Süderelbe

ioki bringt On-Demand-Shuttles in den ländlichen Raum

Süderelbe. Ab Dezember 2020 kommt der ÖPNV in drei weiteren Landkreisen im Großraum Hamburg fast bis an die Haustür. Im „Reallabor Hamburg“ führt die Deutsche Bahn-Tochter ioki für die drei Testregionen Ahrensburg, Stormarn und Süderelbe zunächst Mobilitätsanalysen durch. Die jüngste Untersuchung von Pendlerströmen und Mobilitätsverhalten in der Region südlich der Elbe zeigt: Das größte Potential für ein flexibles Angebot nach Bedarf – ohne feste Fahrpläne und Haltestellen – hat dort die Stadt Winsen im Landkreis Harburg. Im zweiten Schritt entwickelt ioki die Plattform für den Betrieb der On-Demand-Shuttles, der sowohl in Ahrensburg und Stormarn als auch in Winsen noch in diesem Jahr startet.

„Unsere Analysen geben Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen in der Mobilität. Wie können wir den ÖPNV noch attraktiver machen und so den Klimaschutz voranbringen? Mit Mobilitätsanalysen können wir schon vorab berechnen, wo On-Demand-Angebote den größten Nutzen bringen. In Hamburg selbst haben wir bereits mehrere Analysen durchgeführt und weitreichende Praxis-Erfahrungen gesammelt. Jetzt geht es darum, dass auch der ländliche Raum außerhalb der Hansestadt von neuen Mobilitätsformen profitiert“, sagt Dr. Michael Barillère-Scholz, Geschäftsführer von ioki.

Für die Auswahl in der südlichen Metropolregion Hamburg hat ioki rund eine Million Wege in den Landkreisen Harburg, Stade und Lüneburg analysiert. Dabei lag der Fokus auf privaten Autofahrten. Das Ergebnis: Rund 70 Prozent aller Fahrten in Winsen verlaufen direkt von der Haustür zum Ziel. Die übrigen 30 Prozent sind sogenannte Zubringerfahrten, beispielsweise zum Bahnhof und von dort weiter mit dem Zug. Diese Einzel-Pendler-Autofahrten könnten mithilfe eines bedarfsgerechten Angebots intelligent gebündelt und rasch in den klimafreundlichen ÖPNV integriert werden. Durch die bequemere, individuellere Anbindung an das bestehende Bahn- und Busnetz wird das öffentliche Mobilitätsangebot auch für die erste Gruppe, die bislang ausschließlich das Auto wählt, attraktiver.

„Für Winsen und Teile der Winsener Elbmarsch ist das neue Angebot ein doppelter Gewinn: Dank des nachhaltigen Verkehrskonzeptes entlasten wir die Straßen in der Region, bieten den Menschen eine Mobilitätsalternative und erleichtern damit ihr Leben. Damit steigern wir die Attraktivität der Süderelbe-Region und stärken Wirtschaftskraft und Wohnqualität“, ordnet Rainer Rempe, Landrat Landkreis Harburg ein.

Allen voran bekommen die Elbmarsche und die umliegenden Gemeinden einen deutlich besseren Anschluss ins Stadtgebiet von Winsen und so auch zur Schienenanbindung Richtung Hamburg. Den Berechnungen zufolge kann mit nur fünf Fahrzeugen ein großer Mehrwert erzeugt werden. Denn die On-Demand-Shuttles werden in den bestehenden öffentlichen Nahverkehr integriert. Ab Ende 2020 geben die Fahrgäste über die von ioki entwickelte Smartphone App Start- und Zielort ein und erhalten die Abfahrts- und Ankunftszeiten des Shuttles. Unterwegs können Passagiere mit ähnlichem Fahrtziel zusteigen. Das sogenannte Ridepooling ermöglicht eine optimale Auslastung der Fahrzeuge und entlastet Straßen und Umwelt.

Die Analyse für die Stadt Ahrensburg mit Mobilitäts- und Betriebssimulationen, Umweltbewertung sowie einem Systemvergleich des Flächen- und Linienverkehrs läuft aktuell noch. Die Ergebnisse werden im Herbst vorgestellt. Für den Kreis Stormarn wurde eine vergleichbare Auswertung durchgeführt. Bereits seit Juli 2018 erprobt ioki den Einsatz von On-Demand-Verkehren als Teil des ÖPNV in den Hamburger Stadtteilen Lurup, Osdorf und Billbrook.

Über das RealLabHH

Im Reallabor Hamburg (RealLabHH) soll die Mobilität von morgen im Hier und Jetzt einer Metropole erprobt werden und darauf aufbauend eine Blaupause für die digitale Mobilität der Zukunft entstehen. Die gesellschaftliche Debatte zu digitalen Mobilitätsservices steht dabei im Zentrum, um wichtige Erkenntnisse darüber zu liefern, welche Ansätze sich in der Praxis bewähren. Die geplanten elf Teilprojekte des RealLabHH reichen vom Mobilitätsbudget anstelle eines Dienstwagens über die Schaffung einer anbieterunabhängigen Mobilitätsplattform bis hin zu Lösungen für besonders schutzbedürftige Teilnehmer*innen im Straßenverkehr.

Unter der Konsortialführerschaft der Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) ist dabei die kontinuierliche und umfassende Einbeziehung der Bürger*innen vorgesehen. Auf dem ITS-Weltkongress 2021 werden die Ergebnisse des RealLabHH präsentiert. Unterstützt vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ist die Freie und Hansestadt Hamburg Gastgeber des weltweit größten Kongresses für intelligente Verkehrssysteme und Services (ITS), welcher vom 11. bis 15. Oktober 2021 stattfindet. Das Projekt des RealLabHH geht auf die Initiative der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) zurück, läuft bis Ende 2021 und wird vom BMVI mit rund 20,5 Millionen Euro gefördert.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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