Harburg

Bürokratie auch zu Corona-Zeiten ein Thema

Harburg. Die Superlative, mit denen die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf die Wirtschaft beschrieben werden, klingeln allen noch in den Ohren: “Die größte Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg”, “Eine nie dagewesene Insolvenzwelle” oder “Es wird nie wieder so wie vorher sein”. Hamburgs Politik-Szene hat schnell reagiert und neben Solidaritätsbekundungen auch Geld locker gemacht, wenngleich die gezahlten Beihilfen nicht immer schnell und unbürokratisch angekommen sind. 

Der gute Rat und die Bitte des Ersten Bürgermeisters der freien und Hansestadt Hamburg in die Verwaltung war, das Vorgehen stets zu hinterfragen und Hürden zu überwinden, wo es geht. Diese Haltung vermissen Aranya und Andreas Michel, die am 1. Juli ihren Massagesalon von Neu Wulmstorf nach Harburg verlegt haben. Was die Beiden nicht geahnt hatten, war, dass ihre Dienstleistung eine Nutzungsänderung der neuen, auch vorher schon als gewerbliche Fläche genutzten Räumlichkeiten an der Eißendorfer Straße 79 bedeuten würde.

Anstatt nach der lange ersehnten Lockerung der Covid-19 Maßnahmen endlich wieder Geld verdienen zu können, schlagen sich die Massage-Profis nun mit den Behörden rum. “Unsere kompletten Unterlagen sind eingereicht, unzählige Telefonate mit Gewerbeamt, Bauamt und Handelskammer wurden geführt damit es mit der Genehmigung schnell vorangeht….und nun kommt ein Brief vom Bauamt, in dem steht, dass wir eine „Detaillierte Betriebsbeschreibung mit genauer Angabe der ausgeführten Dienstleistung nach §13 BauVorlVO“ einreichen müssen, davon war im ersten Gespräch nicht die Rede, ansonsten hätten wir das selbstverständlich gleich miterledigt”, sagt Andreas Michel.

“Wir sind ja stets lösungsorientiert und haben das Ganze kurzerhand an einem Vormittag erledigt und per E-Mail an das Bauamt in Harburg geschickt”, fährt Michel fort. Er habe dann gleichzeitig auch dort angerufen und gefragt, ob das ganze so in Ordnung sei. Dabei offenbarte man ihm, dass Eingaben an das Bauamt persönlich erfolgen müssten, da es einen Eingangsstempel gebe, der benötigt würde. Doch dann recherchierte Michel, dass das Bauamt derzeit nur Dienstag und Donnerstag Sprechzeit hätte und diese offenbar im Home-Office stattfinden. 

Während der Streit mit dem Bauamt fortbesteht, bieten Aranya und Andreas Michel ihre Dienstleistungen auf Basis einer mobilen Massage an und kommen – vollständig Corona-Konform – ins Haus. Kreativ muss man eben sein. Terminabsprachen sind unter 0176 72854768 (Salon) und 0175 1522389 (Mobile Message) möglich. Das Bezirksamt war am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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