bundesregierung zur zügigen Verabschiedung des sogenannten Lieferkettengesetzes aufgefordert.

Nach einer Studie der Universität Chicago* hat gefährliche Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen in Westafrika von 2008/2009 bis 2019/2020 zugenommen. Demnach arbeiten allein in den Hauptanbauländern Ghana und Côte d’Ivoire mehr als zwei Millionen Kinder in der Kakaoproduktion. Im sogenannten Harkin-Engel-Protokoll hatten sich große Schokoladenhersteller bereits 2001 verpflichtet, die gefährlichsten Formen von Kinderarbeit bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren.

Freddy Adjan: „Die schlimmen Zahlen belegen, dass noch immer zu wenig getan wird: vom Gesetzgeber, von den Endkunden, die noch zu selten zu Fairtrade-Produkten greifen, und vor allem von den Unternehmen in der Kakao- und der Süßwarenherstellung. Wir erwarten, dass Unternehmen, die Kakao verarbeiten, alles dafür tun um sicherzustellen, dass der Kakao in ihren Produkten ohne die Ausbeutung von Kindern produziert wurde. Diese Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen, von der Plantage bis zum Schokoriegel.“ 

Einzelne begrüßenswerte Vorzeige-Projekte machten sich gut in Hochglanzbroschüren, brächten aber leider nur für einen Bruchteil der Kinder eine Verbesserung, so Adjan. Um der massenhaften Ausbeutung von Kindern im Kakaosektor wirksam zu begegnen, müssten die Unternehmen auch deutlich mehr Geld in die Hand nehmen – zum Beispiel, um die Einhaltung von Regeln gegen Kinderarbeit bei den Zulieferern zu überwachen. Adjan: „Die großen Schokoladenhersteller haben als dominante Marktteilnehmer die Durchsetzungskraft dafür zu sorgen, dass genügend Geld bei den Kakaobauern ankommt. Bislang sind sie den Beweis schuldig geblieben, dass sie das wirklich wollen.“ 

*Hintergrund:

Etwa 70 Prozent der weltweiten Kakaoernte kommt aus Westafrika, vor allem von der Côte d’Ivoire und aus Ghana. Die dort arbeitenden Kinder müssen härteste körperliche Arbeit leisten und sind oft ungeschützt giftigen Chemikalien ausgesetzt.

Mit dem Lieferkettengesetz sollen deutsche Unternehmen durch verbindliche Regelungen dazu gebracht werden, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass entlang der gesamten Lieferkette Menschenrechte geachtet und Umweltzerstörung vermieden wird.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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