Hamburg

ver.di fühlt sich provoziert: Warnstreiks bei der Post drohen

Hamburg. Die Lage bei der Deutschen Post AG ist angespannt. Zustellerinnen und Zusteller berichten seit Jahren über stetig wachsenden Druck aus der Führungsetage. Mit dem Vorstoß der DP AG, die Stammbezirke abschaffen zu wollen, offenbarte sich das Ziel des Unternehmens: Das einstige Qualitätsmerkmal gut ausgebildeter Fachkräfte weicht der Feststellung vieler Kunden, dass es oftmals bereits an der Verständigung mit dem Zusteller fehle. Nicht vergessen haben die Angestellten auch den Versuch der DP AG, mit den “Delivery GmbHs” das Lohnniveau der neu eingestellten Kollegen über diesen Umweg deutlich zu senken. Die Mehrarbeit während der Corona-Zeit und die damit verbundenen Gewinne des Konzerns, sollen jetzt nach dem Eindruck der ver.di wohl nur den Aktionären zuteil werden.

„Wir haben in der zweiten Runde der Tarifverhandlungen den Eindruck gewonnen, dass die DP AG ihre Beschäftigten mit einer Entgelterhöhung von nur 1,5 Prozent für 12 Monate abspeisen will. Das ist eine Provokation und das werden sich unsere Mitglieder, die Tag für Tag zum Unternehmenserfolg beitragen, nicht einfach so bieten lassen“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. 

Für die anstehende dritte Verhandlungsrunde erwartet die Gewerkschaft einen ernstzunehmenden Vorschlag. Die DP AG konnte nach eigenen Angaben ihren Gewinn im Bereich Post und Paket im ersten Halbjahr um knapp 50 Prozent steigern. Kocsis: „Die Post gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise. Wer in einer Krise derart profitiert, muss auch selbst zur Stärkung der Binnennachfrage beitragen. Dazu gehören ganz klar ordentliche Lohnerhöhungen und kein Sparkurs bei den Beschäftigten.“

ver.di fordert für die rund 140.000 Tarifbeschäftigten eine lineare Erhöhung von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem verlangt ver.di für die Auszubildenden und Dual-Studierenden eine monatliche Erhöhung um 90 Euro, darüber hinaus soll die Postzulage für die verbeamteten Postbeschäftigten fortgeschrieben werden.

Bundesweit ruft die ver.di seit heute zu Warnstreiks auf, für Hamburg gibt es (Stand 11:50 Uhr) keine Streikaktionen.

Wie du lokalen Journalismus unterstützen kannst!
Zeige mehr
AnzeigeRestaurant Scharf Giovanni L. Neugraben entdecken Belegprofis Princess to Bride Asien SBay

Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

Kommentar verfassen

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
X
X