Hausbruch

Eltern an Hamburger Grundschule verzweifelt: “Wir sind besorgt um unsere Kinder”

Hausbruch. An der Grundschule “An der Haake” in Hausbruch stehen Eltern und Lehrkräfte ratlos vor der Frage, warum sie von der Schulleitung nicht ernst genommen werden. Mehrfach hatten sich Eltern wegen verschiedentlicher Vorfälle in der ersten Klasse an die Schulleitung gewandt, ihre Sorgen jedoch wurden negiert und verniedlicht. Jetzt haben sich mehr als 14 Betroffene versammelt und den Weg in die Öffentlichkeit gesucht.

“Hilfe, wir werden nicht ernst genommen”

In einem Brief an den Schulsenator Ties Rabe klagt ein Vater an: “Kinder, die nahezu täglich von ihrem Peiniger drangsaliert werden, mit Verletzungen nach Hause kommen…Würgemale, tritte in den Unterleib oder die Genitalien, Hämatome am Oberkörper… Das ist das Ergebnis einer erfolgreichen Gewaltprävention an einer Grundschule?” Vorausgegangen waren mehrere Vorfälle im ersten und dritten Jahrgang, wo Schülerinnen und Schüler teils derart verängstigt sind, dass sie die Schule nicht mehr besuchen wollen.

Damit können offenbar nicht nur die Eltern nicht umgehen. Wie Suederelbe24.de erfuhr, soll es allein in den letzten Wochen zu mehreren Kündigungen von Lehrkräften gekommen sein. Auch der Krankenstand sei derart bedenklich, dass man sich in der Schulbehörde doch mal die Frage stellen müsste, was da jenseits der Elbe im Argen liegt. 

Beschäftigte berichten von Mobbing, nicht gezahlten Löhnen und einer Führungsriege auf Schulleiterebene, die eigene Interessen verfolgt. Es habe sich der Eindruck durchgesetzt, dass hier jene als Störenfriede wahrgenommen werden, die sich Sorgen um diese Zustände machen.

Kindeswohlgefährdung steht im Raum

Ein Kind sei derart auffällig, dass alles für eine Kindeswohlgefährdung spricht. Sämtliche Hintergründe zu diesem Kind wurden der Redaktion bekannt. Nach unseren Informationen wurde der Verdacht zunächst der Schulleitung gemeldet, diese habe aber nur die Eltern des betroffenen Kindes angesprochen und keine Meldung an das Jugendamt gemacht. Dabei gibt es dafür handfeste Gründe, die auch der Schulleitung bekannt sein sollten.

Gewaltpädagogin steht bereit und wird nicht eingesetzt

Grotesk: Eine ausgebildete Gewaltpädagogin hatte die Schule als Erzieherin eingestellt. Als diese von Eltern angesprochen wurde, soll ihr verboten worden sein, sich mit den Sorgen der Eltern auseinander zu setzen. Diese sollten sich an ein Beratungsbüro wenden, denen die Kinder nicht mal persönlich bekannt sind. Inzwischen habe sie die Schule auf eigenen Wunsch wieder verlassen, wird berichtet.

Beteiligte rätseln über Motiv dieser Vorgehensweise

Für genau diese Probleme hat Hamburg eigentlich vorgesorgt. Jede Schule wird aus dem Bereich “Jugendschutz” der Polizei Hamburg von einem so genannten “Cop4you” betreut. Wenn Gewalt an Schulen auftritt, werden diese tätig und thematisieren das an der Schule. Die Hilfen sind vorhanden und vielfältig. So können Schulbegleiter beispielsweise besonders auffällige Kinder betreuen und versorgen. Grundsätzlich aber muss an der Schule der Wille existieren, diese Hilfen auch in Anspruch zu nehmen. Daran mangelt es offenbar und das lässt die Frage nach dem Motiv aufpoppen. Was ist der Schulleitung wichtiger, als ihre Schülerinnen und Schüler?

Für eine Stellungnahme wurde die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) mehrfach per E-Mail und Telefon angefragt. Bis zur Stunde liegt uns nichts vor. Aus einer früheren Anfrage (13.9.2021) an die Pressestelle der Schulbehörde, bei der ein Teil der Vorwürfe angefragt wurde, antworte die Schule noch: „Die Schule hat ein Prävetionscurriculum und eine Fachkraft für Kinderschutz, die aktiv wird – auch auf Wunsch der Eltern, sofern diese den Kontakt aufnehmen. Diese Information wird auf den Elternabenden und auch auf unserer Homepage veröffentlicht.„. Dies ist nur 16 Tage später offensichtlich nicht mehr gegeben. Immerhin wird aber auf einen „Kurs“ nach den Herbstferien für den Jahrgang 1 hingewiesen. Dort soll das Schlagen nochmal thematisiert werden.

Hinweis & Update:

Eine Ältere Version dieses Artikels enthielt den Hinweis darauf, dass der Elternrat die Aussage getroffen hätte, die Gewaltpädagogin hätte die Schule auf eigenen Wunsch wieder verlassen. Dies ist insofern nicht korrekt, als das die Aussage von der Mutter eines Betroffenen stammt. Inhaltlich ist sie aber korrekt wiedergegeben. Wie der Elternrat der Redaktion von Suederelbe24.de mitteilt, wurde er weder informiert, noch zu der Zusammenkunft der Eltern eingeladen. Insofern konnten die Vorwürfe von dort bisher auch nicht nachvollzogen werden.

Am 8.10.2021 teilt die Schulbehörde auf unsere Anfrage vom 1.10.2021 mit, dass es nicht ungewöhnlich ist, wenn es zu Schuljahresbeginn Personalveränderungen gibt, ungewöhnliche Vorgänge hat es an der Schule demnach nicht gegeben. Bezüglich der „Verhaltensauffälligkeit“ (Anm. der Redaktion: Hier ist wohl die von uns als Kindeswohlgefährdung beschriebene Passage gemeint) wurden alle notwendigen Schritte eingeleitet.

Der Artikel wurde am 4.10.2021 um die Meinung des Autors ergänzt:

Liebe Leserinnen und Leser,

der vorgenannte Artikel schlägt hohe Wellen und wird kontrovers diskutiert. Wie immer ist es so, dass ich nicht leichtfertig mit derartigen Meldungen an die Öffentlichkeit gehe. Gerade im Bereich der Schulen müssen und wollen wir sehr genau die Interessenlagen abwägen. Festzuhalten bleibt jedoch, dass es bis heute seitens der Schulbehörde keine Stellungnahme zur Kindeswohlgefährdung als auch überhaupt zu den Vorwürfen gibt, ausgenommen der im Artikel erwähnten. Letztlich ist mir persönlich mehr daran gelegen, über schulische Inhalte zu berichten. Etwa die sportlichen Leistungen der Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg, den Nachmittagskursen der Schulen oder Ferienangebote des Haus der Jugend. Die im Artikel genannten Vorwürfe stammen alle von persönlich Betroffenen, die ich teils in Telefongesprächen, persönlich in Einzelgesprächen als auch in einer Gruppe von 14 Personen getroffen habe. Ihre Vorwürfe, die teils noch weit über die im Artikel erwähnten hinausgingen, wurden verifiziert und nachvollzogen. Nicht belegbares wurde gar nicht erst veröffentlicht. Gleichwohl kann man die Interessen der Betroffenen wohl auf den kleinen Nenner zusammenführen, dass sie gehört und ernst genommen werden wollen. Wie immer gilt auch hier, dass ich mir diese Vorwürfe nicht zu eigen mache und natürlich sollte sich der Lesende bewusst sein, dass es zwischen schwarz und weiß noch etliche Nuancen gibt.

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Andreas Scharnberg

Andreas Scharnberg ist freiberuflicher Journalist und betreibt nebenher sein eigenes und unabhängiges Projekt einer regionalen Onlinezeitung. Der Vater von 4 Kindern ist Experte in Sachen der Lebenshilfe, aktiver Gewerkschafter, politisch interessiert und engagiertes Mitglied beim Weissen Ring. Als Hamburger weiß er auch, wie es ist, im Regen zu stehen.

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