Wirtschaft

Unternehmen zwischen Hoffnung und Resignation

Harburg/Neugraben-Fischbek. Die Welt wird eine andere sein, wenn die Pandemie irgendwann wieder in den Hintergrund rückt. Leere Innenstädte, geschlossene Geschäfte und vielerorts Resignation. Die lange befürchtete Welle an Insolvenzen kommt so langsam in Fahrt. Die liquiden Mittel vieler mittelständischer Unternehmen sind aufgebraucht, die der Künstler und Solo-Selbstständigen ohnehin. Selbst große Ketten, etwa in der Bekleidungsindustrie oder im spezialisierten Einzelhandel geben auf.

Und das hat seine Gründe: An wichtigen Schnittstellen hat der Gesetzgeber versagt. Nicht nur bei der Bekämpfung der Pandemie selbst, sondern auch bei den versprochenen Hilfen für die Betroffenen. Mehr als 60% haben nach Angaben von Branchenkennern bisher keine Entschädigungen erhalten. Dabei brennt längst die sprichwörtliche Hütte. 

Trotzdem, es gibt auch Lichtblicke: Sarah Heidtmann (30) und Andre Fabrizius (38) betreiben seit März 2019 eine Tanzschule in Neugraben. Die beiden Jungunternehmer hat es gleich zu Beginn ihrer Selbstständigkeit hart erwischt. Durch die Corona-Maßnahmen bedingt konnten seit Anfang 2020 kaum Veranstaltungen stattfinden. Auch die angegliederte Bar darf keine Gäste bewirten. Für jeden verständlich, wenn man unter diesen Bedingungen irgendwann das Handtuch wirft.

Für die beiden Tanzbegeisterten ist das keine Option: “Wir erfahren durch die rund 600 Mitglieder der Tanzschule eine unglaubliche Unterstützung. Viele sind flexibel und nutzen jetzt die Online-Kurse, so bleibt uns der Mitgliedsbeitrag und wir können die laufenden Verträge für Miete und Nebenkosten bedienen”. Das ist auch nötig, denn weder gab es Unterstützung des dänischen Eigentümers der genutzten Immobilie im Süderelbe Einkaufszentrum, noch erreichte die Jungunternehmer staatliche Hilfen.

Fast unter Tränen der Blick zurück: Volle Kurse mit Tanzbegeisterten aus der ganzen Region, Hochzeitspaare, die nochmal den Walzer üben wollen. Eine beschwingte und schöne Zeit. Wer hätte daran gedacht, dass die ganze Welt durch einen Virus stillgelegt wird? 

Sicher kaum jemand. Betroffen sind aber auch Restaurants, vielen geht inzwischen die Luft aus. Mitarbeiter wurden schon lange in die Kurzarbeit geschickt, wo es ging hat man den Vermieter mit ins Boot geholt. “Wenn es nicht bald weitergeht, schaffen wir den Neustart nicht mehr”, verrät ein Gastronom aus dem Bezirk Harburg besorgt. Die Rücklagen sind aufgebraucht, die Insolvenz steht vor der Tür. Während die Einen noch hoffen, haben die Anderen schon aufgegeben. “Ob du Künstler, Kleinselbstständiger, Freiberufler oder Industrie bist, in Deutschland stehen Milliarden dazwischen”. 

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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