Kolumnen

Jahresrückblick von Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen

2020, was für ein Jahr! Es wird für immer in den Geschichtsbüchern mit der Corona-Pandemie verbunden sein. War das Virus zu Jahresbeginn physisch und gedanklich noch weit weg, so holte es uns doch im März mit voller Wucht ein. Innerhalb weniger Tage wurde das gesamte öffentliche Leben heruntergefahren. Wir schlossen unser Rathaus und die Außenstellen, die Burg, die Bücherei, die Jugendzentren, die Bäder und alle weiteren öffentlichen Gebäude. Buchstäblich von heute auf morgen gelang es, viele Arbeitsplätze in das Home-Office zu verlagern. Was bis dahin eher exotisch klang, wurde zur Selbstverständlichkeit. Fragte man anfangs noch am Telefon „bist Du zu Haus?“ ist es jetzt zur Selbstverständlichkeit geworden, sich per Videoschalte auszutauschen.

Im Sommer – sind wir ehrlich – hatten wir alle gedacht, dass wir das Schlimmste überstanden haben. Wir konnten – zumindest innerhalb Deutschlands – in Urlaub fahren, die Infiziertenzahlen gingen zurück, wohlwissend, dass eine zweite Welle immer vorhergesagt wurde. Im Herbst stiegen die Zahlen dann wieder dramatisch an. Der Teil-Lockdown im November hat nicht den erhofften Erfolg gehabt, sodass uns jetzt zum Jahresende weitere Einschnitte in das öffentliche und auch private Leben ereilt haben. Wir müssen jetzt alle sinnbildlich noch einmal zusammenrücken, damit wir uns irgendwann im Laufe des kommenden Jahres tatsächlich wieder ein Stück weit näher kommen dürfen.

Trotz der alles überschattenden Pandemiesituation ist es uns in Seevetal dennoch in vielen Bereichen gelungen, die Infrastruktur weiter auszubauen und damit die Lebensqualität in unserer schönen Gemeinde weiter zu steigern.

In Emmelndorf wurde die Erweiterung der Grundschule abgeschlossen, sodass die Kinder unmittelbar nach den Sommerferien die neuen Räumlichkeiten nutzen konnten. Unsere kleinste Schule – getreu dem Motto „kurze Beine – kurze Wege“ – ist damit vollständig zweizügig ausgebaut und bietet dem Lehrpersonal und den Schülerinnen und Schülern jetzt optimale Lernbedingungen.

Der Zufall wollte es hier so, dass die eigentlich als Übergangslösung angemieteten Pavillons nahezu nahtlos weitergenutzt werden. Im Frühjahr stellte sich heraus, dass die Räumlichkeiten der Emmelndorfer Kita aufgrund eines Wasserschadens und zusätzlich gefundener Asbestbestandteile wirtschaftlich nicht wieder aufgebaut werden können. Die betroffenen Kita-Kinder wurden übergangsweise in einer Kita in Hittfeld sowie im Fleester Hoff untergebracht. Hier bedanke ich mich ausdrücklich für die Geduld aller Beteiligten, die diese Zwischenlösung mitgetragen haben. Wichtig ist, dass die Kinder jetzt wieder im Dorf vor Ort betreut werden. Jetzt gilt es, eine zukunftsweisende Entscheidung zu treffen, an welchem Standort die Kita neu erbaut werden soll.

In Maschen ist die Kita Regenbogenkinderland umgezogen und hat sich am neuen Standort Moorweidendamm vergrößert. Das bestehende Gebäude in der Nähe der Grundschule dient nach kleineren Umbauten jetzt bereits der Jugendfreizeitstätte Village als neues Zuhause. Am bisherigen Standort des Village neben der Kirche in Maschen wiederum wird das Gebäude bald hergerichtet für eine viergruppige Kita, die von der Kirche betrieben werden soll.

Auch in Hittfeld und Meckelfeld stehen wir in den Startlöchern für den Bau neuer Kitas. In Meckelfeld entsteht in der Straße Große Wiesen ein Neubau einer Kita in unmittelbarer Nachbarschaft zu der dort schon bestehenden Einrichtung der AWO. In Hittfeld ist das alte Verwaltungsgebäude am Meyermannsweg abgerissen worden, um Platz zu schaffen für eine fünfgruppige Kita. Die dort bisher untergebrachten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten im Sommer die neuen Räumlichkeiten in der ehemaligen Hittfelder Bücherei in der Ortsmitte beziehen.

Die Grundschule Horst ist in diesem Sommer zur fünften offenen Ganztagsschule im Gemeindegebiet geworden. Die Mensa wurde pünktlich zum Schuljahreswechsel fertig. An der Grundschule Ramelsloh haben zudem nach den Sommerferien Umbau- und Erweiterungsarbeiten begonnen.

Auf unsere Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr konnten wir uns auch in diesem Jahr wieder verlassen. Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, unsere Infrastruktur für die Brandschützer weiter auszubauen. In Fleestedt konnten wir, noch kurz vor dem Ausbruch der Pandemie, den Anbau feierlich übergeben. Der Anbau an der FF Glüsingen ist dann im Sommer in Betrieb genommen worden. Hier holen wir die offizielle Eröffnung bestimmt noch nach. In Hittfeld wird bald der erste Spatenstich für den Neubau der dortigen Wehr erfolgen.

Auch das rollende – und schwimmende! – Material wurde weiter erneuert. Die FF Maschen hat im Herbst ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) und ein neues Rettungsboot erhalten. Ich danke allen Kameradinnen und Kameraden der Seevetaler Feuerwehr dafür, dass unsere Bevölkerung dank deren Engagement beruhigt und sicher hier leben kann.

Für unser „Sorgenkind“, die Decatur-Brücke, wird 2021 sicherlich ein spannendes Jahr. Die grundsätzliche Sanierungs- und Instandsetzungsmöglichkeit konnte bescheinigt werden. Erstmalig haben wir deshalb in einem Haushalt Gelder für die Sanierung der Brücke eingestellt. Das Land hat seine Zusage erneuert, sich an der Sanierung der Brücke zu beteiligen. Froh bin ich darüber, dass das Land in diesem Jahr bereits wie zugesichert begonnen hat, sich zudem auch fachlich und organisatorisch in das Verfahren mit einzubringen. 2021 sind wir gefordert, die Sanierungskosten zu ermitteln, sodass wir dann für den Folgehaushalt präzisere Kosten benennen können, damit vielleicht schon 2022 erste Aufträge für die Sanierung der Brücke erteilt werden können.

Auch in anderen Bereichen gibt es mit der Deutschen Bahn verschiedene Berührungspunkte. Anfang des Jahres überraschte uns die Bahn mit der grundsätzlich ja positiven Nachricht, dass die Planungen für den barrierefreien Umbau des Bahnhofes Meckelfeld abgeschlossen seien. Was uns dann präsentiert wurde verschlug uns aber die Sprache: Die Planung sah zwar eine formelle Barrierefreiheit vor, jedoch mit zwei Aufzügen von denen einer „irgendwo im nirgendwo“ platziert wurde. Diese weltfremde Planung konnte dank des Engagements auch vieler Ehrenamtlicher aus örtlicher Politik und vom Präventionsrat korrigiert werden. Die aktuelle Planung sieht nunmehr vor, dass – allerdings aufgeteilt in zwei Bauabschnitte – statt des zweiten Aufzuges eine feste Querung direkt zur Bushaltestelle erfolgen soll. Hier werden wir „dran bleiben“ und der Bahn genau auf die Finger sehen.

Für den Bau eines so genannten Überwerfungsbauwerkes der Bahn zwischen Meckelfeld und Rönneburg sind die Planungen bereits abgeschlossen. Hier will die Bahn in 2021 mit dem Bau beginnen. Vor dem Hintergrund zugesagten verbesserten Lärmschutzes sieht die Gemeinde hier die Möglichkeit, trotz Ausbaus der Bahninfrastruktur zu einem Vorteil für die angrenzende Bevölkerung zu kommen.

Am Bahnhof Hittfeld haben wir den neuen P+R-Platz in Betrieb genommen. Hier bin ich optimistisch, dass nach Ende der Pandemie auch wieder verstärkt der öffentliche Nahverkehr und damit auch die P+R-Plätze genutzt werden. Der Parkdruck im angrenzenden Wohngebiet ist damit deutlich zurückgegangen.

Gewerbeflächen bleiben ein rares Gut in der Gemeinde Seevetal. Im Gewerbepark Beckedorf sind die vorbereitenden Erdbewegungen für die Erweiterung des Gewerbegebietes abgeschlossen. Der Gewerbeimmobilienentwickler Goodman will die Fläche 2021 bebauen, sodass sich dort ab 2022 neue Betriebe zur Miete ansiedeln können. In Maschen hat der Bau eines ersten Betriebes in der kleinen Erweiterungsfläche an der Straße Unner de Bult begonnen. Die übrigen Flächen dort sind jedoch bereits schon längere Zeit vergeben. Weitere Flächen stehen im Gemeindegebiet derzeit leider nicht zur Verfügung. Dies wird eine der großen Aufgaben für die nächsten Jahre sein, unter Wahrung der Lebensqualität für unsere Einwohnerinnen und Einwohner, Gewerbeflächen auszuweisen. Klar ist für mich, dass die Vergabe dieser Flächen an Bedingungen zu knüpfen sind wie ökologische Standards und gute ÖPNV-Anschlussmöglichkeiten. Unsere Flächen sind für einen unbeeinflussten Verkauf einfach zu wertvoll.

Ich freue mich, dass die Familie Matthies mit ihrem Gartencenter ihren neuen Standort in Emmelndorf im Februar in Betrieb nehmen konnte. Ebenso freue ich mich darüber, dass im gleichen Zeitraum auch die Firma Kuhn und Witte in Fleestedt mit ihrem AUDI-Terminal an den Start gehen konnte. Der bald darauf folgende Ausbruch der Pandemie hat sicherlich auch diese Betriebe mächtig durchgeschüttelt. Ich drücke die Daumen, stellvertretend für alle Seevetaler Betriebe, dass die corona-bedingten Einschränkungen bald der Vergangenheit angehören und unsere Betriebe sich baldmöglichst wieder ihrem Kerngeschäft widmen können und sich nicht schwerpunktmäßig weiter mit Pandemie- und Hygiene-Fragen auseinandersetzen müssen.

Auch im Wohnbaubereich muss sich die Gemeinde Seevetal mit Augenmaß weiterentwickeln. Ich freue mich, dass in Fleestedt am Fleester Höpen auf dem ehemaligen Sportplatzgelände der Grundstein für einen zweiten Bauabschnitt gelegt werden konnte. Schade finde ich es, dass in Maschen entlang der Schulstraße noch nichts passiert ist, obwohl die Gemeinde hier schon vor über einem Jahr die Planungsgrundlagen geschaffen hat. Die Maschener Ortsmitte hätte hier eine positive Entwicklung verdient. In Hittfeld sind rege Bauaktivitäten rund um den Bereich der Harburger Straße zu beobachten. Mit dem Abriss des ehemaligen Spritzenhauses im Frühjahr dieses Jahres starteten die vorbereitenden Maßnahmen für die Erweiterung des EDEKA- und die Verlagerung des Aldi-Marktes. Zudem ist die politische und öffentliche Beratung für den Bebauungsplan auf der ehemaligen Polizeifläche eingeläutet worden. Für 2021 bin ich auch optimistisch, dass wir den Planungsprozess für die Entwicklung der Fläche „Nördlich Göhlenbach“ intensivieren können. Hier sprechen mich regelmäßig Menschen an, insbesondere Senioren, die hoffen, dass dort endlich etwas passiert.

Auch stehen wir mit der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (KWG) im engen Austausch, was die Nennung möglicher Standorte für bezahlbaren Wohnraum in Seevetal angeht. Hier erhoffe ich mir für 2021, dass aus Absichtserklärungen endlich konkrete Verträge werden.

Erfreut bin ich darüber, dass es uns gelungen ist, für unsere ältere Bevölkerung weitere Akzente zu setzen. In Meckelfeld ist im Bereich Am Felde / Kamp das Bauprojekt „Alter Zirkusplatz“ eingeweiht worden. Die planerischen Grundlagen für eine Erweiterung dieses Standortes sind in diesem Jahr bereits angeschoben worden. In Fleestedt schreitet zudem am westlichen Ortseingang der Bau einer Senioreneinrichtung der Lindhorst-Gruppe mit großen Schritten voran.

Das kulturelle Leben leidet natürlich massiv unter der Pandemie. Ich freue mich auf den Moment, wenn sich in unserer Burg wieder der Vorhang hebt und wir unbeschwert Konzerten und Theateraufführungen folgen können. So praktisch auch Streaming- und andere Online-Angebote sein können – nichts geht doch über die direkte Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern und dem Publikum. Unsere Burg machte aus der Not eine Tugend und wandelte sich vom Veranstaltungs- zum Tagungszentrum. Unzählige Sitzungen, nicht nur von Seevetaler Gremien und des Landkreises, sowie Firmen- und Vereinsveranstaltungen konnten in den letzten Monaten sicher und pandemiegerecht durchgeführt werden.

Auch die Karoxbosteler Mühle konnte sich leider nicht wie gewohnt präsentieren. Verlass ist aber auf regelmäßige Ehrungen für den Wassermühlenverein. Stellvertretend möchte ich hier die Auszeichnung mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2020 nennen. Die Mühlenretter erhielten hier einen Sonderpreis mit dem die hervorragende Kooperation von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, Laien und Fachleuten sowie von Jung und Alt gewürdigt wurde.

Große Sorge bereitet mir natürlich unser Haushalt. Ein geplantes Minus von 7,5 Mio. € steht für 2021 in unserer Planung. Sowohl die Gewerbesteuern als auch unsere Anteile an der Einkommenssteuer brechen signifikant weg. Wir mussten unsere geplanten Steuereinnahmen um gut 15 % reduzieren. Dies lässt sich bei auch in den Vorjahren schon knappen Haushalten nicht ausgleichen. Hier hoffe ich auf das Wort unserer Vertreterinnen und Vertreter in Berlin und Hannover, die Kommunen nicht im Regen stehen zu lassen. Auch die Kreispolitik sehe ich hier in der Verpflichtung, die Gemeinden zu unterstützen.

Für mich bedeutet das Jahr 2021 auch eine Zäsur. Vor gut einem Jahr habe ich mich aus persönlichen Gründen dafür entschieden, bei den Bürgermeisterwahlen im September 2021 nicht wieder anzutreten. Ich durfte dann acht Jahre lang als Bürgermeisterin die Geschicke unserer schönen Gemeinde leiten. Ich freue mich auf einen fairen Wahlkampf, sowohl was das Bürgermeisteramt angeht als auch für die Wahl der Ortsräte, des Gemeinderates und des Kreistages sowie der sich anschließenden Bundestagswahl.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen Menschen, die sich ehrenamtlich in unserer großen Gemeinde engagieren. Ob im Bereich der Rettungsdienste, im Sport, in der Kommunalpolitik und in vielen anderen Bereichen: Ohne ehrenamtliches Engagement wäre unsere Gemeinde kälter und ärmer. Herzlichen Dank dafür!

Die nahenden Festtage werden für uns anders verlaufen als wir es über Jahrzehnte gewohnt waren. Nutzen Sie dennoch die Zeit für etwas Einkehr, Ruhe und Besinnlichkeit.

Ich wünsche allen Seevetalerinnen und Seevetalern ein besinnliches, frohes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch in das neue Jahr und für 2021 alles Gute – und mehr denn je:

Bitte bleiben Sie gesund!

Ihre
Martina Oertzen

Bürgermeisterin der Gemeinde Seevetal

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Pressemitteilung

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