Winsen

Gewalt hat viele Gesichter – Veranstaltungen informieren

Winsen. Beleidigung, Bedrohung, Stalking, Schläge, Vergewaltigung und sogar Totschlag oder Mord – Gewalt an Frauen ist keine Seltenheit. Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal im Leben von physischer oder sexualisierter Gewalt betroffen, jede vierte Frau wird Opfer körperlicher Gewalt durch ihren Partner. „Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter und findet auch vor unseren eigenen Haustüren statt“, sagt Andrea Schrag, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg, anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am Mittwoch, 25. November.

Die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Harburg organisieren dazu die 16-Tage-Kampagne „Gegen Gewalt an Frauen“, die bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember, stattfindet, angesichts von Corona allerdings in verkleinerter Form. Denn eigentlich waren dazu verschiedene Veranstaltungen geplante. „Leider können die Indoor-Präsenzveranstaltungen angesichts der Corona-Pandemie und steigender Infektionszahlen nicht stattfinden“, bedauert Andrea Schrag.

Von den Vereinten Nationen initiiert, geht dieser Internationale Gedenktag auf die Ermordung der drei Schwestern Mirabal zurück, die am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst nach monatelanger Folter getötet wurden. Sie waren im Untergrund tätig und hatten sich an Aktivitäten gegen Diktator Rafael Leónidas Trujillo beteiligt. Ihr Mut motiviert bis heute Frauen und Männer, gegen Unrecht und Unterdrückung einzutreten.

Die Zahlen zeigen deutlich, wie nötig das ist: Mehr als 100.000 Fälle an häuslicher Gewalt kommen pro Jahr zur Anzeige – bundesweit waren es im vergangenen Jahr 141.792 Opfer von Partnerschaftsgewalt (2018: 140.755), quer durch alle Gesellschaftsschichten. Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann, seine Partnerin zu töten. An jedem dritten Tag gelingt es.

„Das zeigt, wie wichtig dieser internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist“, so Dörthe Heien von der Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt BISS. „Die Dunkelziffer ist noch um einiges höher, da viele Betroffene aus Angst oder vor Scham lieber schweigen, anstatt sich gegen ihre Peiniger zu wehren, die meistens im direkten Umfeld zu finden sind.“ Und oft ist es ein jahrelanges Martyrium, das die Frauen erdulden. „Die Misshandlungen geschehen nicht aufgrund eines einmaligen Kontrollverlustes, sondern dienen dazu, Macht und Kontrolle über das Opfer auszuüben. Für die betroffenen Frauen ist es meist sehr schwer, Hilfe zu holen und sich aus der Gewaltbeziehung zu lösen.“

Kommt es wegen häuslicher Gewalt zu Polizeieinsätzen, stellt diese den Kontakt zur Beratungsstelle BISS her. Die BISS hatte 2019 zu 284 Frauen im Landkreis Harburg Kontakt. Doch dort kann nur eine Erstberatung stattfinden, für weitergehende umfassende Unterstützung und als Ansprechpartnerin gibt es seit November 2019 eine Beratungsstelle für alle Mädchen und Frauen, unabhängig vom Zeitpunkt und der Art der erlebten Gewalt. 137 Fälle verzeichnet die Einrichtung seitdem – „das zeigt, wie groß der Bedarf ist“, betonte Christine Arndt von der Beratungsstelle. Zuflucht im Frauenhaus haben im vergangenen Jahr 41 Frauen mit 48 Kindern gesucht (2018: 38 Frauen mit 45 Kindern). Dort bleiben sie oft monatelang. „Auch bei ihnen merken wir, dass es an bezahlbarem Wohnraum im Landkreis fehlt.“

Durch die Corona-Pandemie mit allen Einschränkungen haben sich die Zahlen im Landkreis Harburg nach Beobachtungen von Andrea Schrag, Dörthe Heien und Christine Arndt nicht verändert und sind nicht signifikant gestiegen. Gezeigt hat sich aber: „Wir müssen neue Wege gehen und uns stärker digital aufstellen, um für Frauen erreichbar zu sein.“

Um auf den Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen, wehen von Mittwoch an bis zum 16. Dezember im ganzen Landkreis Fahnen.

Geplant sind folgende Veranstaltungen:

Als Webinar findet am 27. November ab 18 Uhr ein Vortrag mit Dr. Necia Kelek statt. Die Soziologin und Frauenrechtlerin informiert über die Ursachen von Zwangsverheiratungen, die oft schwer davon zu trennenden arrangierten Ehen und klärt die religiösen, traditionellen und ethnischen Faktoren sowie die damit verbundenen Geschlechterrollen. Anmeldungen sind bei Astrid Warburg-Manthey, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Salzhausen, E-Mail a.manthey@rathaus-salzhausen.de möglich. Den Teilnehmenden werden die Zugangsdaten dann per E-Mail zugeschickt.

Der Kampagnenbus „Frauenrechte sind Menschenrechte“ macht am 1. Dezember von 11 bis 14 Uhr auf dem Winsener Wochenmarkt, am 2. Dezember von 10 bis 12 Uhr auf dem Wochenmarkt in Buchholz und am 3. Dezember von 10 bis 13 Uhr auf dem Wochenmarkt in Maschen Station. Fachkräfte informieren dort rund um Hilfe bei häuslicher Gewalt.

Eine Sprechstunde für weibliche Opfer von häuslicher und sexualisierter Gewalt bieten Mitarbeiterinnen des Weißen Rings am 9. Dezember von 10 bis 12 Uhr im Sozialkontor Buchholz (Kirchenstraße 6) an. Anmeldung: Telefon 0151 – 55164733, E-Mail wr.vera.theelen@gmail.com.

Hilfe gibt es bei folgenden Einrichtungen:

Die Beratungsstelle BISS ist unter Telefon 04181 –219 79 21 zu erreichen, das Frauenhaus im Landkreis Harburg unter Telefon 04181 –217 151, das bundesweite Hilfetelefon bei Gewalt gegen Frauen unter Telefon 0800  – 116 016, die Beratungsstelle für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen unter Telefon 04171 – 600 88 50. Die ehrenamtlichen Opferhelferinnen und –helfer des Weißen Rings, die beispielsweise zu Behörden begleiten und als Lotsen im Hilfesystem fungieren, sind unter Telefon 0151 – 55164733 zu erreichen.

Die Krankenhäuer Buchholz und Winsen sind Netzwerkpartner im Projekt ProBeweis der Medizinischen Hochschule in Hannover. Das Hilfsangebot richtet sich an Opfer von häuslicher und/oder sexueller Gewalt, die noch keine Anzeige erstatten wollen. In den Krankenhäusern besteht die Möglichkeit, unmittelbar nach der Gewalterfahrung Verletzungen dokumentieren und Spuren professionell sichern zu lassen. Die Betroffenen können ohne Termin oder Anruf einfach in die Kliniken kommen.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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