Seevetal

Waldarbeiter finden offenbar Erdbunker der RAF-Fraktion

Seevetal. Die Polizei hat am Wochenende in Seevetal-Helmstorf einen Erdbunker, dessen Inhalt Bezüge zu der Roten Armee Fraktion (RAF) aufweist, untersucht und sichergestellt. Nach ersten Angaben des Landeskriminalamts Niedersachsen fanden Waldarbeiter am Freitagnachmittag einen Erdbunker in einem Waldstück an der Straße „Vor den Hockenkuhlen“. Nachdem am Freitagabend Ermittler des LKA in Schutzanzügen erste Spuren in dem Waldstück gesichert hatten, sperrten Bereitschaftspolizisten den Bereich ab. Über die Nacht sicherten und bewachten gut zwei Dutzend Polizisten in mehreren Mannschaftswagen den Fundort. Am Samstagvormittag rückten dann eine Einheit der Bereitschaftspolizei und der Gefahrgutzug der Feuerwehr an. Außerdem waren Ermittler und Spezialkräfte für sogenannte CBRN-Stoffe (chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear) sowie der Kampfmittelräumdienst vor Ort. Sie begutachteten ein im Waldboden vergrabenes Kunststofffass, neben dem ein Haufen in Klarsichtfolien verpackte Schriftstücke lag.

Zeitgleich suchten Bereitschaftspolizisten den Waldboden rund um den Fundort akribisch ab und stocherten nach weiteren Fundstücken. Delaborierer in Schutzanzügen überprüften dann am Samstagnachmittag den Inhalt des Fasses auf gefährliche Stoffe, während der Gefahrstoffzug des Landkreis Harburg zur Absicherung bereit stand. Reporter vor Ort beobachteten, wie die Ermittler neben den Schriftstücken auch in Plastik verpackte Utensilien und mehrere Behälter mit Flüssigkeiten aus dem Fass holten. Schilder auf den Flaschen wiesen unter anderem auf Salzsäure und Schwefelsäure hin. Nachdem die gefahrenfreie Bergung der Fundstücke sichergestellt war, wurde das Fass ausgehoben und anschließend Teile daraus für weitere Untersuchungen in das Kriminaltechnische Institut des LKA Niedersachsen und in die Polizeiinspektion Harburg gebracht. Nach erster Bewertung des aufgefundenen Schriftmaterials ist ein Bezug zu der bundesweit agierenden terroristischen Gruppierung RAF nicht auszuschließen. Die RAF löste sich mit Schreiben vom 20.04.1998 nach 28 Jahren auf. Die Inhalte lassen aber darauf schließen, dass das Erddepot bereits vor Jahrzehnten angelegt worden sein muss.

Foto: Polizei
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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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