HarburgKultur

Hamburgs Geschichte: Ausgrabungen haben spektakuläre Erkenntnisse geliefert

Harburg. Das Archäologische Museum Hamburg zeigt ab dem 25. November die neue Sonderausstellung „Burgen in Hamburg – Eine Spurensuche“. Mit dieser Ausstellung schlägt das Museum ein spannendes Kapitel der frühen Stadtgeschichte auf und nimmt nach neuestem Forschungsstand die mittelalterlichen Befestigungsanlagen in Hamburg in den Blickpunkt. Die historischen Überlieferungen werden mit den brandaktuellen Ausgrabungsergebnissen an der Neuen Burg verknüpft und die neuesten Forschungen zu Hamburgs „dunklen Jahrhunderten“ präsentiert. Spektakuläre Animationen, Rekonstruktionen und Filme vermitteln ein ganz neues Bild von den Ursprüngen Hamburgs. Das hat Museumsleiter Dr. Rainer-Maria Weiss heute anlässlich der Vorstellung des neuen Sonderprogramms mit bewegenden Worten formuliert.

Sechs Minuten in der Zeitkapsel reichen, um die wichtigsten Informationen zur „Neuen Burg“ zu gewinnen. Dr. Rainer-Maria Weiss nimmt schon einmal Platz, um sich die fertige Installation anzusehen. Foto: Suederelbe24.de

Schon im frühen Mittelalter gab es hier Befestigungsanlagen, die den wichtigen Warenumschlagplatz zwischen Nord- und Mitteleuropa schützten und die vor allem als befestigte Wohnsitze einen unentbehrlichen Schutzort und Machtfaktor für Herzöge und Kirchenfürsten darstellten. Archäologisch betrachtet, gibt diese wichtige Phase der Hamburger Stadtgeschichte aber immer noch viele Rätsel auf. Die neue Ausstellung „Burgen in Hamburg – Eine Spurensuche“ widmet sich nun den beiden Jahrhunderten nach der Hammaburg, dem 11. und 12. Jahrhundert. Auslöser waren die sensationellen Grabungsergebnisse der letzten Jahre an der Neuen Burg. Hier konnten grundlegend neue Erkenntnisse gewonnen werden, die den Übergang von der Hammaburg zur Neuen Burg in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Die Neue Burg war im 11. Jahrhundert die größte Burganlage Norddeutschlands und wurde im Auftrag des Billungerherzogs Bernhard II. ab 1021 errichtet – also vor genau 1000 Jahren. Als Nachfolgebau der Hammaburg kam ihr eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der Handelsstadt zu. Ihr mächtiger Wall schützte den Westen Hamburgs gegen feindliche Angriffe, während der Heidenwall am Speersort die Stadt nach Osten sicherte. Das Gebiet der Neuen Burg gilt heute als die Keimzelle der Hamburger Neustadt. Mit ihr begann der Aufstieg Hamburgs zur künftigen Hansestadt.

Die Burg war aber nicht aus Steinen errichtet, sondern – wie im Norden üblich – aus Holz und Erde. Die eindrucksvolle Wallanlage und ihre spektakuläre Erhaltung zogen bereits während der Ausgrabungen großes öffentliches Interesse an. Die neuen Erkenntnisse veränderten die Bewertung der historischen Abläufe, die bisher fester Bestandteil der Hamburgischen Geschichtsschreibung waren. In Hamburg und seinem Umland gab es weitere Burgen, die aber bislang kaum erforscht sind. Diese Lücke will die Ausstellung nun schließen. Mehrere Anlagen im Hamburger Stadtgebiet werden im Rahmen der Ausstellung in den Blick genommen, darunter die Mellingburg an der Oberalster und die Burg Falkenberg in den Harburger Bergen.

Die Schau räumt mit vielen Vorurteilen zu mittelalterlichen Burgen auf, beleuchtet die damalige politische Lage und stellt die Hauptakteure vor. Wer waren die Erbauer der Burgen? Wer hatte die Macht und lenkte die Geschicke der Hansestadt in dieser Zeit? In Hamburg regierten damals die Herzöge aus dem Geschlecht der Billunger und später der Schauenburger, auf der anderen Seite die einflussreichen Erzbischöfe des Doppelbistums Hamburg-Bremen. Eine Machtkonzentration auf engstem Raum, die nicht ohne Folgen blieb. Die Ausstellung präsentiert erstmals zahlreiche Originalfunde der archäologischen Ausgrabungen und die Besucher können sich von spektakulären Rekonstruktionen der Burgen faszinieren lassen: Detailreiche Illustrationen erwecken das frühe Hamburg zum Leben und zeigen die Burgen der Elbmetropole, wie man sie noch nie gesehen hat. Zur Ausstellung erscheint außerdem ein umfassender Forschungsband mit der Zusammenschau der bisherigen Grabungsergebnisse.

Das Veranstaltungsprogramm rund um die Ausstellung

Im Rahmen der Ausstellung wird ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm für alle Altersgruppen angeboten: Bei Workshops und Aktionstagen können die Besucher mittelalterliche Handwerkskunst bei Live-Vorführungen entdecken oder sich von einem Comiczeichner in mittelalterlichen Gewändern porträtieren lassen. Bei Vorträgen, Führungen zu den Fundorten der Hammaburg und der Neuen Burg, aber auch einem extra für die Ausstellung zusammengestellten Kinoprogramm kommen nicht nur Mittelalterfans auf ihre Kosten.

Geöffnet ist die Ausstellung von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 17 Uhr im Archäologisches Museum Hamburg (Museumsplatz 2, 21073 Hamburg). Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt, alle anderen zahlen 6 oder ermäßigt 4 Euro. Die Ausstellung läuft bis zum 17. April 2022.

Zeige mehr
AnzeigeIhre Zahlen klar im Blick

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.