Neu Wulmstorf

Imagepolitur oder echter Kurswechsel? LPT-Labor weiter in der Kritik

Neu Wulmstorf. Es ist die Geschichte eines Kampfes für den Tierschutz, die jetzt am ehemaligen Standort des LPT-Tierversuchslabors in Mienenbüttel ein Ende finden soll. Die Weichen sind gestellt: „Wir wollen ein Tierzentrum entstehen lassen, das einmalig in Deutschland sein soll“, freut sich Tierheilpraktikerin Doris Firlus. Träger des Resozialisierungsprogramms ist das gemeinnützige Reso Zentrum für benachteiligte Tiere gGmbH. 

Zuvor war der jahrelange und unermüdliche Einsatz von Tierschützern mit Erfolg gekrönt worden. Mit Mahnwachen, Presseveröffentlichungen und Beiträgen in den sozialen Medien hatten die lokalen Akteure das Thema wach gehalten. Eine Reportage der ARD hatte 2019 den Stein ins Rollen gebracht. Der „Soko Tierschutz“ war es gelungen, einen Undercover-Mitarbeiter in das Labor einzuschleusen und dieser dokumentierte neben gravierenden Tierrechtsverstössen auch einen Betrugsversuch des Labors. Die entsprechenden Mitarbeiter wurden gekündigt.

„Das ist jetzt Geschichte“

LPT-Geschäftsführer Thomas Wiedermann schließt mit der bevorstehenden Übergabe des Geländes das Kapitel „Mienenbüttel“ ab. „Das ist jetzt Geschichte. Wir haben aus den Fehlern gelernt, wir haben einen Wechsel des Managements vollzogen und in enger Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde eine Veränderung vieler interner Strukturen und Prozesse herbeigeführt.“ Vorwürfe wegen angeblicher Tierquälerei und der Tötung von Labortieren weist er zurück: „Alle Vorgänge, die Tiere betreffen, sind gesetzlich geregelt und werden intern und extern mehrfach überwacht.“ Auch die von lokalen Tierrechtsaktivisten erhobenen Vorwürfe, die Versuchsergebnisse seien unzuverlässig, haben in seinen Augen keinen Bestand: „LPT wurde im Rahmen der Zulassung eines Impfstoffes im November gezielt von der Behörde geprüft die über die „Gute Labor Praxis“ (GLP) wacht. Diese hatte keinerlei Beanstandungen, das steht sogar in dem öffentlichen Bericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).“

„PR für das Image“ – Die Kritik der Tierschützer bleibt laut

In einer Pressemitteilung der „Lobby pro Tier Mienenbüttel“ heißt es: „Tierschutz“ und „Transparenz“ sind nicht die Worte, die einem in den Sinn kommen, wenn man es  mit dem LPT und seinen Tierversuchslaboren zu tun hat. Aber gerade das sind die Werte, die die neue Geschäftsleitung gerade versucht für sich zu etablieren. Seit Jahrzehnten generiert das LPT  Familienunternehmen satte Profite mit Tierversuchen. Zu keinem Zeitpunkt haben die Inhaber auch  nur ansatzweise Zweifel daran gelassen, dass sie ein in ihren Augen seriöses Geschäft betreiben. Stets schottete das Unternehmen sich und seine Labore hermetisch ab.“

Die „Lobby pro Tier Mienenbüttel“ stellt Fragen:

1. Das Gelände gehört dem LPT und soll anscheinend nicht verkauft werden. Das LPT hat sich ihm  genehme Partner ausgesucht. Es versucht mit diesem Projekt das angeschlagene Image  aufzupolieren, indem es sich vermeintlich für Tierschutz einsetzt. Sobald der Ruf wieder hergestellt sein wird, wird es wahrscheinlich erneut personelle Veränderungen  geben. Wer garantiert dauerhaften Tierschutz und Transparenz? 

2. Eine Anlage mit schwer vermittelbaren Tieren in der beschriebenen Größenordnung verursacht  sehr hohe Kosten, die auf dem Vermittlungswege in keinem Fall wieder hereinzuholen sind. Wer also finanziert und kontrolliert ein solches Objekt?  Wer steckt hinter der GmbH?  Welche Einflussmöglichkeiten sichert sich das LPT? 

3. Gibt es für eine Anlage wie diese mit schwierigen Hunden ein Sicherheitskonzept, das auch die  Qualifikationen z. B. von Gassigehern beschreibt und garantiert?  In den Dörfern leben viele Hundebesitzer, die sich ganz sicher nicht über Begegnungen mit  aggressiven Hunden und überforderten Gassigängern freuen. Es gibt wenig Möglichkeiten, sich aus  dem Weg zu gehen.

4. Warum bringt man Tiere aus einem anderen Bundesland, in dem man sie anscheinend nicht mehr  haben möchte, nach Mienenbüttel? Auch Hamburg wird sicher Gelände haben, das dafür zur  Verfügung gestellt werden kann. 

5. Wie stellt man sich die Unterbringung so vieler eher großer schwieriger Hunde vor, für deren  Haltung ganz sicher die engen Zwinger nicht geeignet sind für eine Gruppenhaltung oder die  Resozialisierung der Tiere. 

6. Die südlichen Dörfer von Neu Wulmstorf müssen bereits viele Belastungen ertragen, maximale  Verkehrsbelastungen durch die Autobahn A1 und die vielbefahrene B3, 120 Hektar Gewerbegebiet  mit großen Logistikhallen und Autohof. Hinzukommen ein neues Distributionszentrum von  McDonalds auf dem Gelände gegenüber dem LPT, für das eine Obstplantage weichen muss und ein  Logistikzentrum des Geflügelhofes Schönecke an der B3.  Der ehemalige Betrieb des Tierversuchslabors rechtfertigt nicht auch noch eine ebenso wenig  willkommene Massenhaltung von schwierigen Hunden, weil sich an anderer Stelle zu viele Proteste  erheben würden. 

7. Die Tierzentrum Neu Wulmstorf GmbH und das LPT verbreiten, dass der Betrieb in Mienenbüttel  bereits im I. Quartal 2021 aufgenommen werden soll. Dabei sind derzeit weder eine Genehmigung  für den Betrieb durch den Landkreis, noch eine Flächennutzungsplanänderung bekannt. Da scheinen  also Imagewerbung und Realität noch weit auseinanderzuklaffen.  Hinzu kommt in diesem Zusammenhang, dass die Untersuchungs- und möglicherweise erforderlichen  Dekontaminationsarbeiten des Geländes erst für das II. Quartal angekündigt wurden. 

„Wo LPT draufsteht, ist auch LPT drin“

Die Tierschützer sind sich sicher: „Lobby pro Tier hat nicht 12 Jahre lang die Tierversuche beim LPT angeprangert, um sich jetzt ein X für  ein U vormachen zu lassen. Wo LPT draufsteht, ist auch LPT drin. Solange beim LPT, egal an welchen Standorten, Tierversuche stattfinden, wird es dort weder echten  Tierschutz, noch Transparenz geben, egal was die Imagekampagne uns weismachen will.“

In die selbe Kerbe schlägt auch die Gruppe „The Animal Free Fighters TAFF“, die einen anderen Aspekt aufgreift: “ Im Dezember atmete die Welt auf, als BioNTech die Zulassung für einen Impfstoff gegen Corona bekam, verbunden mit der Hoffnung die Pandemie wirksam bekämpfen zu können. Seit dem dann allerdings das LPT am 5.1.2021 mit einer Pressemitteilung bekannt gab, dass es an der Entwicklung des Impfstoffes von BioNTech mitgearbeitet hat, haben viele Menschen Zweifel an der Sicherheit des Impfstoffes bekommen, viele von ihnen sind entschlossen, sich allein aus dieser Tatsache heraus nicht mehr impfen zu lassen, da sie den Impfstoff ablehnen.“

Unzuverlässigkeit leistet Impfgegnern Vorschub

„Dass der Ruf des Impfstoffes jetzt durch das LPT belastet wird und dass das nicht im Sinne von BioNTech ist, glauben wir dadurch ableiten zu können, dass BioNTech das LPT aus seiner Liste der beteiligten 134 Unternehmen auf seiner Web-Seite entfernt hat. Es wird in absehbarer Zeit weder einen Impfstoff noch ein Medikament gegen Corona ohne Tierversuche geben, weil der Gesetzgeber das so verlangt. Wir sind überzeugt, dass Tierversuche überholt sind, weil es bereits sicherere Methoden gibt. Auch im Sinne des Gesundheitsministeriums sollte es in Zukunft Impfstoffe und Medikamente zur Verfügung haben, die frei von solchen belastenden Kriterien sind. Wiedermann hat uns mit diesem schädigenden Verhalten nur noch weiter motiviert gegen das LPT zu protestieren, der Protest geht weiter!“, so Uwe Gast von The Animal Free Fighters.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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