Kultur

Orte jüdischen Lebens in Harburg – Die neue Ausstellung des Stadtmuseums Harburg

Harburg. Das Stadtmuseum Harburg zeigt ab dem 22. Juli die neue Sonderausstellung „Orte jüdischen Lebens in Harburg“. Die Ausstellung macht sich auf die Suche nach Orten, Personen und Ereignissen aus der langen jüdischen Geschichte Harburgs und spürt der jüdischen Kultur nach, die in Harburg 1610 mit einem Schutzbrief für Juden begann. Sie ist Teil des bundesweiten Themenjahres „2021 – Jüdisches Leben in Deutschland (# 2 0 2 1 J L I D)“.

Seit 1700 Jahren leben Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland. Für Deutschland und die jüdische Gemeinschaft ist 2021 daher ein Festjahr, an dem Vertreter aus vielen Institutionen mitwirken und das Jubiläum ein Jahr lang bundesweit mit zahlreichen Veranstaltungen würdigen. Auf diese Weise wird zudem ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt. Das Stadtmuseum Harburg trägt mit seiner neuen Sonderausstellung „Orte jüdischen Lebens in Harburg“ dazu bei, die lange und reichhaltige Tradition jüdischer Kultur in Harburg zu vergegenwärtigen. In dieser Schau sollen die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit haben, jüdischer Geschichte zu begegnen und das Leben jüdischer Menschen in Harburg näher kennenzulernen.

Jüdische Vielfalt in Harburg – eine Geschichte mit langer Tradition

Der römische Kaiser Konstantin erließ vor 1700 Jahren ein Edikt, wonach Juden in Köln in Ämter der Kurie und der Stadtverwaltung berufen werden konnten. Dieses Dekret aus dem Jahr 321 gilt als der älteste Beleg für die Existenz jüdischer Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Auch in Harburg kann die gemeinsame deutsch-jüdische Geschichte auf eine lange Tradition zurückblicken: Erstmals wird sie in historischen Quellen schon im Jahr 1610 greifbar. Seitdem haben die Jüdinnen und Juden eine bewegte Geschichte erlebt, denn das christlich-jüdische Zusammenleben in Harburg war nie ganz spannungsfrei. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sich zwar die Beteiligungsmöglichkeiten der jüdischen Harburgerinnen und Harburger durch die Aufhebung der jahrhundertelangen und vielfältigen Beschränkungen verbessert und ihre Beteiligung am öffentlichen und wirtschaftlichen Leben wurde zusehends selbstverständlicher. In der Zeit des Nationalsozialismus endet dieses Zusammenleben jedoch mit der Vertreibung und anschließenden Ermordung der Harburgerinnen und Harburger jüdischen Glaubens.

Die kleine jüdische Gemeinde in Harburg zählte im frühen 20. Jahrhundert noch 335 Mitglieder, bis sie 1938 nach dem Novemberprogrom der Nationalsozialisten ganz verschwand und heute fast in Vergessenheit geraten ist. Doch etliche Orte in Harburg erinnern an sie, wie zum Beispiel der Ende des 17. Jahrhunderts gegründet Jüdische Friedhof. Der religiöse Mittelpunkt der Gemeinde lag seit 1863 mit der Synagoge in der Eißendorfer Straße. An den ehemaligen Standort der Harburger Synagoge erinnert heute noch ein Nachbau des Eingangsportals. Ein besonderer Ort, denn hier entlädt sich im November 1938 die antisemitische Hetze. Verbände der SA plündern und verwüsten die Synagoge, zerschlagen die Fenster, jüdische Kultgegenstände werden auf den Harburger Marktplatz „Sand“ geschleppt und dort verbrannt.

Heute erlebt die Stadt gerade auch durch die Einwanderung aus Osteuropa eine Renaissance jüdischen Lebens. Dabei stehen Sakralgebäude wie die Synagogen in den Stadtteilen erneut im Fokus städtischen Lebens der multiethnischen Elbmetropole. Die Ausstellung bietet ab 22. Juli eine gute Gelegenheit, das jüdische Leben in Harburg besser kennenzulernen. Sie macht sich auf die Suche nach Orten, Personen und Ereignissen aus der über 300 Jahre langen jüdischen Geschichte Harburgs und stellt das bewegende Schicksal der jüdischen Gemeinde und einzelner Gemeindemitglieder vor. Sie präsentiert zum Beispiel erstmals Fragmente der Harburger Thora, die in der Progromnacht beschädigt wurde und zunächst verschwand. Gleichzeitig zeigt sie aber auch auf, was Jüdinnen und Juden in den gemeinsamen Jahren zur Gesellschaft beigetragen haben. Die Ausstellung will jüdisches Leben in Harburg sichtbar machen und gleichzeitig bewusst machen, wie schnell aus Antisemitismus und Rassismus Ausgrenzung und Gewalt werden kann.

Die Ausstellung „Orte Jüdischen Lebens in Harburg“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Stadtmuseums Harburg, der Geschichtswerkstatt Harburg und der Initiative Gedenken in Harburg.

Führung durch die Ausstellung „Orte Jüdischen Lebens in Harburg“

Im Rahmen einer Kuratoren-Führung haben die Teilnehmer die Möglichkeit, jüdischer Geschichte zu begegnen und das Leben jüdischer Menschen in Harburg näher kennenzulernen.

Termin: Freitag, 23. Juli sowie 6., 13., 20., 27. August 2021, jeweils 4.00 – 15.00 Uhr

Anmeldung erforderlich: 040-42871-2497
Kosten: Museumseintritt
Medizinische Maske erforderlich

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

Pressemitteilung

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