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Hamburger weichen ins Umland aus – SPD im Landkreis fordert bessere medizinische Versorgung

Buchholz. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) im Landkreis Harburg lud am 12. August 2022 zu einer Podiumsdiskussion zur hausärztlichen Versorgung im Landkreis Harburg ein. Podiumsgäste waren Hausarzt Norbert Eckardt aus Neu Wulmstorf, die SPD-Landtagskandidatin Sabine Lehmbeck aus Winsen, sowie die Gesundheitspolitikerin und SPD-Generalsekretärin für Niedersachsen, Hanna Naber.

Anlass für die Veranstaltung war die besorgniserregend niedrige Arztdichte in der Metropolregion Hamburg. So berichtete Hausarzt Eckardt, dass seine Praxis in Neugraben-Fischbek im Quartal etwa 1.300 Patientinnen und Patienten behandelt. „Das hat zum einen mit ungleichmäßiger Verteilung von Arztsitzen zu tun“, sagt er aus Erfahrung. So sind beispielsweise im Bezirk Harburg etwa 25 Prozent der Hausarztsitze nicht besetzt.

Auch der Landkreis leide darunter, denn die Menschen suchten sich Alternativen im Umkreis, zum Beispiel in Neu Wulmstorf. Diese Rückwirkung verspürt auch der zuständige Landkreis Harburg. So habe der Landkreis Harburg zwar deshalb die Kampagne „Stadt.Land.Praxis“ eingerichtet, mit der junge Hausärzte und Ärztinnen für eine Niederlassung in der ländlichen Region gewonnen werden sollen. „Aber es fehlt eben der medizinischem Nachwuchs“, sagte Eckardt.

Er kritisierte zudem, dass die vorhandenen Geldmittel anders verteilt werden müssten. Die Gesundheitsexpertin Hanna Naber war ebenfalls der Meinung, dass es nicht um zusätzliche Mittel gehe. Alternativen sind in der Gesundheitspolitik auch bereits im Gespräch, berichtete Naber. Ein Vorschlag des Abends war beispielsweise, die Situation durch kommunale Versorgungszentren zu verbessern. In kommunaler oder genossenschaftlicher Regie können in Niedersachsen Regionale Versorgungszentren (RVZ) eingerichtet werden, in denen die medizinische Versorgung auch noch mit Pflege oder therapeutischen Angeboten ergänzt werden.

Die Podiumsgäste waren sich einig in der Ansicht, dass sich der Mangel in der Ärzteversorgung in den kommenden Jahren noch verschärfen werde, weil eine erhebliche Anzahl von Haus- und Fachärzten ihr Rentenalter erreichen. Der allgemeine Fachkräftemangel mache sich in den Arztpraxen deutlich bemerkbar, berichtete Eckardt. Er selbst begegnet diesem, indem er neuerdings auch nicht-ärztliche Fachkräfte beschäftigt. Dabei handelt sich um Medizinische Fachangestellte mit Zusatzausbildung, die Aufgaben übernehmen, die bisher von Ärzten ausgeführt werden.

„Der Fachkräftemangel wird verstärkt“, sagt Sabine Lehmbeck dazu, „weil heute auch junge Ärztinnen und Ärzte ein anderes Verständnis von Arbeitszeit haben, als noch ihre älteren Kollegen, die teilweise rund um die Uhr zur Verfügung standen.“ Dieser Entwicklung müsse sich die Gesundheitspolitik stellen. Auch dafür können Ärztezentren eine Möglichkeit bieten. Die Debatte soll fortgesetzt werden. Die Frauen der ASF werden diese politisch begleiten, denn hier geht es unter anderem auch um attraktive Arbeitsmöglichkeiten für die Jüngeren, für die die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Ehrenamt ein Thema geworden ist.

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