Winsen

Vom Klavier bis zum Rittertisch in den Möbelscheunen

Winsen. Vielleicht war sie einst der besondere Blickfang im Wohnzimmer, vielleicht stand sie in einer großen Diele – sicher ist aber eins: Die Truhe mit den kunstvollen Schnitzereien ist ein Schmuckstück. Jetzt wartet sie in der Möbelscheune von Re-El in Winsen auf einen neuen Liebhaber, zusammen mit Sofagarnituren, Schränken und Kommoden. „Aber die Truhe ist schon etwas Besonderes“, sagt Re-El-Geschäftsführer Thorsten Hanke. Die Auswahl in den Möbelscheunen ist groß und das Aufkommen an wiederverwertbaren Möbeln vergrößert sich stetig. Mittlerweile hat das Unternehmen allein zur Abholung und Auslieferung von Möbelstücken mehrere Möbel-Lkw im Dauereinsatz. Um den veränderten Anforderungen gerecht zu werden, stellt sich der Sozialbetrieb des Landkreises Harburg neu auf. Die bisherige, kleine Möbelscheune in Salzhausen wurde nach neun Jahren geschlossen, dafür konzentriert sich Re-El GmbH mit den Möbelscheunen auf die beiden Standorte Buchholz und Winsen, die zudem sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.

„Es ist uns unendlich schwergefallen, das kleine Schmuckstück in Salzhausen aufzugeben“, sagt Thorsten Hanke. „Aber der kleine Laden hat einfach nicht genug Stellfläche, um mit einer ausreichenden Auswahl an preiswerten Möbelstücken auch Menschen mit einem kleineren Geldbeutel adäquat bedienen zu können. Unsere erfahrenen Mitarbeiterinnen aus Salzhausen werden uns in Buchholz und Winsen eine große Hilfe sein.“

In Salzhausen standen der Möbelscheune lediglich gut 170 Quadratmeter zur Verfügung – viel zu wenig Platz, um den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. In Buchholz finden sich nach einer Erweiterung Anfang des Jahres Möbel und Hausrat auf gut 1200 Quadratmeter, in Winsen stehen immerhin rund 450 Quadratmeter zur Verfügung – „und das würden wir gern noch erweitern“, sagt der stellvertretende Re-El-Geschäftsführer Michael Sagawe.

„Die Wiederverwendung von Möbelstücken und Hausrat ist aktueller als je zuvor und braucht viel Raum“, ergänzt Hanke: „Wir tun Gutes für unsere Umwelt und helfen gleichzeitig Menschen mit geringem Einkommen. Als sozialer Betrieb schaffen wir Arbeitsplätze für Menschen vom zweiten Arbeitsmarkt und geben ihnen neue Perspektiven. Getreu unserem Motto: ‚Für Mensch und Umwelt‘ investieren wir alles in die Schaffung dieses sozialen Gedankens in guter Symbiose mit dem Klimaschutz. Wer uns unterstützt, fördert Beschäftigung und Umwelt.“

In den Möbelscheunen finden sich „Schönes, Schräges, Schrilles und Kuriositäten“ und auch so manche Antiquität. „Wir versuchen, allen Stücken eine Chance auf ein zweites Leben zu geben“, fügt Michael Sagawe an. Second-Hand-Möbel vom Sofa bis zur antiken Kommode warten auf neue Besitzer. Schränke gehören dazu, Couchgarnituren, Betten, Stühle, Esstische. Daneben sind aber auch Bücher, Schallplatten, Geschirr und Hausrat im Angebot. „Sogar gut erhaltene Klaviere haben wir immer mal wieder abzugeben. Man findet hier so gut wie alles“, so Thorsten Hanke und betont: „Da ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.“

Das hat sich herumgesprochen. „Wir haben Kunden quer durch alle Gesellschaftsschichten“, stellt Hanke fest. Einige suchen einfach günstig die neue Einrichtung, andere sind gezielt auf Schnäppchen- und Kuriositätenjagd oder stöbern nach Antiquitäten. Immerhin mehr als 70.000 Stücke vom Teller bis zum Kleiderschrank setzt Re-El jährlich in den Möbelscheunen um. Das Stöbern lohnt sich: „Wir hatten unter anderem schon Antiquitäten aus dem 18. Jahrhundert, eine alte Eisenbahn-Karbidlampe und einen Silberpokal aus den 1930er-Jahren – und einmal sogar eine Art Rittertisch aus Eiche, gut 200 Jahre alt und ausgezogen bestimmt zwölf Meter lang“, erinnert sich Michael Sagawe.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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