Kolumnen

Meine Meinung: Fuck, Corona!

Es ist ja kaum noch zu ertragen: Das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Und ohne Frage ist es auch notwendig, alles zu unternehmen, um die Pandemie in die Schranken zu weisen. Seit Monaten gelten die AHA-Regeln als die wichtigste Maßnahme. Jetzt ist noch das Lüften dazu gekommen. Alles notwendig und akzeptabel, wie ich finde.

Die Zahl der Inzidenzen schnellt in den letzten Wochen in Höhen, bei denen die Überlastung der Krankenhäuser nur noch eine Frage von wenigen Wochen ist. Es muss etwas Geschehen, das ist keine Frage. Doch an dieser Stelle mache ich Versäumnisse aus, die uns als Gesellschaft jetzt auf die Füße fallen.

Etwa beim Unterricht in den Schulen: Warum hat man es seit März des Jahres nicht geschafft, eine digitale Unterrichtsstruktur anzubieten, gern auch als Bildungsfernsehen (gab es früher mal in den dritten Programmen) oder aus der Schulbehörde gesendete Unterrichtseinheiten für alle Jahrgänge. Es muss doch nicht jede Schule ein eigenes System entwickeln. Die private Wirtschaft macht es längst vor. Plattformen wie schlaukopf.de oder Lehrer Schmidt bei Youtube zeigen, wie es gehen könnte.

Jetzt könnten wir diese Entzerrung beim Präsenzunterricht gut gebrauchen.

Die Ansteckungsgefahr in Restaurants, Fitness-Studios oder im Handel ist äußerst gering. Hier greifen die eingeführten Maßnahmen hervorragend und werden seit kurzem ja auch nachhaltig eingefordert. Auch Konzerte und Veranstaltungen können unter gut organisierten Bedingungen stattfinden, wie Harburger Institutionen mit „Fight for live“ eindrucksvoll bewiesen haben.

Doch was wir heute nach der Ministerkonferenz – jedenfalls dem Vernehmen nach – erwarten dürfen, ist ein so genannter „temporärer Shutdown“. Was nichts anderes ist, als ein Berufsverbot auch für alle SOLO-Selbstständigen. Die Wertschätzung dieser Gruppe, zu denen auch Künstler, Musiker und viele andere wichtige Berufsgruppen gehören, ist nicht nur gering, sondern aus meiner Sicht ein Skandal.

Während man – zurecht – die Arbeitsplätze großer Firmen mit Kurzarbeitergeld schützt, um die Strukturen zu erhalten, hält man das bei den Solo-Selbstständigen für unnötig und verlangt von ihnen, sich blank zu machen und Sozialgelder zu beantragen. Welche Stigmatisierung.

Entscheider, schämt euch!

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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