GesundheitNeugraben-Fischbek

Wenn der Krebs ins Leben tritt hilft Zuversicht

Neugraben-Fischbek. Es gibt Dinge im Leben, die selbst den stabilsten Menschen aus der Bahn werfen. Wo eben noch Freude und Optimismus den Alltag bereichert haben, machen sich Angst und Demut breit. Es ist diese eine Nachricht, die man nicht hören will. Mit der man nicht oder nur sehr schlecht umgehen kann. Es ist die Überforderung, mit der man sich alleine glaubt und nicht umzugehen weiß.

„Ihre Tochter ist am Hodgkin-Lymphom erkrankt, das ist ein bösartiger Tumor des Lymphsystems.“

Was macht man in dieser Hilflosigkeit? Die meisten Menschen haben Angst vor Stigmatisierung und davor, vom Freundeskreis fallengelassen zu werden. Bei Bianca S. aus Neugraben-Fischbek ist das anders. Sie hat nach kurzer Überlegung den Weg in die Öffentlichkeit gewählt. Bei Facebook berichtet sie über Therapieschritte und die vielen Beschwerlichkeiten, die in dieser Situation auf einen zukommen.

Dazu zählt, dass sie natürlich für ihre Tochter da sein will und deshalb erstmal Krank geschrieben ist. Das führt zwangsläufig auch dazu, dass dem Haushalt zunächst weniger Geld zur Verfügung steht. Oder das die täglichen – im Wesentlichen durch die Krankenkasse finanzierten Taxifahrten ins Krankenhaus – sehr beschwerlich sind. Wartezeiten und wechselnde Fahrer strapazieren bei einem ohnehin langen Therapietag noch zusätzlich.

Auf Anregung einiger Freunde entstand deshalb die Idee, Geld für einen Gebrauchtwagen zu sammeln. Von rund 6000 Euro die benötigt würden, sind 2000 Euro durch Eigenmittel gedeckt. Von den restlichen 4000 Euro wurden innerhalb 13 Tagen jetzt bereits 1390 Euro in einem „Moneypool“ gesammelt.

Am Montag der vergangenen Woche hat sich der Arbeitgeber von Bianca eingeschaltet. „Bianca arbeitet bei uns in der Firma. Natürlich helfen wir. Das ist doch keine Frage.“, schrieb ABH-Inhaber Rudolf Zobel-Walas bei Facebook. Kurze Zeit später war klar, dass die Firma für die Übergangszeit ein Fahrzeug bereitstellt. „Ich bin sprachlos“, sagt Bianca und nahm den Schlüssel des frisch gewaschenen Autos in Empfang.

Damit gewinnt die Familie ein wenig Zeit zurück, denn zu Hause warten Mann, Bruder und die Haustiere, die in dieser Situation ein wenig Trost geben können. Die Wissenschaft hat längst belegt, dass Zuversicht eine Heilung unterstützt.

Von Krebs betroffene finden Hilfe in der Beratungsstelle Harburg, Schloßmühlendamm 3, 21073 Hamburg. Telefonisch unter 040 3009 2227 oder per E-Mail an harburg@krebshamburg.de

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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