Kolumnen

Hilflos. Ratlos. Einfallslos. Angst vor der Schule.

Wie es für Eltern wohl ist, wenn das eigene Kind Angst um die chronisch Kranken Familienmitglieder hat, sollte in der Corona-Zeit Empathie bei Schulen und Behörden hervorrufen, sollte man meinen. Doch weit gefehlt. So bleibt eine 12-jährige Schülerin seit der Zunahme der Infektionen im Oktober 2020 mit Zustimmung der Eltern zu Hause.

Die Eltern hatten das Kind zunächst regelmäßig mit dem Hinweis auf die Angst des Kindes, sich und Familienangehörige anzustecken im Sekretariat entschuldigt und stießen dort durchaus auf Verständnis. Kontakte zum Klassenlehrer zeigten die Hilflosigkeit, die sich auch unter den Lehrkräften breit gemacht hatte. Wie solle man dem Kind helfen? In überfüllten Schulklassen und dem vielen Menschen auf dem Schulhof und um die Schule herum? Für ein ängstliches Kind ein Spießrutenlauf!

Die Schule reagiert mit einem Standardschreiben: “Sollte ihr Kind weiterhin fehlen, …werden wir die Fehlzeiten nur noch durch Vorlage eines ärztlichen Attestes akzeptieren.” Mit keinem Wort wird auf die der Schule bekannten Gründe der Fehlzeiten eingegangen, noch eine Lösung angeboten. Schlimmer noch, dem Kind droht eine G6 und das Fehlen wird in das Zeugnis eingetragen.

Die Eltern, die beide berufstätig sind und in diesen Zeiten – wie auch sehr viele anderen Menschen – nahe der Erschöpfung versuchen, den Ball am Laufen zu halten, sind verzweifelt. Zu den vielen anderen Aufgaben gesellt sich jetzt auch noch der regelmäßige Arztbesuch, um das Attest zu erhalten. Dabei kann der Arzt überhaupt nicht feststellen, ob die Ängste real sind.

Anstatt Hilfe mit hybridem Unterricht gibt es auf die Mütze! Die Schulbehörde ist einfallslos und schiebt den schwarzen Peter an die Eltern! Diese können sich ja durch das Zahlen des Bußgeldes freikaufen. Wie im Mittelalter! 

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

Ein Kommentar

  1. mir geht es ähnlich nur das ich Chronisch krank bin, ich wurde vor die Wahl gestellt entweder schicke ich mein Kind zur Schule oder aber wenn ich mir ein Attest besorge ,darf sie dann bis zum Ende der Pandemie nicht mehr zur Schule kommen (dabei wollte ich 14 Tage erstmal abwarten wie es in der Schule ist) und ich müsste meiner Tochter ein vernünftiges Endgerät besorgen (was Finanziell nicht geht) mittlerweile gibt es in einigen Klassen leider auch einige Fälle, und ich bin dadurch jetzt noch mehr verunsichert.

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