Kolumnen

KVG – der Bus kommt (oder auch nicht).

🚐 Mein Fahrrad zur Mitbenutzung war diese Woche etwas „unpässlich“, so dass ich auf den Bus ausweichen musste, um meinen obligatorischen Wochenend-Einkauf zu erledigen, was leider keine gute Idee war, denn gestern war Streik und der Bus kam nicht (Samstag, 13.3. – 15:09 Uhr – Bus Richtung Neu Wulmstorf). Was tun, wenn man in so ländlichen Gegenden nicht weg kommt? Per Anhalter hatte ich es früher schon mal probiert aber Daumen raushalten – hier auf dem Land – das kann dauern und der Rufbus muss 30 Minuten vorher bestellt werden – zu spät für den Nächsten.

Um die Ecke hinter dem Bus-Häuschen befindet sich ein Altglas-Container, dort bringen Autofahrer regelmäßig ihre Flaschen hin und so sprach ich den einen Herrn dort an, der machte zunächst eine nette Geste, als ich ihn höflich fragte, ob er mich denn mitnehmen könne, die paar Kilometer bis zu Edeka, ich würde auch zahlen für die Fahrt (muss ich im Bus ja auch), doch er winkte ab: „In der heutigen Zeit und wegen Corona lieber nicht“. Die Angst ist legitim (und verständlich).

Ein weiteres Auto hält und macht Pause neben der Bushaltestelle und Zigarettenrauch qualmt aus halb offener Scheibe. Ans Auto herangetreten und bevor ich was sagen konnte meinte er gleich „ich gebe kein Geld“! Sehe ich aus wie ein Bettler? Okay, ich hatte eine Jogging-Hose an – Samstags-Modus eben – zum Einkaufen trage ich die hin und wieder, ist aber eine Gute und mein Bart, na klar, die Vorurteile gibt es überall. Vertrauen ist rar – das muss man sich verdienen. Als Fremder schwierig.

Wenig später ein 3. Versuch – eine Dame mit Reiterhosen steigt aus dem Wagen und bringt Altglas weg. Es gibt hier viele Reiterhöfe in der Umgebung und wer gut zu Tieren ist, ist meist auch gut zu Menschen und sie sagte zu: „Klar, kann ich machen“ – antwortete sie. Im Auto erzählt sie mir dann, dass sie Krankenschwester ist – vom Fach also und die Berührungsängste sind verständlich. Ich habe ihr sehr gedankt für ihre nette Geste und auch der Rückweg lief per Anhalter, diesmal war es einfacher, weil ich an der Hähnchenbude von Inan stand und dort fragte, wer denn in meine Richtung fährt – auch diese Dame war nett und lud mich ein zu einer Fahrt im Mini-Cooper in Richtung nach Hause und ich war heilfroh, zwei solche Herzensmenschen getroffen zu haben, in dieser schwierigen Zeit sicher nicht selbstverständlich. Viele sind verunsichert und haben Angst und das nicht nur wegen Corona. Anhalter mitzunehmen ist immer auch ein Vertrauensvorschuss dem Bittsteller gegenüber und als wir uns verabschiedeten, spürte ich diesen Moment der Dankbarkeit auch bei ihr, dass ich eben keiner von den Bösen war.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Zu gewinnen gab es (in dem Fall) das gute Gefühl etwas Gutes getan zu haben und alles Gute kommt zu Dir zurück. Jeder weiß das. ❤

Max Bryan
www.hamburger-obdachlose.de

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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