Stade

Defektes Telefon am Lühe-Sperrwerk ruft Bürgerschaftsabgeordnete auf den Plan

Altes Land. Die Lühe ist in der Nacht zu Samstag im Landkreis Stade über die Ufer getreten und hat mehrere Keller überflutet sowie weitere Sachschäden angerichtet. Nach ersten Feuerwehrangaben konnte in der Nacht der für das Sperrwerk Lühe Zuständige aufgrund eines telefonischen Defekts nicht erreicht werden, sodass die Tore trotz auflaufendem Elbwasser nicht geschlossen wurden. Die Elbe hatte zu diesem Zeitpunkt einen Pegelstand von etwa einem Meter über dem mittleren Tidehochwasser. Der Wind drückte das Elbwasser in die Lühe. In der Folge wurde gegen 2:20 Uhr zunächst ein Wohnmobilstellplatz in Borstel überflutet. Die Wohnmobilfahrer schafften es laut Augenzeugen noch ihre Fahrzeuge auf einen höher gelegenen Parkplatz zu retten. Bei mehreren flussnahen Wohnhäusern lief die Lühe über den Garten bis in den Keller. In Neuenkirchen war ein ganzer Hofe überflutet. Autos, darunter Oldtimer, standen im Wasser. Bis zum Morgen schützten Feuerwehrleute einige Wohnhäuser mit Sandsäcken. In Steinkirchen wurde ein Bootsanleger aus der Verankerung gerissen, sodass die Boote drohten unkontrolliert auf die Lühe zu treiben. Feuerwehrleute sicherten den Steg. Am frühen Morgen entspannte sich mit ablaufendem Wasser die Lage. Personen wurden nicht verletzt. Die Höhe der Sachschäden ist noch nicht absehbar. Das Sperrwerk wird normalerweise bis zu 190 Mal im Jahr geschlossen, um Überflutungen in den dahinter liegenden Gebieten zu verhindern. Die Feuerwehr hatte nach eigenen Angaben, wie sonst üblich, keine Warnung vor einem möglichen Hochwasser durch die zuständige Behörde „Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz“ bekommen.

Dr. Gudrun Schittek Foto: Bündnis 90 / Die Grünen

Die Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Gudrun Schittek nimmt den Defekt am Lühe-Sperrwerk zum Anlass, auch über das Este-Sperrwerk zu sprechen: „Das Estesperrwerk ist wochentags von 6 bis 22 Uhr und an Wochenenden von 6 bis 18 Uhr besetzt. Außerhalb dieser Zeiten besteht ein Bereitschaftsdienst, das bedeutet, jemand kommt bei Bedarf von außerhalb, um die Tore zu schließen. Im Februar 2022 gab es in Hamburg mehrfache Sturmfluten in Folge. In der Nacht des 19. Februar wurden die Tore des Estesperrwerk so spät geschlossen, dass die anliegenden Grundstücke an der Este wesentlich höher als üblich und zusätzlich eine Obstanbaufläche überflutet wurde. Laut Vorhersage des Bundesinstituts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) wäre der Zeitpunkt der Schließung sicher vor der zu erwartenden Flut gewesen, die Flutwelle hatte jedoch bereits eine Stunde vorher den erwarteten Wasserstand, so dass die Schließung buchstäblich in letzter Minute erfolgte. Möglicherweise war der Bediener erst sehr spät vor Ort. Weder eine ferngesteuerte Schließung der Tore noch die  ersatzweise Schließung durch die Feuerwehr ist möglich. Daraus ergeben sich große Unsicherheiten für die Menschen im Alten Land.“

Wie Frau Dr. Schittek mitteilt, hat die Umweltbehörde zugesagt, die Situation zeitnahe und in Kooperation mit der HPA auszuwerten. Es muss sichergestellt werden, dass beispielsweise im Falle einer Sturmflut das Sperrwerk notfalls von der örtlichen Feuerwehr bedient werden kann.

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