GesundheitPolitik

Impfstrategie anpassen: Linksfraktion fordert Überholspur für die am stärksten betroffenen Stadtteile

Deniz Celik, Fraktion DIE LINKE

Hamburg. In einem Antrag zur Eindämmungsverordnung fordert die Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft eine Impfoffensive für die in Hamburg besonders von Corona betroffenen Stadtteile Wilhelmsburg/Veddel, Billstedt und Harburg: Deniz Celik, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion erläutert: „Wer arm ist, lebt in viel größerer Gefahr, an Corona zu erkranken und zu sterben – das haben mehrere Studien ergeben. Laut dem RKI ist das Sterberisiko in ärmeren Regionen um bis zu 70 Prozent höher als in wohlhabenden Regionen. Und das gilt natürlich auch in Hamburg: Strukturell benachteiligte Stadtteile sind besonders von Corona betroffen – dort gibt es weitaus höhere Inzidenzzahlen als im Hamburger Durchschnitt und es herrscht ein höheres Risiko für einen besonders schweren Krankheitsverlauf. Doch die Corona-Impfverordnung berücksichtigt Armut nicht als Infektionsrisiko. Hinzukommt, dass eine ungleiche Verteilung der hausärztlichen Versorgung die Benachteiligung dieser Stadtteile – auch bei der Verteilung der Impfdosen – zusätzlich verschärft. Auf der Veddel gibt es für 4700 Menschen nur zwei allgemeinmedizinische Kassenarzt-Sitze. Wir brauchen einen besonderen Schutz für Menschen, die sich aufgrund von prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen weniger gut gegen eine Corona-Infektion schützen können. Daher verlangen wir vom Hamburger Senat die Einrichtung von dezentralen Impfzentren und die Aufhebung der Priorisierung in diesen besonders benachteiligten Stadtteilen. Mit so einer Überholspur für Hamburgs am stärksten betroffene Gebiete ließe sich der Anteil der Geimpften dort in kurzer Zeit steigern und das gefährliche Infektionsgeschehen in den Hotspots effektiv eindämmen. Und davon profitieren dann nicht nur die besonders gefährdeten Menschen, sondern wir brechen damit auch die Infektionsdynamik in der ganzen Stadt.“

Senatssprecher Marcel Schweitzer erklärt auf Nachfrage im Rahmen einer Pressekonferenz dazu die Sichtweise des Senats, der sich nicht das erste Mal mit derlei Forderungen konfrontiert sieht. Demnach ist eine solche Priorisierung nicht geplant. Anders als dargestellt seien aber Aspekte der Armut berücksichtigt worden. Man bezahle bedürftigen Personen etwa die Anreise zum Impfzentrum und sorgt mit dezentralen Strukturen auch für Alternativen zur Fahrt in die Innenstadt. Es sei aber auch wichtig, nicht nur die Inzidenzen im Blick zu haben, sondern auch andere Aspekte einzubeziehen. Für keinen der Hamburger Bezirke drohe eine Überforderung. Gleichwohl habe man aber auch fremdsprachige Multiplikatoren aus allen gesellschaftlichen Kreisen einbezogen und gebeten, dass Thema der Schutzes der Gesundheit im Alltag anzusprechen und hier zu sensibilisieren.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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