Politik

Neu Wulmstorferinnen und Neu Wulmstorfer erleben Schausteller vor Ort

Janet Marx zeigt Courage und ist Unternehmerin im wahrsten Sinne des Wortes.

Neu Wulmstorf. Zu einem Informationsaustausch über die Erfahrungen des Neu Wulmstorfer Schausteller-Gewerbes kam SPD-Bürgermeisterkandidat Tobias Handtke am 21. Mai 2021 mit Janet Marx zusammen. Marx ist Inhaberin der im Ort ansässigen Firma Feuer und Flamme KG, die ihr Geschäft normalerweise mit Grillständen auf Jahrmärkten betreibt. Als die Jahrmärkte wegen Corona geschlossen wurden und auch für die Neu Wulmstorfer Schausteller-Betriebe das Geschäft wegbrach, hat Janet Marx schnell Möglichkeiten vor Ort gesucht, um Ihr Geschäft weiter zu betreiben. Zunächst auf ihrem Hof in der Fritz-Reuter-Straße. Quasi über Nacht wurde aus dem Grillstand eine Schmalzbäckerei. „Freunde aus der Branche haben mitgeholfen, so habe ich erstmalig Schmalzgebäck gebacken und die Neu Wulmstorfer haben es mit Freude angenommen. Dafür bin ich sehr dankbar“, freut sich Marx. Später war sie im Einkaufspark Vosshusen mit einem Stand präsent, und zum Jahreswechsel ermöglichte die Kommune, dass Marx und weitere Schaustellerbetriebe mobile Verkaufsstände um das Einkaufszentrum an der Bahnhofstraße aufstellen konnten. Marx sucht immer nach einer Lösung und installierte so ihre „Dom-Bäckerei“ auf dem Rathaus-Vorplatz.  

Mit dem Verkauf von Schmalzgebäck konnte sie die schwierige Zeit überbrücken. Zum Pfingstwochenende hat nun diese Verkaufsperiode geendet. 

Handtke hatte Marx zu dem Gespräch eingeladen, weil das Gewerbe im Ort zu fördern, für die Kommunalpolitik nur mit einer guten Kommunikation funktioniert. „Dazu gehört, dass man in schwierigen Zeiten Lösungen sucht, anstatt Probleme zu beklagen“, sagt Handtke dazu. Marx stimmt ihm zu: „Das ist hier vor Ort gut gelungen. Wir und zwei weitere Stände konnten sehr bald nach dem Jahrmarkt-Verbot hier öffnen.“ Die Resonanz auf ihr Schmalzkuchenangebot sei aus der Bevölkerung durchweg positiv gewesen. Die mobilen Stände waren für die Anwohner eine willkommene Abwechslung im Corona-Alltag und eine Möglichkeit, mal wieder ein Wort mit anderen zu wechseln, während man in der Schlange anstand. Marx beschreibt, dass sie sehr viel Zuspruch von Anwohnern und auch von anderen Gewerbetreibenden erhalten habe. „Man rückt eben zusammen, wenn es eng wird“, kommentiert sie. Es müssen und wollen ja alle ehrlich ihr Geld verdienen. 

Auf Handtkes Frage nach dem Zusammenwirken der staatlichen Corona-Hilfen und der hiesigen Arbeitsmöglichkeit erklärt Marx, dass die Hilfen verspätet gekommen seien und geringer waren als erwartet, so dass das lokale Geschäft eine notwendige Überbrückung für die Familie darstellte. Marx lebt alleinerziehend mit drei ihrer Kinder zusammen, der Älteste ist schon aus dem Haus. Die Feuer und Flamme KG ist ein traditionsreicher Familienbetrieb. Schon die Großeltern von Janet Marx betrieben Jahrmarkt-Buden. Die Eltern gaben das Geschäft beim Erreichen ihres Rentenalters ganz selbstverständlich an ihre älteste Tochter weiter, die jetzt mit viel Findigkeit auch die schwierige zweite und dritte Corona-Welle überbrückt. 

Tobias Handtke lobte seine ehemalige Mitschülerin als Vorbild für andere, wie man in schwierigen Zeiten das Leben meistern könne. 1982 wurden Janet Marx und er in der Grundschule am Moor in derselben Klasse eingeschult. Bei einem kleinen Rundgang schauten die beiden jetzt dort vorbei und tauschten Erinnerung aus: Welche Lehrer und Lehrerinnen hatten sie? War es der linke Klassenraum gewesen? Auch jetzt als Eltern hat diese Grundschule für beide noch immer eine große Bedeutung. Es schaffe, meinen Handtke und Marx, ein besonderes Gefühl von Heimat und Zuhause, wenn die eigenen Kinder in dieselbe Schule gehen und vielleicht sogar noch die gleichen Lehrkräfte an der Schule sind. Aus einer solchen Tradition werde Heimatgefühl, findet Marx, und zwar gerade deshalb, weil sie selbst mit ihrem Schaustellergewerbe sehr viel unterwegs gewesen ist.  

„Wenn man das eigene Einkommen überall in Deutschland erarbeiten muss, hat der Ort, an den man immer zurückkehren kann und wo mir auch noch unkompliziert geholfen wird, eine ganz besondere Bedeutung“, kommentiert sie. – Ein schönes Schlusswort! 

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

Pressemitteilung

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