Politik

Sorge um die medizinische Versorgung im Bezirk Harburg

Bezirk Harburg. Bessere medizinische Versorgung ist nach den Ereignissen der vergangenen Monate im Bezirk Harburg angesagt, soweit André Trepoll (CDU) in einer Pressemitteilung vergangener Woche. Zuvor hatte der Abgeordnete für Süderelbe in der Hamburger Bürgerschaft eine so genannte schriftliche kleine Anfrage an den Senat gerichtet. Darin erkundigte sich Trepoll über den Zustand der medizinischen Infrastruktur in den südlichen Hamburger Stadtteilen.

Der Abgeordnete zieht Bilanz: Harburgs Kliniken und Praxen haben zu wenig medizinisches Personal, Eißendorf (25.000 Einwohner) hat kein Augenarzt, keinen Frauenarzt, keinen Hautarzt und auch keine HNO-Arzt. Auch gibt es dort keinen Kinder- und Jugendarzt. Eine ähnliche Situation beschreibt Trepoll für Heimfeld. Langenbek, Rönneburg, Neuland, Francop, Gut Moor und Altenwerder, so Trepoll, haben nicht einmal einen eigenen Hausarzt. Nur Neugraben-Fischbek verfüge über genügend Fachärzte. Doch bei den Hausärzten liege die Versorgung bei nur 50% im Hamburger Schnitt.

Auch mit Blick auf die Situation in der Pflege zeichnet sich eine unzureichende Versorgung ab. Harburger Krankenhäuser beschäftigen im Vergleich zu den anderen Bezirken am wenigsten Pflegekräfte. Die Zahl der stationären Pflegeplätze in Harburg stagniert zudem seit 2018. Vor diesem Hintergrund ist völlig unverständlich, dass aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) diese unzulänglichen Rahmenbedingungen kein Grund darstellen, um die gesundheitliche Infrastruktur im Bezirk zu stärken. „SPD und Grüne schließen sich an und sehen offenbar genauso keinen dringlichen Handlungsbedarf in Harburg.“, so Trepoll.

„Wenn wir bereits heute erleben, dass in etlichen Harburger Stadtteilen Ärzte fehlen und sich vielerorts gar keine Fachärzte mehr niederlassen, dann wird sich die Versorgungssituation mit Blick auf den demografischen Wandel in den nächsten Jahren massiv verschlechtern – wenn wir jetzt nicht gegensteuern. Um die stärkere Beanspruchung unseres Gesundheitssystems auffangen zu können, müssen wir als Standort für Ärzte attraktiv sein und dringend bei den Pflegekapazitäten ansetzen. Rot-Grün muss sich hier jetzt einsichtig zeigen. Der neue Koalitionsvertrag der Senatsparteien lässt konkrete Zielvorgaben für Hamburgs Süden vermissen. Als CDU werden wir die Entwicklungen daher genau im Blick behalten. Verlässliche Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau muss in der ganzen Stadt selbstverständlich sein.”

Eftichia Olowson-Saviolaki (SPD)

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Henning Reh weist die Kritik Trepolls entschieden zurück: „Wir und vor allem unsere gesundheitspolitischen Sprecherinnen Claudia Loos und Eftichia Olowson-Saviolaki setzen sich seit Jahren für eine bessere medizinische Versorgung im Bezirk ein“. Erst im Mai 2020 habe die Regierungskoalition im Rahmen der Koalitionsverhandlungen ihr stetiges Einwirken auf die Verantwortlichen bekräftigt.

Dort heißt es: „Bedauerlich finden die Genossen aus Harburg die erneute Abwehrhaltung der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg und ihres Vorsitzenden Walter Plassmann. Der gelernte Jurist bleibt bei seiner Ablehnung jeglichen Eingriffs in die kassenärztliche Selbstverwaltung und verweist auf die gute medizinische Versorgung Hamburgs. Dazu meint Richter, dass hamburgweit zwar eine gute Versorgung gegeben sei, „die Verteilung auf die Stadtteile ist jedoch unausgewogen. Vielleicht ist es Herrn Plassmann noch nicht aufgefallen, dass es hier auch eine Elbe gibt, die die Stadt teilt. Hier in Harburg aber auch in Bergedorf sieht es nun einmal anders aus als in Blankenese.“

Webseite der SPD-Fraktion

Es habe in der Vergangenheit kleine Erfolge gegeben, doch die sind im Rahmen der stetigen Bevölkerungszuwächse im Hamburger Speckgürtel nicht annähernd ausreichend. Das ist auch den Sozialdemokraten klar, aber daran arbeiten wir auch mit Nachdruck, so Reh.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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