Lokales

Hamburgs Ankunftszentrum steht unter Quarantäne

70 Personen mit Virus infiziert

Hamburg. Seit den frühen Morgenstunden findet in der zentralen Erstaufnahme für Geflüchtete im Stadtteil Rahlstedt ein Rettungseinsatz der Feuerwehr Hamburg statt. In den vergangenen Tagen waren dort mehrere Bewohner positiv auf das SARS-CoV-2 Virus getestet worden. Das Gesundheitsamt hat daraufhin eine Voll-Quarantäne für den gesamten Standort angeordnet und eine Massentestung aller Bewohner/innen angeordnet. Insgesamt wurden von 277 Bewohnerinnen und Bewohner 70 Personen positiv getestet. Personen, bei denen eine COVID-19-Infektion festgestellt wurde, wurden umgehend isoliert und an den bereits im Frühjahr eingerichteten Quarantänestandort „Neuer Höltigbaum“ verlegt.

Carola Ensslen, flüchtlingspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft iat empört: „Das Ankunftszentrum in Rahlstedt mit seinen großen Hallen, die nur in Kompartements unterteilt sind, bietet gute Bedingungen für die Ausbreitung des Virus. Der Senat handelt daher grob fahrlässig, wenn er sämtliche Forderungen nach einer entzerrten Belegung in den Unterkünften ignoriert. Der Corona-Ausbruch in Rahlstedt ist das Resultat dieser Ignoranz.“

Ensslen fordert, dass die Erkenntnisse von Studien und des Robert-Koch-Instituts endlich ernstgenommen und Geflüchtete entweder einzeln oder nur in Familien untergebracht werden, um weitere Masseninfektionen und Freiheitsbeschränkungen durch Quarantäne zu verhindern. „Geflüchtete finden in der Corona-Krise so gut wie keine Beachtung, obwohl ihr Zusammenleben auf engstem Raum eine weit überdurchschnittliches Infektionsrisiko mit dem Coronavirus darstellt. Nach Krieg und Flucht werden sie hier nun schutzlos dem Virus und Quarantänemaßnahmen ausgeliefert“, sagt Ensslen.

Zeige mehr
Anzeige

Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

Kommentar verfassen

Ähnliche Artikel

Schaue auch dies
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
X
X