Freizeit

Gelebte Geschichte im Freilichtmuseum am Kiekeberg

Rosengarten. Ab dem Wochenende, 25. und 26. Juli, erleben Besucher des Freilichtmuseums am Kiekeberg wieder, wie Menschen früher auf dem Land lebten: Die ehrenamtlichen „Gelebte Geschichte“-Darsteller führen ihnen in rekonstruierter Kleidung den Alltag von Bauern vor 200 Jahren, von Elbfischern vor 100 Jahren und von Flüchtlingen in der Notzeit vor 75 Jahren vor. Knapp vier Monate gab es durch corona-bedingte Einschränkungen keine Vorführungen. Das Freilichtmuseum ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet – die Vorführungen finden den ganzen Tag über statt. Der Eintritt kostet 9 Euro; für Besucher unter 18 Jahren ist er frei.

„Wir sind glücklich darüber, dass die Gelebte Geschichte-Gruppe unseren Besuchern wieder den Alltag ihrer Vorfahren zeigen kann“, freut sich Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg. „Sie vermitteln Jung und Alt das, was nicht in den Geschichtsbüchern steht: die Rollen in der Familie, tägliche Aufgaben oder damalige Werkzeuge.“

Vor 200 Jahren lebten die Heidebauern ohne Strom im kargen Hof: Bei der Gelebten Geschichte 1804 sehen Besucher, wie die Bäuerin am Spinnrad spinnt oder Kleidung strickt und bestickt. Der Bauer versorgt die Schweine und Hühner, während die Kinder Gänse auf die Streuobstwiese treiben. Interessierte erleben hautnah frühere Alltagsaufgaben wie Holzhacken, Schnitzen oder Ausbesserungen der alten Gebäude – auch Bierbrauen gehörte dazu.

100 Jahre später lebt eine Fischerfamilie in der Winsener Marsch schon mit spärlichem elektrischen Licht. Die Gelebte Geschichte 1904 zeigt, wie der Fischer seine Netze flickt oder Heringe und Forellen räuchert. Die Familie baut im hauseigenen Kräutergarten Gemüse für den Hamburger Markt an. Besucher sehen, wie der Fischer für die Gartenarbeit seine Sense instand setzt.

Nur 40 Jahre später kämpften insbesondere die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ums Überleben: Die Darstellergruppe 1945 zeigt, wie sie Brennnesseln und Eicheln sammeln und auf der Kochhexe zu Tee kochen. Besucher sehen ihren Neuanfang in der Nissenhütte, einer damaligen Notunterkunft – Geschichte zum Anfassen.

Weitere Gelebte Geschichte-Termine 2020:

Gelebte Geschichte 1904/1945, Sbd/So, 22./23. August, 10–18 Uhr

Nur 40 Jahre liegen dazwischen – die Unterschiede in der Lebensweise erkennen Besucher beim Vergleich der Fischerfamilie 1904 und der Vertriebenen 1945: Während es im Fischerhaus vor 100 Jahren relativen Wohlstand gab, kämpften die Bewohner der Nissenhütte vor 75 Jahren ums Überleben.

Gelebte Geschichte 1804/1945, Sbd/So, 5./6. September, 10–18 Uhr

Über 140 Jahre später – der Vergleich zwischen Hofleben 1804 und der Nachkriegszeit im Museum ist anschaulich, etwa Essenkochen auf offenen Herdfeuer und auf der Kochhexe, Kleidungsstücke aus Leinen und Mode-Überbleibsel der 1940er Jahre. Die Besucher entdecken viele Details und erhalten von den Darstellern versierte Antworten auf ihre Fragen.

Gelebte Geschichte 1804/1904/1945, Sbd/So, 10./11. Oktober (Kartoffeltag), 10–18 Uhr

Hier drehen sich die Vorführungen ganz um die Kartoffel: Die Besucher sehen den Bewohnern von Nissenhütte, Fischerhaus und Pringenshof bei der Zubereitung authentischer Kartoffelgerichte der jeweiligen Zeit über die Schulter.

Die Idee der so genannten „Living History“ stammt aus den angelsächsischen Ländern, Skandinavien und den Niederlanden. Seit 2004 ist das Projekt Gelebte Geschichte ein fester Bestandteil des Programms im Freilichtmuseum.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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