Kolumnen

Mief in der Schulbehörde: Hamburgs Digitalunterricht gab es schon 1971

Keine Frage, das Covid-19 Virus und die neuen Mutationen sind eine Gefahr für unser aller Gesundheit. Verharmlosen ist absolut nicht angebracht! Doch Fragen muss sich beispielsweise die Hamburger Schulbehörde gefallen lassen, ja eigentlich mehr als das, sie gehören endlich mal mit einem Konzept beantwortet.

Allein aus eigener Erfahrung des Autors dieser Kolumne, gestützt von zahlreichen Zuschriften und Kommentaren in den sozialen Netzwerken, muss man doch feststellen, dass der Schulbetrieb oder wie es in Hamburg genannt wird, die Aussetzung des Präsenzunterrichts, vielerorten chaotisch und unkoordiniert vonstatten geht. Bezeichnenderweise zeigt die gewählte Begrifflichkeit auch gleich das Problem auf: Es gibt kein vernünftiges, allgemeingültiges Konzept für Hamburg.

Schlimmer noch: Je nach Schule gelten andere Regeln, sogar innerhalb einer Schule werden gelegentlich unterschiedliche Plattformen genutzt. So auch bei meiner Tochter, die eine Stadtteilschule in Neugraben-Fischbek besucht. Mathematik und Englisch über eduPort und Deutsch über moodle, der eine Lehrer macht diese Regeln und die andere Lehrerin wieder eine andere Regel. In der Mehrzahl werden PDF-Dateien verschickt, oft gleich zahlreiche in einer E-Mail. Dann ausdrucken, ausfüllen, einscannen und zurück senden. Zum Lesen der E-Mails muss man sich in das jeweilige Programm einloggen.

Entschuldigung!!! Das ist kein moderner Digitalunterricht, das ist eine Sache, die schon 1971 funktioniert hat. Und noch heute besser funktionieren würde, wenn man gleich die E-Mail an vorhandene E-Mail Postfächer der Kinder senden würde. Ist das der Anspruch, den Sie haben, Herr Rabe? Fuxx! (Entschuldigung, das ist die Verärgerung!).

Was zum Teufel hindert die Stadt daran, etwa auf fertige Lösungen wie schlaukopf.de zurückzugreifen? Ein Portal, wo die Aufgaben fertig in einer Oberfläche vorhanden sind, für alle Jahrgänge und Schulformen mit sofortigen Lernkontrollen! Und Scheixxe nochmal, auch viel günstiger als diese Lösungen von 1971.

Sie muten uns Eltern, zumal auch mit mehreren Schulpflichtigen Kindern Dinge zu, die absolut vermeidbar wären. Und das ist einfach nicht nur nicht okay, das ist Mist! Die Kinder können mehr. Hier versagt die Behörde auf ganzer Linie. Ein vernünftiges digitales Konzept kann nämlich auch in der Zukunft die knappen Ressourcen – bedingt durch den Zuzug nach Hamburg – deutlich entlasten. Präsenzunterricht an nur 3 oder 4 Tagen der Woche ist auch außerhalb einer Pandemie erstrebenswert. Und fördert ganz nebenbei das selbstständige Arbeiten der Teenager. Mal ganz abgesehen von den weiteren Entlastungen, wie etwa Betriebskosten der Schulen, weniger Verkehre und Co2 Einsparungen.

Die Polizei würde sagen, jetzt ist es Zeit VOR die Lage zu kommen. Ja, verdammt, höchste Zeit!

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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