Politik

Themenabend „Planungen zur Öffnung der Alten Süderelbe“

Harburg. Am 3. Dezember fand auf Initiative der GRÜNEN Fraktion Harburg ein Themenabend über die Planungen zur Öffnung der Alten Süderelbe statt. Eingeladen waren neben Vertreter*innen der GRÜNEN und der SPD vier Referent*innen, welche insbesondere die Naturschutzaspekte einer möglichen Anbindung des langgestreckten Sees an die Tideelbe beleuchten sollten. Ziel des Themenabends war, unter Einbeziehung aller Vor- und Nachteile eine differenzierte Meinungsbildung zu diesem Thema weiter zu entwickeln.

Manfred Meine, Leiter der Geschäftsstelle des Forum Tideelbe, erläuterte in seinem Beitrag die verschiedenen Maßnahmenvorschläge, welche in den vergangenen Jahren im Forum diskutiert und geprüft wurden. Seit 2016 hat sich das Forum mit Lösungsansätzen auseinandergesetzt, die die Tidedynamik dämpfen, das Sedimentmanagement verbessern und gleichzeitig wieder mehr hochwertige Tide-Lebensräume an der Unterelbe schaffen könnten. Nötig geworden war dies, da die Tideelbe durch vielfache und teilweise schwerwiegende Eingriffe wie z.B. die Elbvertiefungen aus dem Takt geraten war. So hat sich der mittlere Tidenhub in den vergangenen 150 Jahren beim Pegel St. Pauli von 1,80 auf 3,60 Meter verdoppelt und der Eintrag von Sedimenten in den Bereich des Hafens hat sich gravierend verstärkt. Für drei dieser ursprünglich 20 Ansätze wurden vertiefte Machbarkeitsstudien erstellt. Einer davon: Die mögliche Wiederanbindung der Alten Süderelbe an die Tideelbe und damit die Wiederherstellung eines Tidegeschehens in diesem Bereich. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zeige, so Meine, dass ein Tideanschluss der Alten Süderelbe technisch machbar wäre, dazu beitragen könnte, die Tidedynamik in der Stromelbe zu dämpfen sowie neue wertvolle Tide-Lebensräume schaffen könnte. Allerdings sei die Maßnahme mit mindestens 700 Millionen Euro auch sehr teuer und viele Auswirkungen zum Beispiel auf den Wasserhaushalt oder auf den Obstbau seien zu berücksichtigen.

Zweiter Referent des Abends war Dr. Bastian Schuchardt von der Gutachterfirma Bioconsult. Er berichtete über die ökologischen Aspekte in der Machbarkeitsstudie, welche seine Firma durchgeführt hat. Zwar kamen in der Studie Verschiebungen und Verluste im Artenspektrum und vor allem ein deutlicher Verlust des Lebensraums z.B. von Amphibien zur Sprache, trotzdem kam sie am Ende zu dem Ergebnis, dass die Vorteile der Maßnahme, auch aus ökologischer Sicht, die Nachteile überwiegen würden. Die Anbindung der Alten Süderelbe, so Schuchardt, hätte die Entstehung  großflächiger besonders geschützter Tide-Lebensräume zur Folge.

Die beiden folgenden Referent*innen des Abends waren da anderer Ansicht. Dr. Petra Denkinger von der Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald und Frederik Schawaller von der NABU Gruppe Süd rückten in ihren Vorträgen die Nachteile einer Anbindung in den Fokus.

Seit rund 60 Jahren ist die Alte Süderelbe ein Stillgewässer ohne Tidenhub. In dieser Zeit hat sich hier ein wertvolles Biotop entwickelt, in dem viele seltene Tier- und Pflanzenarten, unter anderem der Seeadler, der Zwergtaucher und der Eisvogel, sowie sehr viele Amphibien leben. Auch einige Tiere von der roten Liste, wie der Kiebitz würden durch einen Wiederanschluss an die Tideelbe verschwinden. Neben dem Verlust der Arten- und Biotopdiversität erinnerte Dr. Petra Denkinger auch an die Mobilisierung giftiger Sedimente und die Trübung der Gewässer durch ständige Baggerarbeiten. Die Öffnung der Alten Süderelbe sei ein „fast verzweifelt anmaßender Versuch, die Schäden durch die Elbvertiefung abzumildern“, so Denkinger. Dabei gelte es gerade im Hinblick auf den Klimawandel und das Artensterben noch intakte Ökosysteme zu bewahren.

Frederik Schawaller von der NABU Gruppe Süd stellte den Verlust des Lebensraums für viele Arten in den Mittelpunkt. Vor allem Bodenbrüter und Amphibien würden verdrängt, wenn die Flächen plötzlich zwei Mal täglich unter Wasser stehen würden. Ganz abgesehen davon, dass die Auswirkungen durch den künstlichen Eingriff in den Tidenverlauf, z.B. durch das Aussetzen der Tide für den Obstbau, nicht abzuschätzen seien. Die NABU Gruppe Süd hege Zweifel am ökologischen Potential entstehender Tide-Biotope, vor allem aufgrund der Notwendigkeit regelmäßiger Unterhaltungsbaggerungen, welche laut Studie alle sechs bis acht Jahre nötig wären.

Corine Veithen, Vorsitzende  im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Verbraucherschutz fasste den Abend so zusammen: „Wir haben heute Abend viel über ein Naturjuwel gelernt, das teilweise in unserem Bezirk liegt. Tatsächlich ist klar geworden, dass dieses zerstört werden würde – auch wenn sich theoretisch in vielen Jahren ein neues Biotop an dieser Stelle entwickeln würde. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch das Forum Tideelbe zu dem Schluss gekommen ist, dass die empfohlenen Maßnahmen die hydrologischen und ökologisch nachteiligen Entwicklungen in der Tideelbe nicht grundlegend werden ändern können, sind gerade auch bezüglich einer Öffnung der Süderelbe sehr viele Fragen offen“.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

Pressemitteilung

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