Neugraben-Fischbek

„Lichtverschmutzung“? Eine Expedition im Vogelkamp

Neugraben-Fischbek. Auf Einladung der Harburger Grünen besuchte am Sonntagabend eine Gruppe interessierter  BürgerInnen das Wohngebiet Vogelkamp, um sich über das Thema „Lichtverschmutzung“ zu  informieren. Der noch recht unbekannte Begriff bezeichnet das unbeabsichtigte Streulicht, das beim  Beleuchten von Straßen und Gebäuden entsteht und Pflanzen und Tiere beeinträchtigt. So sind nachtaktive Amphibien etwa eine Stunde lang praktisch blind, nachdem sie einen hell ausgeleuchteten Bereich passiert haben, und werden leicht zu opfern von Fahrzeugen oder  Fressfeinden. Auch der Schlaf vieler Menschen ist wegen zu hellen Lichts von außen weniger tief.  

Diplom-Biologe Tobias Langguth, der die kleine Expedition durch den Vogelkamp leitete, ist kein Fan  des Begriffs „Lichtverschmutzung“. „Es geht doch vor allem um gute Beleuchtung, die es nur da hell und sicher macht, wo man es wirklich braucht – und nicht in zehn Metern Umkreis um die Laterne.  Oder am Himmel. Oder im Schlafzimmer der Nachbarn.“ 

Die Teilnehmer*innen konnten verschiedene Beispiele öffentlicher und privater Beleuchtung  kennenlernen – positive wie negative. So sind Straßenlaternen mit einem gelblich-rötlichen Licht weniger irritierend für Insekten und andere Tiere als grellweiße oder bläuliche Lampen. Die  vorgeschriebene Beleuchtung der Hausnummer kann dezent, oder, wie in der Straße mit dem  passenden Namen „Lichtnelkenweg“, blendend hell sein und sogar die Straßenlaternen überstrahlen.  Das Anstrahlen von Häusern, Denkmälern etc. zu dekorativen Zwecken sorgt oft für das unbeabsichtigte Ausleuchten des Himmels darüber, weil es von unten nach oben geschieht, statt umgekehrt. Schlecht eingestellte Bewegungsmelder, die auch auf Passanten und auf jede Katze reagieren statt nur auf Menschen, die das Grundstück betreten, sind ebenfalls ein Problem, das sich  leicht lösen ließe. 

Oft brennt helles Licht auch dann, wenn es nicht gebraucht wird. So ist der Kaufland-Anbau mit den  Rollbändern zur Parkebene auch sonntags abends um 22 Uhr hellerleuchtet, und an der Front Richtung Markt brennen fünf helle Lampen. Auch Leuchtwerbung an Kränen, also mitten in der Flugzone von Fledermäusen, Insekten und Vögeln, ist überflüssige Lichtverschmutzung. 

Tobias Langguth: „Das Thema ist noch nicht sehr im Bewusstsein – so wie CO2 oder Lärmschutz vor zwanzig Jahren. Die meisten Fehler passieren nicht aus Rücksichtslosigkeit, sondern aus Unwissen. Es  lohnt sich, Menschen und Institutionen freundlich darauf aufmerksam zu machen. Paradoxerweise  hat sich das Problem eher vergrößert, seit LEDs auf dem Markt sind. Die eigentlich erfreuliche  Energieeinsparung verführt zum sorglosen Umgang mit Licht, vor allem in Außenbereichen.“ 

Ein kurzer Ausflug in den Moorgürtel führte den Teilnehmer*innen die Lichtglocke vor Augen, die  vom Hafen und auch vom Airbus-Gelände ausgeht und dafür sorgt, dass man auch fernab von  Gebäuden und kilometerweit weg vom Zentrum die Milchstraße nicht sehen kann. Wie Aufnahmen  aus dem Weltall zeigen, sind die Nächte in den dicht besiedelten Regionen Europas niemals wirklich  dunkel. Vieles ließe sich mit mehr Aufmerksamkeit für das Thema und mit Verordnungen leicht  verbessern. 

Natürlich gibt es auch Zielkonflikte: Soll man die Schnellradwege, die oft durch Grünzonen verlaufen,  durchgehend beleuchten, damit die Fahrt dort sicher ist und keine „Angsträume“ insbesondere für  Frauen entstehen? Hier sind Naturschützer*innen und die Freunde ökologischer Mobilität noch in Diskussionen.

Manuel Sarrazin, Bundestagsabgeordneter und Direktkandidat der Grünen für den Hamburger  Süden: „Auch für mich war vieles neu, und mir fielen sofort Optimierungsmöglichkeiten für die  Außenbeleuchtung an meinem Zuhause in Cranz ein. Wie bei allen Themen, die uns beschäftigen,  geht es nicht darum, Menschen zu schulmeistern. Niemand kann sich in allen Lebensbereichen  perfekt verhalten; dazu ist unser Leben viel zu komplex. Aber ich bin dankbar für jede Anregung, wo  ich, oft mit kleinem Aufwand, selbst etwas verbessern kann. Wie fast immer geht es um einen Mix  aus politischen Vorgaben und eigenem Handeln.“ 

Nähere Infos zum Thema finden Sie hier: https://www.hamburg.de/lichtverschmutzung

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

Pressemitteilung

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